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Ernährung: Bestimmte Lebensmittel halten das Gehirn fit

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Von: Karolin Schäfer

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Damit das Gehirn und seine kognitiven Funktionen lange fit bleiben, ist die richtige Ernährung entscheidend. Welches Essen unsere Leitungsfähigkeit unterstützt.

Frankfurt – Egal ob Riegel, Vitaminpillen oder Energydrinks – viele Hersteller werben mit sogenanntem Brainfood. Die Nahrungsergänzungsmittel sollen dabei helfen, die Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern.

Fest steht, dass eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise das Gehirn sowie im Alter vor dem Verlust kognitiver Funktionen schützt. Ungesunde Kost kann nämlich zu Entzündungsprozessen führen, die wiederum für das Gehirn schädigend sind. Gegen Entzündungen wie Arthrose, Rheuma und Co. helfen beispielsweise antientzündliche Lebensmittel. Aber was unterstützt die Hirnfunktionen?

Ernährung und Gehirn: Kann Spermidin die geistige Leistungsfähigkeit verbessern?

„Bisherige Daten lassen vermuten, dass sogenannte Polyamine, insbesondere das Spermidin, sich positiv auf die Gehirnfunktion und geistige Fähigkeiten auswirken“, erklärte Professor Agnes Flöel von der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald in einem Beitrag der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Polyamine sind Moleküle, die für Zellen zum Überleben und Wachsen nötig sind. Sie werden sowohl mit der Nahrung aufgenommen als auch körpereigen produziert, wobei ihre Menge in den Zellen mit dem Alter abnimmt. Ein Überblick, welche Lebensmittel Spermidin enthalten:

Ernährung und Gehirn: Studie untersucht Auswirkungen von Spermidin

Neurowissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler gehen davon aus, dass Spermidin dem kognitiven Verfall vorbeugen kann. Studien zeigten bereits, dass eine Spermidinzufuhr über die Nahrung den altersbedingten Erinnerungsverlust bei Fruchtfliegen und Würmern gestoppt hat. Aber auch beim Menschen lassen sich positive Effekte auf die Hirnleistungen vermuten.

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung hält nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit.
Eine ausgewogene, gesunde Ernährung hält nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit. © Janine Schmitz/photothek.de/imago

Eine Studie der Fachhochschule Wiener Neustadt aus dem Jahr 2020 unter der Leitung von Thomas Pekar und Reinhart Jarisch vom FAZ-Floridsdorfer Allergiezentrum zeigte, dass eine Spermidin-reiche Kost die Gedächtnisleistung verbessern kann. Untersucht wurden 85 Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen. In einem Zeitraum von drei Monaten wurde das Frühstück an sechs Tagen pro Woche auf eine Spermidin-reiche Ernährung umgestellt.

Ernährung und Gehirn-Gesundheit: Lebensmittel können auch kognitiv fit halten

Die Untersuchungen legten nahe, dass zwar die Spermidinkonzentration im Blut im zunehmenden Alter abnahm, aber bereits nach einem Monat nach der Ernährungsumstellung eine Anhebung der Konzentration zu beobachten war. „Drei Monate nach der Ernährungsumstellung zeigen die Probandinnen und Probanden bereits signifikant verbesserte Gedächtnisleistungen“, schrieben die Forschenden. „Ich bin stolz, dass wir mit diesem praxisrelevanten Projekt gemeinsam mit unseren Studierenden aufzeigen konnten, dass es mit einer einfachen Ernährungsumstellung möglich ist, dem altersbedingten Gedächtnisverlust vorzubeugen“, erklärte Studienleiter Pekar gegenüber österreichischen Medien.

Nahrungsergänzungsmittel können keine ausgewogenen Ernährung ersetzen

Auch Studien aus Deutschland belegten erste positive Auswirkungen von Spermidin in der Nahrung. „Wir haben in einer eigenen kleinen Studie (...) die Wirkung von natürlichem Spermidin, das aus Weizenkeimen gewonnen und in Kapseln verpackt worden war, auf Lernen und Gedächtnis untersucht“, berichtete Professor Agnes Flöel von der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald gegenüber der DGN. Auch hier konnten bereits nach einer dreimonatigen Einnahme Verbesserungen der Gedächtnisleistungen festgestellt werden, und das „bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

Gleichzeitig wies die Wissenschaftlerin daraufhin, dass Nahrungsergänzungsmittel „nie eine ausgewogene Ernährung ersetzen“ können. Grundsätzlich komme es darauf an, viel Obst, Gemüse sowie ungesättigte Fettsäuren zu essen. Zucker hingegen sollte möglichst vermieden werden. „Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel man isst“, ergänzte Flöel. „In Studien führte eine Kalorienrestriktion, vor allem der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.“

Gesunde Ernährung hält das Gehirn fit

Spermidin ist in Deutschland nicht als Arzneimittel, wohl aber als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Auch wenn Spermidin vor allem für die Wissenschaft eine spannende Substanz ist, fehlt es bislang noch an aussagekräftigen Daten. „Ein Nutzen durch die Einnahme spermidinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel konnte bisher in keiner Studie am Menschen belegt werden“, erklärte die Verbraucherzentrale NRW. Stattdessen werden Vollkornprodukte, Nüsse und Pilze empfohlen. „Diese enthalten Spermidin in der natürlichen Pflanzenmatrix. Das schadet keinesfalls und hilft vielleicht die kognitiven Leistungen im Alter zu verbessern“, so die Verbraucherzentrale.

Aber auch andere Lebensmittel können die Konzentration und Gedächtnisfunktion im Gehirn steigern. Viel Wasser, viele komplexe Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe sorgen für einen gesunden Geist, riet das Landeszentrum für Ernährung in Baden-Württemberg. Diese Lebensmittel werden empfohlen:

Richtige Ernährung für gesunde Hirnfunktion: Das empfiehlt die WHO

Wichtig sind für eine gesunde Gehirnfunktion also Energie und Nährstoffe. Makronährstoffe – Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate – sollten dabei möglichst ausgewogen sein. Diese Zusammensetzung empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO):

Nährstoffetägliche Zufuhr
Kohlenhydrate55 bis 70 Prozent
Protein10 bis 15 Prozent
Fett15 bis 13 Prozent

(kas)

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