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Früh erkannt

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Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sind heiß umstritten. Während die einen die Behandlungsmöglichkeiten des früh erkannten Tumors loben, sehen die anderen die Untersuchungen als unnötig an.

Von Dr. med. Johannes Weiß

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen sind eigentlich eine gute Sache: Man geht regelmäßig zum Arzt, damit der einen gründlich auf Krebs untersucht. Findet er was, besteht immerhin eine gute Chance, dass der Tumor frühzeitig entdeckt wurde. Denn fällt Krebs erst dann auf, wenn er bereits Beschwerden macht oder metastasiert hat, ist es für eine Heilung in aller Regel zu spät.

Aber auch hier hat die Medaille zwei Seiten: Natürlich ist es prinzipiell gut, wenn Krebs frühzeitig entdeckt wird und sich dann heilen lässt. Es ist aber nicht gesagt, dass der Tumor auch wirklich Probleme gemacht hätte. Manche Krebsarten schlummern vor sich hin und wären niemals aufgefallen, wenn sie nicht aufgestöbert worden wären.

Daher gibt es auch immer wieder Streit darüber, ob die Krebsfrüherkennung wirklich sinnvoll ist. Die Befürworter sagen, dass Tumoren so früh wie möglich entdeckt werden müssen. Die Kritiker argumentieren, dass nicht jeder gefundene Tumor hätte behandelt werden müssen. Das Dumme dabei ist nur, dass sich nicht vorhersagen lässt, welcher Tumor Probleme machen wird und welcher harmlos ist.

Für die Brustkrebsfrüherkennung etwa sieht es nach Expertenmeinung so aus: Wenn 1000 Frauen 20 Jahre lang zur Mammographie gehen, rettet dies voraussichtlich fünf vor dem Tod durch Brustkrebs. Weitere fünf werden aber unnötig zu Brustkrebspatientinnen, da ihr Tumor ohne Früherkennung niemals aufgefallen wäre. Außerdem müssen sich 50 Frauen Gewebeproben unterziehen, die sich letztlich als harmlos herausstellen.

Auch bei Screenings auf Prostatakrebs mittels Tastuntersuchung und PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) im Blut gehen die Meinungen schon lange auseinander. Ließen sich bisher aber nur die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der Früherkennung überblicken, berichten Wissenschaftler nun über ihre Erfahrungen aus 20 Jahren und bestärken die Zweifler.

Von etwas mehr als 9000 Männern hatten sie knapp 1500 per Zufallsprinzip für ein Früherkennungsprogramm auf Prostatakrebs ausgewählt, das in dreijährigem Abstand insgesamt zwölf Jahre lang durchgeführt wurde. Alle Männer (also auch die ohne Screeninguntersuchungen), die nach diesen zwölf Jahren Prostatakrebs hatten, wurden weitere neun Jahre beobachtet.

Nach diesen über 20 Jahren unterschieden sich die Teilnehmer beider Gruppen nicht wesentlich bezüglich des Risikos, an Prostatakrebs zu sterben. Und darauf kommt es ja schließlich an. Letztlich muss also jeder selbst entscheiden, was er machen möchte. Die Wissenschaft ist da derzeit keine wirkliche Hilfe.

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