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Nicht ratsam: die unkontrollierte Einnahme von Schmerzpillen.

Migräneattacken mit Aura

Erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall

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Gefährdet sind vor allem Frauen, die unter häufigen Migräneattacken mit Aura leiden.

Menschen, die unter Migräne leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und venöse Thrombosen. Das haben zwei große Studien aus den USA und Dänemark ergeben. Betroffen davon sind vor allem Patienten, deren Migräne mit einer Aura einhergeht – neurologischen Ausfallerscheinungen, die sich unter anderem in Lichtblitzen, Gesichtsfeldausfällen und Augenflimmern äußern können.

Auf die Sterblichkeit wirke sich dieses erhöhte Risiko allerdings nicht aus, sie sei insgesamt nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung, sagt Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: „Ärzte, die Migränepatienten behandeln, sollten sich des Risikos aber bewusst sein.“ 

Große Vergleichsstudie

Die aktuelle Publikation aus den USA ist „die größte bisher publizierte Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen mit Migräne und stützt sich auf die Daten von 16 Studien“, erläutert Charly Gaul, Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein und Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Eingeschlossen in diese große Vergleichsstudie wurden rund 400 000 Migränepatienten und als Kontrollgruppe 750 000 Menschen, die nicht von dieser Erkrankung betroffen sind. Nimmt man alle vaskulären – die Gefäße betreffenden – Ereignisse zusammen, so war das Risiko für Migränepatienten um 42 Prozent erhöht, bei einem Schlaganfall waren es 41 Prozent, bei einem Herzinfarkt 23 Prozent. Bei Patienten, die bei ihren Attacken eine Aura erleben, lag das Risiko für einen Schlaganfall bei 56 Prozent. Und während die Sterblichkeit an Krankheiten aller Art in der gesamten Gruppe der Migräniker nicht höher war als bei der Kontrollgruppe, so galt das nicht für jene Teilnehmer, die unter einer Migräne mit Aura litten. „Die Gesamtsterblichkeit dieser Patienten war um 20 Prozent erhöht“, erklärt Charly Gaul.
Die Studie aus Dänemark kommt zu ganz ähnlichen Ergebnisse. Dort verglichen Wissenschaftler die Daten von mehr als 50 000 Patienten über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren mit denen einer 500 000 Menschen umfassenden Kontrollgruppe.

Patienten sollten sich von dem erhöhten Risiko aber nicht „verängstigen lassen“, sagt Hans-Christoph Diener, „denn die absolute Zahl der Ereignisse ist relativ gering“. Allerdings rät der Seniorprofessor für Klinische Neurowissenschaften an der Universität Duisburg-Essen Ärzten, dass sie insbesondere Frauen, die unter häufigen Migräneattacken mit Aura leiden, auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen – und diese dann „konsequent behandeln“. Von besonderer Bedeutung seien dabei das Rauchen und die Einnahme hormoneller Empfängnisverhütungsmittel, beide erhöhen bereits für sich das Risiko für Gefäßerkrankungen. 

Unklar sei bislang noch, ob durch eine wirksame Behandlung der Migräne auch das Risiko für Gefäßerkrankungen gesenkt werden können, sagt Charly Gaul. Um das nachzuweisen, seien Studien mit einer Beobachtungszeit von mehr als zehn Jahren nötig.

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