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Elotrans: Sind Elektrolyte ein Wundermittel gegen Kater?

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Von: Niklas Kirk

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Um einen alkoholbedingten Kater zu vermeiden, greifen immer mehr Leute zu Elektrolyten-Lösungen. Deren Wirkung ist allerdings nach wie vor umstritten.

Frankfurt – Inmitten eines Sommers, mit geöffneten Bars, Diskotheken und wieder stattfindenden Konzerten und Festivals, ist er für die meisten Menschen unverzichtbar: der Alkohol. Um den unerwünschten Nebeneffekten am nächsten Morgen vorzubeugen, schwören immer mehr Menschen auf vermeintliche Wundermittel, die den Kater eliminieren sollen.

Eine kurze Internetrecherche führt die Suchenden zu Produkten, die das Versprechen abgeben, mithilfe von Elektrolyten, die Feiernden von ihren selbstverursachten Beschwerden wie Müdigkeiten, Übelkeit und Kopfschmerzen zu befreien.

Elotrans bei Kater: Als Durchfall-Mittel gegen den Alkohol-Blues?

Aus der Palette heraus sticht dabei ein Produkt, deren ursprünglicher Zweck die Bekämpfung von Durchfallerkrankungen ist: Elotrans. Längst hat der Hersteller Stada dabei seine Beliebtheit erkannt und kokettiert in Social-Media Posts mit dem Image als Anti-Kater Mittel.

Die vermeintliche Erfolgsformel folgt bei den Produkten derselben Logik: Die Mineralstoffe, die dem Körper durch den Alkoholkonsum entzogen werden – zu denen auch Elektrolyte wie Natrium zählen –, werden in konzentrierter Form wieder zurückgegeben. Dazu wird ein Pulver in Wasser aufgelöst und getrunken. Nach demselben Verlust-Ausgleichs-Prinzip funktioniert Elotrans bei Durchfallerkrankungen.

Fest steht: Um normal funktionieren zu können, darf der Flüssigkeitsspiegel des Körpers nicht zu sehr schwanken. Zudem helfen Elektrolyte, wie Natrium, Kalium, Chlorid und Bikarbonat auch, die Regulierung des Wasserhaushaltes zu stabilisieren. Schaut man auf die Inhaltsstoffe von Elotrans sind drei der vier genannten Elektrolyte vertreten, was für einen positiven Effekt von Elotrans sprechen sollte.

Elotrans als Mittel gegen Kater? Wissenschaftler uneinig über Wirksamkeit

Dennoch sind sich Experten über die Wirksamkeit uneins. „Bei Durchfallerkrankungen werden wichtige Mineralstoffe aus dem Körper ausgeschwemmt.“ In Elotrans seien die wichtigsten Elektrolyte wie Natrium, Kalium oder Chloridionen enthalten. Diese brauche der Körper, um zu funktionieren, sonst fühle man sich schwach, wird der Apotheker Florian Schwarz in der Augsburger Allgemeinen zitiert. Dass Elotrans bei einer Alkoholintoxikation funktioniert, kann Schwarz nicht bestätigen, auch wenn er es vermutet.

Tatsächlich ist es nach wie vor nicht geklärt, was die kausalen Faktoren für einen Kater sind. Dazu gebe es „verschiedene Hypothesen“, wie Wolf-Dietrich Braunwarth, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte. „Die plausibelste ist die, dass wir beim Konsum von Alkohol mehr Flüssigkeit ausscheiden, als wir zu uns nehmen.“, der Körper also dehydriert und die Symptome entwickelt. Schuld daran sei ein Hormon, das zu verstärkten Wasserausscheidungen führt, die der Körper ohne entsprechende Wasserzufuhr nicht ausgleicht. Eine andere Hypothese sieht den Grund im Alkohol selbst beziehungsweise in einem der Abbauprodukte.

Wein
Hat einen Elektrolytmangel im Körper zur Folge: übermäßiger Alkoholkonsum. © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Elotrans: Zweckentfremdung stößt auf Kritik – auch bei Kater gibt es Alternativen zum Durchfall-Mittel

Die Beliebtheit von Elotrans, trotz fehlendem wissenschaftlichen Beleg zur Wirkung, war dabei in den letzten Monaten ungebrochen, sodass es in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr verfügbar war. Dabei wird das Granulat von vielen Menschen dringend gebraucht. Christine Waibel, Inhaberin einer Apotheke aus Augsburg weist in der Augsburger Allgemeinen vor allem auf die Gefahren für Kinder und Säuglinge hin. Diese müssten im Falle einer Durchfallerkrankung bei gleichzeitigem Fehlen der Elektrolytmischung, oft in der Notaufnahme behandelt werden, um den Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen.

Ob Elotrans zur Vorbeugung des Katers nun hilft, oder zumindest der Placebo-Effekt, so ist davon auszugehen, dass die Beliebtheit von Kater-Prävention so schnell nicht verfliegen wird. Um den Engpässen bei wichtiger Arzneimitteln vorzubeugen, kann auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Durchfallerkrankungen verwiesen werden. Die Rezeptur der Trinklösung gegen Durchfall lautet: Salz, Zucker, Orangensaft und Wasser. Vielleicht hilft sie ja auch gegen Kater-Beschwerden. Übermäßiger Alkoholkonsum sollte jedoch nicht unterschätzt werden, denn er kann fatale Folgen für die Gesundheit haben – bereits ein Glas pro Tag reicht aus. Zudem kann Alkohol das Krebs-Risiko erhöhen. (nki)

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