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Diese Ernährung führt wohl zu Depressionen: Studie gibt neue Hinweise

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Von: Karolin Schäfer

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Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine prolinreiche Ernährung mit einem erhöhten Risiko, an Depressionen zu erkranken, verbunden ist.
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine prolinreiche Ernährung mit einem erhöhten Risiko, an Depressionen zu erkranken, verbunden ist. © Monkey Business 2/imago

Ernährungsweisen mit einer bestimmten Aminosäure, die besonders in tierischen Lebensmitteln vorkommt, sollen eher zu Depressionen führen.

Barcelona – Depressionen gehören zu den häufigsten, aber auch am meisten unterschätzten Erkrankungen. Das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass 8,2 Prozent der erwachsenen Deutschen im Alter von 18 bis 79 Jahren im Laufe eines Jahres an einer unipolaren oder anhaltenden depressiven Störung erkranken.

Dabei lässt sich die psychische Erkrankung nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen, sondern entsteht meist aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Neue Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Aminosäure namens Prolin in Verbindung mit Depressionen steht.

Depressionen
Typaffektive Störung
Häufige Symptomeinnere Leere, Antriebslosigkeit, Selbstzweifel, Ängste

Studie zu Depressionen: Prolinreiche Ernährung soll das Risiko erhöhen

Forschende des Girona Biomedical Research Institute (IDIBGI) und der Pompeu Fabra University (UPF) in Barcelona haben die Rolle der Aminosäure bei Menschen, Mäusen und Fliegen untersucht. Prolin ist eine nicht essenzielle Aminosäure, die unter anderem in Rind-, Schweine und Hühnerfleisch, Gelatine, Fisch, sowie Innereien wie Leber, Ei und einigen Käsesorten vorkommt. Die wissenschaftliche Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlichte die Forschungsergebnisse, die darlegen, dass eine prolinreiche Ernährung mit einem erhöhten Risiko, an Depressionen zu erkranken, verbunden ist.

Zur Erhebung der Daten wurde einerseits die Art und Menge der Aminosäuren in der Ernährung der Teilnehmenden analysiert, andererseits mussten die Probanden mittels eines Fragebogens ihre depressive Stimmung angeben. „Wir waren überrascht, dass der Konsum von Prolin am stärksten mit Depressionen assoziiert war“, sagte einer der leitenden Forscher José Manuel Fernández-Real vom IDIBGI.

Das bedeutete allerdings nicht, dass jeder, der viel Prolin zu sich nahm, automatisch depressiver war. Entscheidend im Zusammenhang mit Depressionen seien den Forschenden zufolge auch die Darmmikrobiota (Darmflora). „Die Mikrobiota von Patienten mit hohem Prolin-Konsum, aber niedrigem Prolin-Plasmaspiegel, ähnelte der Mikrobiota, die mit niedrigen Depressionswerten assoziiert sind“, erklärte Studienleiter Jordi Mayneris-Perxachs.

Depression: Erhöht Prolin das Risiko? Experimente mit Mäusen geben Aufschluss

Um zu prüfen, ob das Vorhandensein von Prolin eine Ursache oder Folge der depressiven Stimmung ist, wurden eine Reihe von Mikroorganismen der Teilnehmenden in Mäuse transplantiert. Mäuse, die Mikrobiota von Teilnehmenden mit hohem Prolin-Gehalt erhalten hatten, neigten eher zu depressivem Verhalten. Diese Untersuchung zeige, dass „Prolin möglicherweise kausal mit der Depression verbunden ist“, erklärte Rafael Maldonado von der UPF. Demzufolge könne Prolin im Körper ursächlich für depressive Stimmungen betrachtet werden.

Im weiteren Verlauf der Studie wurden genetisch veränderten Fruchtfliegen zwei Arten von Bakterien aus der Mikrobiota, die mit dem Prolin-Konsum in Verbindung stehen, verabreicht. Allerdings wurden die Wege, die Prolin zum Gehirn transportieren, blockiert. Das Ergebnis: Die Aminosäure konnte das Gehirn nicht erreichen, weshalb die Fliegen widerstandsfähiger gegenüber depressiven Verstimmungen waren.

Laut einer Studie haben besonders Langschläfer ein höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken, als Frühaufsteher.

Depressionen: Studie eröffnet Wege für ernährungsbasierte Behandlungen

Die Ergebnisse der Studie legen also nahe, dass eine prolinreiche Ernährung mit einem erhöhten Depressionsrisiko verbunden ist. „Diese Ergebnisse zeigen die Bedeutung von Prolin und seinen Einfluss auf die depressive Stimmung des Menschen, was bisher nicht berücksichtigt wurde“, betonte Fernández-Real. Die Untersuchungen würde vor allem neue Wege für Studien eröffnen, „mögliche ernährungsbasierte Behandlungen für Depressionen zu finden.“ (kas)

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de.

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