Auch wenn sie fälschlicherweise oft als „Ohrstäbchen“ bezeichnet werden: Ins Ohr gehören Wattestäbchen definitiv nicht. 
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Auch wenn sie fälschlicherweise oft als „Ohrstäbchen“ bezeichnet werden: Ins Ohr gehören Wattestäbchen definitiv nicht. 

Vier Gründe

Darum gehören Wattestäbchen nicht ins Ohr

Zu Wattestäbchen sagt mancher automatisch Ohrstäbchen – als seien sie zum Reinigen der Ohren gemacht. Dabei warnen Ärzte davor, denn die kleinen, spitzen Hygieneartikel haben nach ihrer Ansicht im Ohr nichts zu suchen.

Warum überhaupt Wattestäbchen ins Ohr stecken? Manchmal hört man plötzlich schlechter oder hat das Gefühl von Wasser im Ohr: Das sind typische Anzeichen für Ohrenschmalz, erklärt Joachim Wichmann, Vizepräsident des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Wattestäbchen, Tropfen oder Sprays zum Reinigen der Ohren sind unnötig. Falsch angewendet, seien sie sogar schädlich, warnt der Experte. Wir haben vier Gründe gesammelt, warum Wattestäbchen nicht ins Ohr gehören:

1. Das Ohr reinigt sich in der Regel selbst

Eigentlich reinigt sich das Ohr selbst, manchmal bildet sich aber ein Pfropf aus Ohrenschmalz. Laut Wichmann setzt sich Ohrenschmalz unter anderem aus altem Zellmaterial und Schweiß zusammen und ist wichtig für die Reinigung des Gehörgangs.
Feine Härchen im Gehörgang transportieren die Absonderung nach außen zur Ohrmuschel. Die lasse sich leicht und gefahrlos mit lauwarmem Wasser und einem Waschlappen reinigen, erklärt der HNO-Fachmann. Tiefer sollte die Reinigung aber keinesfalls gehen. Wem das Ohrenschmalz im Gehörgang unangenehm ist, sollte für eine professionelle Reinigung zum Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) gehen.
Bei manchen Menschen reinigt sich das Ohr jedoch nicht selbst. Das sei etwa bei besonders verwinkelten Gehörgängen der Fall, bei Schwimmern oder manchmal auch bei älteren Menschen. Sie sollten sich die Ohren regelmäßig vom Experten säubern lassen.

Ohrenschmalz lässt nicht auf mangelnde Hygiene schließen. Wie viel Ohrenschmalz sich bildet, hat nichts mit der Hygiene zu tun. Im Alter bilden die Ohrenschmalzdrüsen weniger Fett, deshalb wird der Ohrenschmalz fester und sammelt sich in den Ohren. Das kann zu Schwerhörigkeit führen. Auch Hörgeräte fördern die Ansammlung von Ohrenschmalz.

2. Wattestäbchen reinigen das Ohr nicht, sondern schieben den Ohrenschmalz tiefer hinein

Eigenhändig mit einem Wattestäbchen im Gehörgang herumzustochern, befreie das Ohr nicht von der Absonderung, sondern schiebe sie nur noch tiefer hinein, erklärt Wichmann. Der Gehörgang laufe nach innen spitz zu. „Versuchen Sie mal, einen Trichter mit einem Wattestäbchen zu reinigen. Den verstopfen Sie damit nur“, so der Arzt. Ist der Gehörgang mit Ohrenschmalz verstopft, helfe nur der Gang zum HNO-Arzt.

3. Wattestäbchen könnte das Trommelfell verletzen

Wattestäbchen und andere Utensilien wie Haarnadeln oder Streichhölzer sind für die Reinigung der Ohren ungeeignet, warnt auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Im schlimmsten Fall durchsteche ein Ohrstäbchen das empfindliche Trommelfell. Das sei sehr schmerzhaft. Das Loch wachse manchmal von selbst wieder zu. Andernfalls sei eine Operation notwendig, so Wichmann.
Manche greifen beim Säubern der Ohren zu kuriosen Methoden, hat der HNO-Experte beobachtet. Einige bohrten sich etwa mit auseinandergeklappten Büroklammern im Gehörgang herum – das sei absolut tabu. Skeptisch sieht er auch eine in Japan populäre Erfindung: Dort ist ein Endoskop für Ohren auf dem Markt. Mit der einen Hand führt der Nutzer eine spitze Nadel in den Gehörgang, um den Ohrenschmalz zu entfernen. In die Nadel ist eine winzige Kamera eingebaut. In der anderen Hand hält er einen kleinen Monitor, der genau zeigt, wie es im Ohr aussieht. Das soll die Gefahr senken, etwa das Trommelfell zu verletzen. Wichmann rät aber dringend von solchen Geräten ab.

4. Ohrenschmalz nur vom Fachmann entfernen lassen

Bei manchen ist das alle sechs bis acht Wochen nötig, bei anderen alle drei Jahre. Mit der Pflege zu Hause hat das nichts zu tun. „Eigentlich haben Patienten keine Chance, ihre Ohren selbst zu reinigen, man kommt einfach nicht ran.“ (sar/ mit Material der dpa)

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