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Bauchschmerzen sind ein häufiges Symptom, wenn der Darm chronisch entzündet ist.

Symptome und Therapien

Darm-Entzündung: So können Sie das Leiden lindern

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Eine chronische Entzündung im Darm ist eine Krankheit mit hohem Leidensdruck. Aber man kann die Symptome bei einem entzündeten Darm erkennen und behandeln. 

Der Leidensdruck ist enorm und kann durch Schamgefühle noch erheblich verstärkt werden: Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen quälen starke Bauchschmerzen und zum Teil blutige Durchfälle, sie müssen häufig die Toilette aufsuchen. Oft stellt sich zusätzlich noch ein allgemeines Krankheitsgefühl ein: Die Gelenke tun weh, Haut und Augen können sich entzünden, die Patienten fühlen sich insgesamt müde und abgeschlagen, nicht selten führen Entzündung und der stetige Blutverlust beim Stuhlgang zu Eisenmangel.

„Es gibt eine große Bandbreite an Symptomen“, erklärt Professor Oliver Schröder, Leiter der Sektion Gastroenterologie am Bürgerhospital Frankfurt: „Die Diagnose ist schwierig, oft dauert es Jahre, bis die wahre Ursache der Beschwerden gefunden wird.“

Der Gastroenterologe und Endokrinologe betreute zehn Jahre lang in einer großen Ambulanz der Uniklinik Frankfurt rund 500 Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und baut am Bürgerhospital nun eine sogenannte „Ermächtigungsambulanz“ auf. Dorthin können sich Patienten von einem Gastroenterologen überweisen lassen. Voraussetzung: Bei ihnen muss ein Verdacht auf Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa vorliegen. Beide stellen die häufigsten Formen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen dar.

10 Tipps für einen gesunden Darm

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind keine weit verbreiteten Leiden, Schätzungen gehen von 400.000 bis 600.000 Erkrankten in Deutschland aus. „Die meisten Patienten sind beim Ausbruch der Krankheit zwischen 15 und 30 Jahre alt, Frauen und Männer sind etwa gleich stark betroffen. 

Doch die Zahlen nehmen stetig zu, die Gründe dafür ist allerdings nicht genau bekannt“, sagt Oliver Schröder: „Es wird spekuliert, dass veränderte Ernährungsgewohnheiten mit häufigerem Verzehr von raffiniertem Zucker, eine bessere Hygiene und häufiger verordnete antibiotische Therapien eine Rolle spielen.“

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass neben solchen äußeren Einflüssen in einigen Fällen auch eine genetische Disposition vorliegt, wenn jemand eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung entwickelt: „Es sind inzwischen mehr als 170 Risikogene bekannt“, erläutert der Mediziner.

Auch die Darmflora – der Fachbegriff heißt „intestinales Mikrobiom“ – sei ein wichtiger Faktor: „Bei Betroffenen ist der schützende Biofilm auf der Darmschleimhaut gestört. So können schädigende Substanzen leichter eindringen – zum Beispiel Bakterien, die mit der Nahrung aufgenommen werden und für einen gesunden Menschen völlig harmlos wären.“

Im Darm von Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hingegen spielen sich permanente Entzündungsreaktionen ab, die durch verschiedene Botenstoffe aufrecht erhalten werden, erklärt Oliver Schröder.

Die veränderte Darmschleimhaut sei deshalb ein wichtiger Mosaikstein bei der Diagnose – die sich insgesamt aber kompliziert gestalte. „Man darf nie nur einzelne Symptome oder Befunde betrachten, sondern muss immer das Gesamtbild sehen“, sagt der Fachmann.

Entzündung im Darm: So läuft die Diagnose ab

Es sei wie ein „Puzzle“, das der Arzt zusammensetzen müsse: aus der Krankheitsvorgeschichte, dem klinischen Erscheinungsbild mit all seinen Beschwerden sowie aus endoskopischen und histologischen Ergebnissen der veränderten Darmschleimhaut. Hierfür sind neben Anamnese und körperlicher Untersuchung eine Blutuntersuchung und eine Darmspiegelung nötig, bei der auch Gewebe entnommen wird. Darüber hinaus kommen in speziellen Fällen auch bildgebende Verfahren wie der Ultraschall des Bauchraums oder eine Magnetresonanz-Tomographie zum Einsatz.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind ähnliche Erkrankungen, doch es gibt auch teilweise gravierende Unterschiede. Anhand der Beschwerden sind sie allerdings kaum auseinanderzuhalten, sagt Oliver Schröder: „Patienten mit Morbus Crohn leiden eher unter Darmkrämpfen, solche mit Colitis ulcerosa eher unter blutigen Durchfällen.“ Fisteln, die operiert werden müssen, treten fast ausschließlich bei Morbus Crohn auf.

Und anders als bei dieser Erkrankung bleibe die Entzündung bei Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt: „Sie beginnt fast regelhaft im Rektum und setzt sich dann oralwärts fort.“ Morbus Crohn hingegen könne den gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum After bis hin zum Magen betreffen und breite sich oft „diskontinuierlich“ aus, kranke und gesunde Stellen wechseln sich dann ab.

5 Tipps für einen gesunden Darm

Entzündung im Darm: So wird die Krankheit bekämpft

Heilen lassen sich beide Leiden bis heute nicht: „Wir können nur die Symptome und nicht die Ursache behandeln“, erklärt der Frankfurter Gastroenterologe. Ärzte versuchen es meist mit einer Mehrstufentherapie, die mit dem „harmlosesten“, heißt: an Nebenwirkungen ärmsten Medikament beginnt. Das ist in diesem Fall das Mesalazin, ein Derivat der aus verbreiteten Schmerzmitteln bekannten Salicylsäure, das antientzündlich wirkt.

Reicht es nicht aus, wird als nächstes ein Cortisonpräparat verordnet. „Meist sorgt es schnell dafür, dass Bauchkrämpfe und Durchfälle zurückgehen und sich der Patient subjektiv besser fühlt“, führt Professor Schröder aus: „Jedoch wirkt Cortison nur wenig auf die eigentliche Schädigung im Darm, die entzündlichen Veränderungen bestehen meist weiter fort, der langfristige Verlauf der Erkrankung bleibt unberührt.“

Immunsuppressiva – Medikamente, die das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken – richten sich hingegen sehr wohl gegen die Entzündung, allerdings um den Preis eines erhöhten Risikos für Infektionen und bestimmte Tumorarten, wie der Mediziner einräumt.

Seit Anfang der 2000er Jahre sind zudem Biologika auf dem Markt, gentechnisch hergestellte Arzneistoffe, die ebenfalls den Entzündungsprozess blockieren. Die am besten untersuchten und am längsten etablierten Biologika bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen legen das sogenannte TNF-alpha lahm. TNF-alpha ist die Abkürzung für den „Tumornekrosefaktor alpha“, einen Signalstoff, der an der Steuerung des Immunsystems beteiligt ist.

Und genau wegen dieser Wirkweise bergen auch Biologika die Gefahr für Infektionen und Tumorbildung, Patienten müssen deshalb regelmäßig überwacht werden. Überdies sind diese Medikamente sehr teuer: Schröder beziffert die jährlichen Kosten für die Behandlung eines Patienten mit rund 25.000 Euro.

Entzündung im Darm: Lebenserwartung nicht eingeschränkt

Bei schweren Verläufen und starken Beschwerden kann Colitis ulcerosa auch operiert werden. Der Chirurg entfernt dann meist den kompletten Dick- und Enddarm, wobei der Schließmuskel erhalten bleibt und ein Ersatz-Enddarm aus Dünndarmgewebe geschaffen wird. Trotzdem muss zunächst meist vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt werden. Häufiger sind jedoch Operationen beim Morbus Crohn, bei der organschonend die erkrankten Darmabschnitte entfernt werden; eine Heilung ist hiermit jedoch nicht möglich.

Bei einem leichteren Verlauf einer Colitis ulcerosa kann auch eine Behandlung mit Mikrobiotika versucht werden, sagt Oliver Schröder. Konkret erhalten die Patienten das Bakterium „E-coli-Nissle 1917“, benannt nach einem Arzt und Mikrobiologen, der es einst während des Ersten Weltkriegs isolierte und damit im Ersten Weltkrieg erfolgreich Durchfallerkrankungen bekämpfte. Für Morbus Crohn ist ein positiver Effekt dieser Keimtherapie indes nicht belegt.

Ebenfalls noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt es zur Wirksamkeit einer Stuhltransplantation, bei der die Darmflora eines gesunden Menschen übertragen wird; diese Therapie wird unter anderem zur Behandlung einer hartnäckigen Infektion mit dem gefährlichen Durchfallerreger Clostridium difficile eingesetzt.

Bei all der Pein, die mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verbunden ist, kann die Lebensqualität zwar erheblich eingeschränkt sein, die Lebenserwartung ist es jedoch in der Regel nicht, sagt Oliver Schröder. Und auch das mag ein Trost sein: Trotz der permanenten Entzündung im Darm erhöht sich das Risiko, dass sich daraus Krebs bildet – in diesem Fall ein Dickdarmkarzinom – nur leicht: Bei einem langjährig erkrankten Patienten mit Dickdarmbefall steigt es um fünf bis zehn Prozent.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Bürgerhospitals Frankfurt. Im Bürgerhospital Frankfurt trifft sich regelmäßig auch eine Selbsthilfegruppe für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Mehr Infos dazu: www.ced-netzwerk.de.

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