Eine schwangere Frau hat ihr ungeborenes Baby über die Plazenta mit dem Coronavirus infiziert, zeigen französische Forscher.
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Eine schwangere Frau hat ihr ungeborenes Baby über die Plazenta mit dem Coronavirus infiziert, zeigen französische Forscher.

Coronavirus

Covid-19 in der Schwangerschaft: Mutter kann ungeborenes Kind mit Coronavirus infizieren

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Kann eine Schwangere ihr ungeborenes Kind mit dem Coronavirus infizieren? Forscher haben nun erstmals einen solchen Fall nachgewiesen. Was das für Schwangere bedeutet.

  • Kann das Coronavirus in der Schwangerschaft von der Mutter auf ihr Kind übertragen werden?
  • Forscher aus Frankreich haben erstmals eine Corona-Infektion durch die Plazenta nachgewiesen
  • Was das für Schwangere bedeutet - und wie es der infizierten Mutter und ihrem Kind geht

Wie wirkt sich das Coronavirus auf Kinder aus? Dieser Frage widmet sich die Forschung mit mehreren Studien. Doch wie ist das mit ungeborenen Kindern? Kann das Coronavirus Sars-CoV-2 von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Baby übertragen werden? Ärzte in Frankreich können die Frage, die sich viele Schwangere derzeit stellen dürften, nun beantworten.

Ihnen ist es erstmals gelungen, nachzuweisen, dass eine schwangere Frau das Coronavirus auf ihren ungeborenen Sohn übertragen hat. Der im März geborene Junge habe nach seiner Geburt unter Hirnschwellungen und neurologischen Symptomen gelitten, wie sie bei Erwachsenen mit Covid-19 auftreten, beschreiben die Ärzte in ihrer Studie, die im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

Schwangerschaft und Coronavirus: Schwangere kann Covid-19 auf ungeborenes Kind übertragen

Bereits im Vorfeld gab es Forschungen, die darauf hindeuteten, dass die Mutter das Coronavirus auf das ungeborene Kind übertragen kann, doch konkrete Nachweise gab es bis dato nicht. „Wir haben gezeigt, dass die Übertragung der Sars-CoV-2-Infektion in den letzten Schwangerschaftswochen über die Plazenta möglich ist“, erklären die Forscher um Studienleiter Daniele De Luca.

Die Schwangere sei in der 35. Schwangerschaftswoche mit Covid-19-Symptomen wie Fieber und Husten ins Krankenhaus eingeliefert worden, ein PCR-Test habe das Coronavirus bestätigt. Die Virus-Konzentration sei in der Plazenta am höchsten gewesen. „Von dort gelangte das Virus durch die Nabelschnur zum Baby“, so De Luca. 24 Stunden nach der Geburt habe der neugeborene Junge schwere Corona-Symptome gezeigt. Sein Körper wurde der Studie zufolge steif, außerdem zeigte es eine Schädigung des weißen Gewebes im Hirn. „Weil sowohl die Plazenta als auch das Blut von Mutter und Baby positiv auf das Coronavirus getestet wurden, geschah die Übertragung ganz klar durch die Plazenta“, schreiben die Forscher um De Luca in ihrer Studie.

Coronavirus in der Schwangerschaft: Baby und Mutter haben sich erholt

Das Baby hätte sich innerhalb von drei Wochen aus eigener Kraft fast vollständig erholt und drei Monate später war den Angaben zufolge auch die Mutter wieder frei von Corona-Symptomen. Der Fall einer Mutter, die Covid-19 auf ihr ungeborenes Kind überträgt, sei tatsächlich passiert und könne passieren, so De Luca. „Die gute Nachricht ist, dass es selten ist – sehr selten im Vergleich zur gesamten Weltbevölkerung.“

Coronavirus in der Schwangerschaft: Übertragung von Covid-19 sehr selten

Die Medizinprofessorin Marian Knight von der Universität Oxford in Großbritannien bestätigt gegenüber der Nachrichtenagentur afp die geringe Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Coronavirus von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Baby. Unter den tausenden Babys, die von Müttern mit Covid-19 geboren wurden, seien nicht mehr als ein oder zwei Prozent positiv auf das Virus getestet worden, so Knight. Noch weniger Babys zeigten ernsthafte Symptome, betont die Professorin, die selbst nicht in die Studie involviert war.

„Die wichtigste Botschaft für schwangere Frauen ist nach wie vor, eine Infektion zu vermeiden, indem sie auf Händewaschen und soziale Distanzierungsmaßnahmen achten“, erklärt Knight weiter. Frauen könnten sehr sicher sein, dass „eine Schwangerschaft mit Covid-19 kein signifikanter Risikofaktor für sie oder ihre Babys ist“, betont Andrew Shennan, Professor für Geburtshilfe am King‘s College in London gegenüber afp. Die Studie zeige vor allem, wie es zu einer Übertragung im Mutterleib kommen könne. (Von Tanja Banner, mit Material von afp)

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