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Führen Vektorimpfstoffe häufiger zu Thrombosen? Deutsche Forscher:innen wollen Antwort gefunden haben

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Dorothee Kistenbrügge, Ärztin am Helios-Klinikum, steht Ende April 2021 beim Drive-In-Impfen am Helios Klinikum mit einer Astrazeneca-Impfung an einem Auto. Die Impfung mit dem Vektorimpfstoff kann in sehr seltenen Fällen zu einer Thrombose führen.
Dorothee Kistenbrügge, Ärztin am Helios-Klinikum, steht Ende April 2021 beim Drive-In-Impfen am Helios Klinikum mit einer Astrazeneca-Impfung an einem Auto. Die Impfung mit dem Vektorimpfstoff kann in sehr seltenen Fällen zu einer Thrombose führen. © Swen Pförtner/dpa

Im Vergleich mit mRNA-Impfungen kam es bei den Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson häufiger zu Thrombosen. Arzt vermutet Transportvirus als Ursache.

Meist kommt es nach einer Corona-Impfung nur zu harmlosen Beschwerden – die sogar ein gutes Zeichen sind. Denn reagiert der Körper mit leichten Krankheitssymptomen, belegt das, dass das Immunsystem Antikörper gegen die Krankheit produziert. Doch in sehr seltenen Fällen sind auch schwerwiegende Komplikationen möglich. Etwa, wenn ein Geimpfter/eine Geimpfte allergisch gegen einen Bestandteil der Impfung reagiert. Auch Fälle von Thrombosen nach einer Corona-Impfung wurden gemeldet – vor allem nach Impfungen mit sogenannten Vektorimpfstoffen. Bei dieser Technologie wird ein für den Menschen harmloses Virus als Transportmittel in die Zellen eingesetzt (Transportvirus oder Vektor genannt), um das Immunsystem anzuregen, Antikörper gegen das Coronavirus zu bilden. Dazu wird die DNA der Sars-CoV-2-spezifiischen Spike-Proteine in die DNA des Transportvirus eingesetzt. Zu Vektorimpfstoffen zählen die Produkte von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Mehr über die Wirkweise von mRNA- und Vektorimpfstoffen erfahren Sie hier.

So sind dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel bis zum 15. April 59 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrom­bosen nach der ersten Impfung mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca gemeldet worden, wie das Ärzteblatt informiert. Dies hatte einen kurzen Impfstopp in Deutschland zur Folge. Aktuell wird wieder mit dem Astrazeneca-Präparat geimpft, da die Vorteile der Impfung die Risiken überwiegen, so die Einordnung verantwortlicher Behörden wie des Bundesgesundheitsministeriums. Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei der Impfung mit dem Johnson & Johnson-Produkt in den USA ab. Auch dieses wurde zwischenzeitlich nicht mehr verimpft, nachdem sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung bekannt wurden.

Mehr über die Wirkweise und Nebenwirkungen der Johnson & Johnson-Impfung.*

Medizinisches Personal impft am 8. Mai 2021 Menschen bei einer Sonder-Impf-Aktion in der Ditib-Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Bei den überschüssigen Dosen handelt es sich um die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson – beides Vektorimpfstoffe.
Medizinisches Personal impft am 8. Mai 2021 Menschen bei einer Sonder-Impf-Aktion in der Ditib-Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Bei den überschüssigen Dosen handelt es sich um die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson – beides Vektorimpfstoffe. © Henning Kaiser/dpa

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Warum kommt es sehr selten zu Thrombosen nach Impfung mit Vektorimpfstoff? „Es könnte der Vektor sein“

Diese Vorfälle lassen die Frage aufkommen, ob Vektorimpfstoffe ein höheres Thrombose-Risiko bergen als mRNA-Impfungen wie die von den Herstellern Biontech und Moderna. Immunologe Andreas Greinacher von der Universität Greifswald und sein Team versuchten diese Frage zu beantworten. In einer vorveröffentlichten Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass eine Autoimmunreaktion auf den sogenannten Plättchenfaktor-4 die Ursache für die Thrombosen sein könnte. Dabei handelt es sich um ein Oberflächenprotein, das an der Immunreaktion beteiligt ist. Das Protein ist in der Lage, Immunzellen mit bestimmten Rezeptoren um sich zu scharen und so eine lokale Immunantwort zu verstärken, wie die Deutsche Welle als Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland informiert. Bekannt sei das Phänomen unter Medizinern/Medizinerinnen als „Heparin-Induzierte Thrombozytopenie“ (HIT) – eine Autoimmunreaktion auf die Gabe des Gerinnungshemmers Heparin, bei der die Anzahl der Blutplättchen zurückgeht.

Doch im Fall der Corona-Vektorimpfungen reagiert der Plättchenfaktor-4 nicht auf Heparin, sondern auf etwas anderes, wird der Berliner Mediziner Klamroth von der Deutschen Welle zitiert: „Es könnte der Vektor sein. Es könnte etwas vom Spike-Protein sein. Es könnte etwas im Rahmen der allgemeinen Immunreaktion sein, was sich mit dem Plättchenfaktor-4 verbinden muss“, spekuliert Klamroth. Weitere Untersuchungen sind nötig, um die tatsächliche Ursache zu finden. (jg)

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/123186/

Weiterlesen: Wie sicher ist der Moderna-Impfstoff? Neuer Sicherheitsbericht meldet 107 schwerwiegende Nebenwirkungen.*

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