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Corona übersehen: Vor allem in einer Gruppe besteht die Gefahr, dass die Krankheit erst spät erkannt wird

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Von: Juliane Gutmann

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Eine Mitarbeiterin des Johanniter-Krankenhauses in Rheinhausen läuft durch die Isolationsstation.
Die Corona-Pandemie fordert Klinikpersonal weltweit. Ein Symptom kann vor allem bei älteren Menschen leicht übersehen werden, warnen Forscherinnen und Forscher. (Archivbild Mai 2021, Corona-Isolationsstation Johanniter-Krankenhaus in Rheinhausen) © Christoph Reichwein/Imago

Husten, Ausschlag bis Verwirrtheit: Corona kann eine Reihe von Symptomen mit sich bringen. Vor allem bei Ü-65-Jährigen wird ein Anzeichen falsch interpretiert.

Wenn Coronaviren in den Körper eindringen, kann dieser mit verschiedenen Beschwerden reagieren. Zu diesen zählen harmlose Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. Im Rahmen von schweren Verläufen kann es allerdings auch zu schwerwiegenden Nerven- und Darmschäden bis hin zu Lungenembolie kommen. Das Risiko von Komplikationen sinkt erheblich nach vollständiger Impfung inklusive Booster-Immunisierung, informieren Gesundheitsbehörden wie das Robert Koch-Institut.

Wo junge, immunstarke Menschen in der Regel nur leicht an Corona erkranken, steigt das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mit dem Alter. „Bei der überwiegenden Zahl der Infektionen verläuft Covid-19 mild. Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe steigt mit zunehmendem Alter und bei bestehenden Vorerkrankungen“, informiert das Robert Koch-Institut (RKI) als biomedizinische Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung. Wichtig sei frühzeitige ärztliche Behandlung, denn in der Frühphase der Erkrankung könne in einigen Fällen etwa mit antiviraler Therapie Besserung erreicht werden, heißt es weiter.

Doch bei älteren, bereits gebrechlichen Menschen können Corona-Symptome leicht übersehen werden, wie ein britisches Forscherteam warnt.

Corona-Symptome: Vermehrt Delirium bei älteren und gebrechlichen Patientinnen und Patienten

Dies ist die erste Studie, die vermehrt Delirium als Covid-19-Symptom bei älteren gebrechlichen Erwachsenen im Vergleich zu anderen älteren Erwachsenen zeigt“, so die Forschenden um Maria Beatrice Zazzara, Rose S. Penfold und Amy L. Roberts vom Department of Twin Research and Genetic Epidemiology am King’s College London. In ihrer Studie, die im Fachjournal Age und Ageing veröffentlicht wurde, hatte das Forscherteam untersucht, wie sich Corona bei älteren, geschwächten Menschen zeigen kann. Auffällig war eine deutlich erhöhte Rate an Delir, auch Delirium genannt. Dabei handelt es sich um eine akute Bewusstseinsstörung, die unter anderem mit Desorientiertheit, Verwirrtheit und Halluzinationen einhergehen kann.

Im Rahmen der Untersuchung wurden Daten von 322 Krankenhauspatienten im Alter ab 65 Jahren analysiert. Stationär behandelt wurden diese im Zeitraum zwischen 1. März 2020 und 5. Mai 2020. Verglichen wurden die Daten mit 535 Ü-65-jährigen Probanden der britischen Covid-Symptomstudie. Diese wurden zwischen 24. März und 8. Mai 2020 positiv auf Corona getestet.

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Verwirrtheit und Bewegungsdrang bei Älteren können auf Corona hinweisen

„Nach dem Altersabgleich wurde bei 40 (38 Prozent) der gebrechlichen und 13 (12 Prozent) der nicht gebrechlichen Patienten mit COVID-19 ein Delirium festgestellt. Es wurde festgestellt, dass Gebrechlichkeit (...) eine signifikante Vorhersage für Delirium darstellt. Bei anderen Symptomen (Fieber (Temperatur über 37,5°C) und Husten) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen gebrechlichen und nicht gebrechlichen Personen“, heißt es in der Studie. Gebrechlichkeit war also bei Patienten und Patientinnen mit einem deutlich erhöhten Delir-Risiko bei Corona-Infektion verbunden. Häufig war dies sogar das einzige Corona-Symptom in dieser Gruppe, so die Forschenden.

Sie empfehlen vor diesem Hintergrund, dass Mediziner und Medizinerinnen, Klinikpersonal und Angehörige besonders bei sehr geschwächten Menschen auf Änderungen des Geisteszustands achten sollten und Delir-Symptome wie Verwirrtheit, Schlafstörungen, psychomotorische Unruhe mit starkem Bewegungsdrang und Bettflucht sowie übertriebene Heiterkeit und/oder unbegründete Angst als mögliche Corona-Symptome ernst nehmen sollten – auch wenn diese nicht mit typischen Covid-Anzeichen wie Husten und Fieber einhergehen. (jg) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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