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Umstrittene Corona-Studie veröffentlicht Ergebnisse: Warum sich einige Menschen anstecken und andere nicht

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Von: Sarah Neumeyer

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Auf dieser vom US-Forschungszentrum National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) zur Verfügung gestellten Aufnahme ist eine Zelle (rot) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, gelb) infiziert. (Archivbild)
Auf dieser vom US-Forschungszentrum National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) zur Verfügung gestellten Aufnahme ist eine Zelle (rot) mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, gelb) infiziert. (Archivbild) © Niaid/dpa

In einer umstrittenen Corona-Studie wurden Personen absichtlich mit Corona in Kontakt gebracht. Einige infizierten sich, andere jedoch nicht.

Frankfurt – Seit dem Beginn der Corona-Pandemie wird mit umfangreichen Maßnahmen versucht, die Zahl der Personen, die sich mit dem Virus infizieren, möglichst gering zu halten. In einer umstrittenen Studie aus Großbritannien haben Forschende genau das Gegenteil gemacht. Mehrere Freiwillige wurden absichtlich mit dem Coronavirus in Kontakt gebracht.

Bewegt hat die Forschenden des Imperial College London dabei vor allem eine Frage: Warum einige Personen sich mit Corona infizieren und andere nicht. Denn das Risiko einer Covid-Erkrankung scheint nicht bei allen Menschen gleich hoch zu sein.

Corona-Studie: Personen wurden absichtlich mit Virus in Kontakt gebracht

Nun liegen erste ungeprüfte Ergebnisse des Imperial College London vor. Für die Studie wurden 36 Personen zwischen 18 und 29 Jahren in Kontakt mit dem Virus gebracht. Alle Personen waren nicht geimpft und hatten keine Anzeichen einer früheren Corona-Infektion. Zwei Personen wurden im Anschluss von der Studie ausgeschlossen, weil sich herausstellte, dass sie sich bereits vor dem Beginn der Studie infiziert hatten.

Von den 34 Proband:innen infizierten sich insgesamt 18 Personen, 16 von ihnen hatten leichte bis mittelschwere Corona-Symptome. Diese setzten etwa zwei bis vier Tage nach der Infektion ein. Lebensfähige Viren konnten im Durchschnitt bis zu 10 Tage nach der Inokulation aus der Nase gewonnen werden, heißt es in der Studie. Die Studienteilnehmer:innen wurden nach Beginn des Experiments für 14 Tage im Royal Free Hospital in London isoliert und dort medizinisch überwacht, berichtet der Spiegel. In diesem Zeitraum wurden die Personen regelmäßig auf Corona getestet.

Corona-Forschung: Virus schafft es bei einigen Menschen nicht, eine Infektion auszulösen

Von den 18 Personen, die sich mit Corona infizierten, entwickelten die meisten leichte bis mittelschwere Symptome. Einen schweren Verlauf gab es nicht. Zwölf der Proband:innen berichteten über eine Beeinträchtigung ihres Geruchssinns. Die Beschwerden verschwanden bei sieben Personen innerhalb von 180 Tagen wieder, vereinzelt blieben sie länger bestehen.

Doch warum infizierten sich 16 der insgesamt 34 Studien-Teilnehmer:innen nicht mit Corona, obwohl sie mit dem Virus in Kontakt kamen? „In unseren früheren Studien mit anderen Viren haben wir frühe Immunreaktionen in der Nase beobachtet, die mit der Abwehr einer Infektion in Zusammenhang stehen“, sagte Studienleiter Prof. Christopher Chiu vom Imperial College London, gegenüber der britischen Zeitung The Guardian. „Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass es einen Kampf zwischen dem Virus und dem Wirt gibt, der bei unseren ‚nicht infizierten‘ Teilnehmern dazu führt, dass die Infektion nicht ausbricht.“

Ein Aspekt ist laut den Wissenschaftler:innen jedoch klar, wenn es um die Personen geht, die sich nicht mit Corona infiziert haben: „In jedem Fall waren die Virusmengen nicht hoch genug, um nachweisbare Mengen an Antikörpern, T-Zellen oder Entzündungsfaktoren im Blut auszulösen, die normalerweise mit Symptomen einhergehen“, so Chiu.

Corona-Erkrankung: Immunprotein gibt Hinweis auf abgebrochene Infektion

Ähnliche Rückschlüsse lässt auch eine Studie des University College London zu. Das Forscherteam um Leo Swadling beschäftigte sich mit 58 Menschen, die in Krankenhäusern in London arbeiteten und sich nicht mit Corona infizierten, obwohl sie während der ersten Pandemie-Welle einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Die Forschenden fanden bei 20 der Proband:innen erhöhte T-Zellen-Werte, sowie bei 19 außerdem das Immunprotein IFI 27. Dieses wird als eine „typische frühe Signatur von Sars-CoV-2“ bezeichnen.

Der Nachweis des Immunproteins lasse auf eine abgebrochene Infektion schließen, so die Forschenden. Das Coronavirus war bei den betroffenen Personen offenbar in den Körper eingedrungen, wurde jedoch abgewehrt, bevor es Schaden anrichten konnte.

Corona: Warum sich einige Personen infizieren, andere jedoch nicht

Ein möglicher Grund könnte eine genetische Besonderheit sein. Bei anderen Krankheiten, darunter HIV, Malaria und Norovirus, gibt es Personen, die eine genetische Resistenz haben. In diesen Fällen bedeutet ein genetischer Defekt, dass einigen Menschen ein Rezeptor fehlt, mit dem der Erreger in die Zellen eindringen kann, sodass sie nicht infiziert werden können. „Es könnte durchaus sein, dass bei einigen Personen ein solcher Defekt an einem Rezeptor vorliegt, der von Sars-CoV-2 genutzt wird“, sagt András Spaan von der Rockefeller University in New York, der in diesem Bereich forscht.

Möglich ist auch, dass ein Schutz durch vorherige Infektionen aufgebaut wurde. „Die herkömmlichen Erkältungs-Coronaviren, von denen es vier Varianten gibt, ähneln Sars-CoV-2, deshalb ist das Immunsystem vortrainiert, wenn man früher Kontakt zu diesen Erkältungsviren hatte“, erklärte etwa Juliane Walz vom Universitätsklinikum Tübingen gegenüber dem Spiegel. (sne)

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