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Wissenschaft

Corona-Mutationen: Was „Fluchtmutanten“ so gefährlich macht

  • Yannick Wenig
    vonYannick Wenig
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Mutationen des Coronavirus bereiten der Politik und den Pharmaunternehmen große Sorgen. Was die Veränderungen im Kampf gegen die Pandemie bedeuten und warum sie so gefährlich sind.

  • Die Impfkampagne gegen Corona in Deutschland ist gestartet
  • Zunehmende Immunität zwingt das Coronavirus* zur Veränderung in Form von Mutation.
  • Fachleute warnen vor der steigenden Anzahl sogenannter „Fluchtmutanten“.

Frankfurt – Impfungen gelten im Kampf gegen Corona als größte Hoffnung. Demzufolge herrschte Aufbruchsstimmung als Ende Dezember 2020 die Impfkampagne in Deutschland startete. Inzwischen wurde mehr als zwei Millionen Deutschen die erste Dosis des Impfstoffs gegen das Coronavirus verabreicht. Doch Wissenschaftler warnen: Denn eine zunehmende Immunität in der Bevölkerung, zwingt das Virus zur Veränderung, berichtet der „Spiegel“. Und zwar in Form von Mutationen.

Je weiter die Impfkampagne also fortschreitet, desto höher könnte die Anzahl an Corona-Mutationen werden. Bislang bereiten vor allem die Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien Sorgen.

Corona: Spikeprotein als Schlüssel zu allen Mutationen

Bei Veränderung des Coronavirus gelten die Spikeproteine als Schlüssel. Eine geringfügige Wandlung der Gestalt dieses „Spikes“ in Form von Mutation kann gewaltige Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit von Millionen Menschen haben, berichtet der Spiegel. Gerade wenn der Großteil der Impfstoffe* auf dem Protein des ursprünglichen Virus basiert.

Das Spikeprotein hilft dem Coronavirus, in den menschlichen - oder tierischen - Organismus und schließlich in die Zellen zu gelangen. Mutationen können diese Wirkung verstärken. Dementsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Corona. Darüber hinaus ist das „Spike“ das Hauptmerkmal, auf das das menschliche Immunsystem nach einer Ansteckung mit dem Virus anspringt. Etwaige Mutationen können dieses Indiz unkenntlich machen und somit die Immunabwehr um ein Vielfaches erschweren.

LandAnzahl der verabreichten Impfdosen pro 1000 Einwohner:innen
Israel601,4
Gibraltar456,8
Vereinigte Arabische Emirate (VAE)360,4
Großbritannien155,0
Deutschland34,2
Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI)

Corona-Forschung warnt vor „Fluchtmutanten“: Impfstoffe trotzdem wirksam?

Bei dieser Art von Virusmutationen sprechen Forscher:innen von sogenannten „escape mutants“, also „Fluchtmutanten“. Diese haben sozusagen die Fähigkeit erlangt, die Schutzmechanismen des menschlichen Immunsystems zu umgehen. Das Wissenschaftsmagazin „Nature“ berichtet von etlichen Studien, die sich aktuell mit der Thematik befassen.

Fachleute aus Forschung und Politik warnen vor sogenannten „Fluchtmutanten“ des Coronavirus. (Symbolbild)

Dementsprechend haben sich die verschiedenen Mutationen des Coronavirus schnell zur größten Sorge von Politik und Forschung und Pharmaindustrie entwickelt. Sie alle treiben die Fragen um, ob die Vakzine der verschiedenen Hersteller auch gegen die Corona-Mutanten Erfolg versprechen. Und ob verschiedene Mutanten von Corona womöglich auch eine bereits geimpfte oder genesene Person infizieren kann. Auch der Bundestagsabgeordnete der SPD und Gesundheitsexperte, Karl Lauterbach*, betonte gegenüber tagesschau.de: „Das Virus könnte sich dann auch unter bereits Geimpften verbreiten und auch unter Menschen, die die Krankheit schon durchgemacht haben. Das ist ganz klar die größere Gefahr.“

Tests mit Blutplasma ergeben: Coronavirus-Mutante aus Südafrika bedenklich

Wie der „Spiegel“ berichtet, nutzen Forscherteams der Vakzin-Hersteller aktuell das Blutplasma von bereits gegen Corona geimpften oder von einer Erkrankung genesenen Personen, um herauszufinden, ob die dadurch gebildeten Antikörper auch die Mutationen bekämpfen und unschädlich machen. Im Fall der britischen Corona-Variante soll es sich demnach nicht um eine „Fluchtmutante“ halten. Die Wirksamkeit der Impfstoffe* sei also nicht beeinträchtigt. Lediglich die Gefahr einer rasanteren Verbreitung sei durch diese Art des Coronavirus zu befürchten.

Größere Bedenken gebe es demnach bei der Mutante, die in Südafrika festgestellt wurde. Erste Hersteller berichten inzwischen, dass die Wirksamkeit ihres Impfstoffes gegen die südafrikanische Variante des Coronavirus zumindest erheblich geringer ausfalle, als bei der ursprünglichen Corona-Form. Unwirksam sei der Impfstoff aber nicht. Dies sei laut Spiegel das Ergebnis der Blutplasma-Tests.

Impfstoffe mit geringer Wirksamkeit gegen Corona-Mutante aus Südafrika?

Auf die Annahme, dass die Impfstoffe gegen die südafrikanische Variante des Coronavirus eine geringere Wirksamkeit besitzen, deuten auch Zahlen der beiden US-amerikanischen Imfpstoff-Hersteller Johnson & Johnson sowie Novavax. Beide führten Teile ihrer Zulassungsstudien in Südafrika durch, wo inzwischen die Coronavirus-Variante B. 1.1.7 vorherrscht. Während das Vakzin von Johnson & Johnson bei den Tests in den USA eine Wirksamkeit von 72 Prozent erzielte, fiel diese in Südafrika mit 57 Prozent deutlich geringer aus. Bei Novavax ergab die Wirksamkeitsstudie in Großbritannien 90 Prozent, in Südafrika lediglich 60 Prozent.

Bis Mutationen des Coronavirus, wie sie bislang vor allem in Südafrika, Großbritannien und Brasilien aufgetreten sind, auch in Deutschland großen Schaden anrichten können, wollen die Hersteller der Impfstoffe gewappnet sein. Dazu arbeiten die Pharmaunternehmen bereits an Möglichkeiten die bestehenden Impfstoffe an die Virus-Varianten anzupassen. Ähnlich wie beispielsweise bei Impfungen gegen die saisonale Grippe.

Corona-Mutation sind ansteckender und setzen sich wohl durch: Was heißt das für die Politik?

Denn: Wie tagesschau.de Albert Bourla, den Vorsitzenden von Biontech/Pfizer*, in diesem Zusammenhang zitiert, sei es „sehr wahrscheinlich“, dass eine Mutation irgendwann den ursprünglichen Impfstoff unwirksam macht. Da die Virus-Mutanten als deutlich ansteckender gelten und sich voraussichtlich durchsetzen werden, befürwortet Karl Lauterbach in einem solchen Szenario weitere Maßnahmen zur Eindämmung: „Politisch würde das bedeuten, dass wir uns überlegen müssten, wo wir nachschärfen können“, sagte er gegenüber tagesschau.de. (Yannick Wenig) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © imago images / Westend61

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