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Nach Corona-Impfung: Post-Vac-Syndrom löst Kribbeln und Taubheit aus

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Von: Tanja Koch

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Bei den allermeisten Coronavirus-Impfungen gibt es keine Komplikationen. Doch in seltenen Fällen treten unerwünschte Reaktionen oder Nebenwirkungen auf.
Bei den meisten Coronavirus-Impfungen gibt es keine Komplikationen. Doch in seltenen Fällen treten unerwünschte Reaktionen oder Nebenwirkungen auf. (Symbolfoto) © Peter Kneffel/dpa

Long-Covid nach der Corona-Impfung: Trotz vielen Betroffenen gibt es für das Post-Vac-Syndrom nur wenig medizinische Anlaufstellen – und kaum Studien.

Marburg/Langen – Wie tausend Nadelstiche fühle sich das Kribbeln in ihren Gliedmaßen an. Hinzu kommen Taubheitsgefühle in ihrer linken Körperhälfte. So beschreibt eine Patientin, die nach der Corona-Impfung mit dem Präparat von Moderna Nebenwirkungen erlebt, ihre Symptome gegenüber Spiegel Online. „Es ist mal schlimmer, mal besser und kommt in Wellen“, wird sie zitiert.

Deutschlandweit gibt es einige solcher Fälle, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. Die Marburger-Spezialambulanz für das sogenannte Post-Vac-Syndrom, über das Ärzt:innen rätseln, führe aktuell eine Warteliste mit mehr als 1 800 Geimpften. Diese hätten noch keine Corona-Infektion durchgestanden, aber dennoch kognitive oder neurologische Symptome erlebt, die an das Long-Covid-Syndrom erinnern.

„Aktuell überblicken wir circa 200 Patienten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Post-Vac-Syndrom, die wir seit Anfang 2022 systematisch erfassen“, wird der Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum Marburg, Prof. Dr. med. Bernhard Schieffer, vom Deutschen Ärzteblatt zitiert. 

Post-Vac-Syndrom nach der Corona-Impfung: Zu wenig medizinische Hilfe, zu wenig Studien

„Ob ihre Symptome tatsächlich von der Impfung kommen, wissen wir nicht. Es scheint aber, dass zumindest bei einem Teil der Patienten etwas durch die Impfung getriggert wurde, etwa in Form einer Reaktivierung früherer Viruserkrankungen oder einer Autoimmunreaktion. Das könnte zu Gefäßproblemen führen, die wiederum für die Symptome verantwortlich sind“, erklärte er gegenüber Spiegel Online. Auch im Zusammenhang mit Long-Covid werden diese Ursachen, aber auch eine Beteiligung des Vagusnerv, diskutiert und untersucht. 

Hilfe für Betroffene gibt es aktuell zu wenig. Neben der Marburger-Spezialambulanz gibt es offenbar nur zwei weitere Anlaufstellen für Erwachsene mit Post-Vac: die Charité in Berlin und die Charité in Erlangen. Zudem ist die Studienlage äußerst dünn. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Gesamtüberwachung der Arzneimittelsicherheit in Deutschland verantwortlich ist, habe laut dem Deutschen Ärzteblatt noch kein mit einem Corona-Impfstoff assoziiertes Risikosignal für entsprechende Symptome beobachten können. Die Verdachtsfallmeldungen zu CFS lägen signifikant unter den bisher beobachteten Zahlen in der Bevölkerung.

„Auch auf EU-Ebene gibt es bisher keine Hinweise auf ein Risikosignal für Long COVID nach COVID-19-Impfungen“, habe das PEI erklärt und auf das monatliche „Safety Update“ der Europäischen Arzneimittelagentur EMA verwiesen. Die Ausgabe vom 31. März  beschreibt, dass im Berichtszeitraum bei rund 7 von 100.000 Geimpften Parästhesien wie Kribbeln und Taubheit gemeldet wurden. Auf die 65 Millionen Geimpften in Deutschland gerechnet, könnten das derzeit 4500 Betroffene sein – ohne Symptome wie Ermüdung, Herzrasen oder Schwindel zu berücksichtigen.

Corona-Impfung und Long-Covid-Symptome: Ärzteschaft will nicht zu Impfskepsis beitragen

Doch ob die Zahlen – sie stammen von der Ärzteschaft – vollständig sind, ist unklar. „Es ist ein riesengroßes Tabuthema in der Ärzteschaft, obwohl viele die Nebenwirkungen beobachten“, zitiert der Spiegel Bernhard Schieffer vom Universitätsklinikum Marburg. „Gestandene Kollegen wollen mit dem Thema nichts zu tun haben, es ist ihnen zu heiß.“ Viele Ärztinnen wollen verhindern, Impfgegner:innen in die Hände zu spielen. Zudem lässt sich nicht automatisch eine Kausalität ableiten: Ob die Symptome wirklich von der Impfung ausgelöst wurden, ist unklar. Und eine Coronavirus-Infektion birgt womöglich ein noch höheres Risiko für derartige Symptome.

Wie er im Ärzteblatt erklärt, sei Schiffer aber sicher, dass in den kommenden Monaten der Auslöser für das Post-Vac-Syndrom gefunden werden könne. Die Universität Marburg etwa plane mit dem PEI eine deutschlandweite Erhebung, mit dem Ziel, „die Menschen mit einem erhöhten Risiko für Post-Vac vor der nächsten Impfkampagne im Herbst herauszufiltern und diese Menschen dann zu schützen“. Auch das PEI sowie die Charité beabsichtigenStudien, die langfristige Beschwerden nach Covid-19-Impfung untersuchen solle. (tk)

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