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Einige Frauen haben nach der Impfung gegen das Coronavirus Änderungen an ihrem Zyklus festgestellt.
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Einige Frauen haben nach der Impfung gegen das Coronavirus Änderungen an ihrem Zyklus festgestellt. In der Forschung war das bislang kein Thema. (Symbolbild)

Forschungsstipendien vergeben

Corona-Impfungen: Menstruationsbeschwerden als Nebenwirkung systematisch ignoriert

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Ob sich die Corona-Impfung auf den weiblichen Zyklus auswirken kann, wurde in den ersten Testphasen außer Acht gelassen. Nun sollen Studien offene Fragen klären.

Berlin/Washington D.C. - Dass das Thema Menstruation selbst in westlichen Ländern immer noch ein Tabuthema ist, zeigt sich anhand der Corona-Impfung gerade erneut besonders anschaulich. So berichten geimpfte Frauen immer wieder von Irregularitäten bei ihrer Regelblutung, über die Zusammenhänge geforscht hat bislang allerdings noch niemand. Mit einem neuen Forschungsstipendium über rund 1,7 Millionen US-Dollar, die die National Institutes of Health in den USA ausgeschrieben haben und an fünf US-amerikanische Forschungsinstitutionen vergeben, soll sich das nun ändern.

Bislang wurde eine mögliche Auswirkung der Impfstoffe gegen das Coronavirus auf den Menstruationszyklus weder wissenschaftlich bestätigt noch ausgeschlossen. Fachleute mutmaßen, dass Probleme bei zahlreichen Frauen mit anderen häufig auftretenden Störfaktoren wie Stress zusammenhängen können. Zu den Unregelmäßigkeiten, die bislang bekannt geworden sind, zählen eine zeitliche Verschiebung der Menstruationsblutung, Zwischenblutungen, stärkere Regelbeschwerden oder eine stärkere oder schwächere Menstruationsblutung in den ersten Perioden nach der Impfung.

Tabuthema Menstruation: Fachleute fordern, weiblichen Zyklus in der Forschung zu berücksichtigen

Und tatsächlich spielte der Faktor der Menstruationsbeschwerden bei den klinischen Studien der Corona-Impfstoffe bislang keine Rolle, wie mehrere Medien, darunter das Nachrichtenportal Aljazeera und die Deutsche Presse-Agentur, übereinstimmend berichten. Das bestätigte auch Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, der es jedoch als sinnvoll ansieht, zukünftig Einflüsse einer Impfung bei weiblichen Probandinnen abzufragen. Einfach sei das jedoch nicht, weil etwa auch berücksichtigt werden müsse, in welcher Zyklus-Phase eine Frau zum Zeitpunkt der Impfung gerade sei.

Der einzige Grund hinter der fehlenden Foschung ist die schwierige Abfrage und Bewertung von Zusammenhängen jedoch nicht: „Die weibliche Menstruation ist ein historisches Tabuthema, das noch immer Teil der Gesellschaft ist“, kritisiert Dr. Victoria Male, die am Imperial College im Bereich Reproduktionsimmunologie unterrichtet, im Gespräch mit Al Jazeera. „Solange zahlreiche Menschen die Periode noch nicht mal beim Namen nennen, trägt das zu einer Situation bei, in der man das Thema nicht offen und ausreichend thematisiert.“ Auch sie fordert, die Daten zur Menstruation bei künftigen Probandinnen in Impfstoffstudien zu berücksichtigen.

Nach Millionen Corona-Impfungen: Einige Hundert Einzelfallmeldungen zu Zyklus-Abweichungen

Neben den geförderten amerikanischen Forschungsinstituten wolle sich auch das in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut mit dem Zusammenhang der Corona-Impfung mit Menstruationsabweichungen beschäftigen. Hier wurden bis Ende Juni 310 Einzelfallmeldungen mit 368 „unerwünschten Ereignissen“ von Zyklusstörungen bekannt, wie aus einem Sicherheitsbericht der Behörde hervorgeht. 34 davon - also knapp zehn Prozent - wurden als schwerwiegend bezeichnet.

Die bisherige Bewertung des PEI sieht auf dieser Datenlage keinen Grund zur Besorgnis: „Unter Berücksichtigung der Anzahl geimpfter Frauen in den relevanten Altersgruppen und der Häufigkeit von Zyklusstörungen erscheint die Zahl der Meldungen nicht ungewöhnlich hoch zu sein.“ Allerdings sei davon auszugehen, dass viele - insbesondere vorübergehende - Zyklusstörungen nicht berichtet würden.

Viele Störfaktoren: Wohl kein kausaler Zusammenhang zwischen Corona-Impfung und Menstruation

Auch der für die Bewertung von Risiken zuständige Ausschuss bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sieht nach bisherigem Kenntnisstand „keinen kausalen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfstoffen und Zyklusstörungen“, heißt es in einem Bericht des Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC). Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation seien sehr verbreitet. „Die Gründe können von Stress über Müdigkeit bis zu medizinischen Ursachen reichen, etwa Fibrose oder Endometriose.“

Vor Corona sei nie über Zyklusstörungen nach Impfungen berichtet worden „und auch aktuell handelt es sich zunächst einmal um viele Einzelmeldungen, die noch dazu teilweise entgegengesetzt sind“, betont auch der Gynäkologe Christian Albring. Der Eisprung und der Zyklus seien sehr störanfällig: „Diäten, Stress, Reisen, Infektionskrankheiten, Aufregung, starke körperliche Anstrengung oder ein sportlicher Wettkampf, das alles kann den Eisprung und damit den Zeitpunkt der Menstruation beeinflussen.“ (ska/dpa)

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