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Corona-Experte hält vierte Impfung für kontraproduktiv

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Von: Judith Braun

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Der vierte Pieks gegen Corona? Ein Experte erklärt, warum eine zweite Auffrischungsimpfung im Moment sogar nachteilig wäre.

München – Die Impfung gilt als ein probates Mittel im Kampf gegen das Coronavirus. Viele Menschen haben bereits eine Booster-Impfung und damit den dritten Pieks erhalten. Immer wieder stellt sich allerdings die Frage, ob eine weitere Auffrischungsimpfung notwendig ist. Ein Experte erklärt jetzt, dass eine vierte Impfung sogar kontraproduktiv sein kann.

Corona: Experte hält vierte Impfung für kontraproduktiv

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie unter Leitung der Epidemiologin Sara Y. Tartof, die im Fachmagazin „The Lancet Respiratory Medicine“ erschienen ist, zeigen, dass Covid-19-Auffrischimpfungen mit Pfizer/Biontech den Schutz gegen Omikron zwar signifikant verbessern. Jedoch verringert sich der zunächst hohe Schutz gegen Klinikeinweisungen und Besuche in der Notaufnahme bei einer Omikron-Infektion schon nach drei Monaten.

Eine zweite Auffrischungsimpfung gegen Corona könnte laut einem Experten im Moment und vor dem Herbst sogar kontraproduktiv sein.
Die vierte Impfung gegen Corona könnte laut einem Experten im Moment sogar nachteilig sein. (Symbolbild) © Dinendra Haria/IMAGO

Für die Studie haben die Wissenschaftler 11.123 Krankenhauseinweisungen und Besuche in der Notaufnahme untersucht. Die Besuche in der Notaufnahme führten anschließend nicht zu einer Krankenhauseinweisung wegen einer akuten Atemwegsinfektion. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine andere Studie aus Israel. Doch das sei laut Immunologe Prof. Andreas Radbruch kein Grund, an der Corona-Impfung zu zweifeln.

Corona: Immunologe bestätigt Schutz von Booster-Impfung

Gegenüber „RTL“ erklärte Radbruch: „Ich würde das nicht allzu hoch bewerten.“ In der Studie sei nämlich nicht untersucht worden, „wie viele von diesen Patienten tatsächlich auf die Intensivstation mussten oder an der Krankheit sogar verstorben sind“, so der Experte. Zudem sei nicht klar definiert, warum die Patienten ins Krankenhaus kamen und sich behandeln ließen. Er berief sich gleichzeitig auf Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Diese weisen einen stabilen Schutz vor schwerer Erkrankung nach drei und sechs Monaten nach der dritten Impfung auf. „Das eigentlich Wichtige ist ja, dass der Impfstoff uns vor Intensivstationen und Tod schützt“, so der Immunologe.

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Virologe hält vierte Impfung im Moment für nicht notwendig

Eine vierte Impfung für alle hält der Experte jedoch im Moment für nicht notwendig. „Die dritte Impfung hat das Immunsystem im Prinzip schon gesättigt, das heißt, das Immunsystem hat durch die drei Impfungen schon eine maximale Immunität aufgebaut“, erklärt Radbruch. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt nur vier Gruppen, darunter vulnerablen Personen und älteren Menschen, eine zweite Auffrischungsimpfung. Der Immunologe geht sogar soweit zu behaupten, dass die Verabreichung einer vierten Impfung im Moment kontraproduktiv wäre.

Denn eine maximale Immunität entsteht dadurch, dass die Zellen des Immunsystems um den Rest konkurrieren, der nach dem Entfernen des Virus oder des Impfstoffs noch da ist. Dafür müssen die Zellen laut Radbruch „immer bessere Antikörper machen, die sich immer schärfer an das Antigen binden“. Nach einem halben Jahr ist nichts mehr da. Die Zellen müssen dann sehen, wo sie bleiben. Sie „bilden dann sozusagen das immunologische Gedächtnis und bleiben uns über Jahrzehnte hinweg erhalten.“

Mit vierter Impfung würde man Pulver verschießen, meint Experte

Mit einer vierten Impfung würde man jetzt laut Radbruch sein Pulver verschießen. „Wenn man sich eine vierte Impfung, die nicht so wahnsinnig viel, aber immerhin ein bisschen was bringt, wenn man sich die aufsparen würde, bis es wirklich nötig ist, dann hätte man wenigstens diesen geringen Effekt im Herbst, wenn eine neue Welle ansteht.“ Das Immunsystem wird nämlich beim wiederholten Impfen mit dem gleichen Impfstoff, in der gleichen Dosis, und an der gleichen Stelle im Muskel geprägt. Das Immunsystem wird nicht nur gesättigt, sondern laut des Experten dadurch „vielleicht ein bisschen unempfindlich für Varianten, die versuchen, dem Immunsystem auszuweichen“.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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