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Chronische Erkrankung: Liste, Definition und Hilfe

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Von: Martina Lippl

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Chronische Erkrankungen nehmen in Deutschland zu. Was bedeutet chronisch krank? Hier gibt es die Definition und Liste der häufigsten chronischen Krankheiten.

Frankfurt – Anfänge einer chronischen Erkrankung bleiben häufig unbemerkt. Sie entwickelt sich oft schleichend – mit fatalen Folgen für Betroffene. Der Begriff chronische Erkrankungen umfasst unterschiedlichste Gesundheitsprobleme, wie Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs sowie psychische Störungen.

Chronische Erkrankung - ZahlenIn Deutschland haben etwa 40 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren eine chronische Erkrankung
Frauen43 Prozent der Frauen bezeichnen sich als chronisch krank, ab 65 Jahren 58,3 Prozent
Männer38 Prozent der Männer als chronisch krank, ab 65 Jahren 55,3 Prozent

In den Industriestaaten zählen chronische Krankheiten zu den häufigsten und gesundheitsökonomischen Gesundheitsproblemen, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwei von drei Todesfällen auf chronische Erkrankungen zurückzuführen.

Chronische Erkrankung – Was bedeutet eigentlich „chronisch krank“

Als chronische Erkrankungen werden laut dem RKI lang andauernde Krankheiten bezeichnet, die nicht vollständig geheilt werden können. Die Erkrankungen sind vielfältig und auf den ersten Blick nicht immer sichtbar. Chronisch kranke Menschen (beispielsweise mit Diagnose Diabetes oder Multiple Sklerose) sind bisweilen ständig oder auch lebenslang auf medizinische Behandlung und Betreuung angewiesen.

„Eine einheitliche Definition existiert nicht“, betont das RKI. Im Rahmen eines bundesweiten Gesundheitsmonitorings erhebt das RKI nach eigenen Angaben kontinuierlich Daten zu häufigen chronischen Erkrankungen. Das Institut mit Sitz in Berlin analysiert demnach die Verbreitung chronischer Krankheiten, deren Risikofaktoren sowie den Veränderungen über die Zeit.

Chronisch

Der Begriff chronisch bedeutet in der Medizin sich langsam verlaufend, lang andauernd. Ursprünglich bezeichneten römische Ärzte eine langsam verlaufende Krankheiten nach lateinischen morbus chronicus (morbus auf Deutsch: die Krankheit, das Leiden; chronicus auf Deutsch langwierig, chronisch). Chronisch stammt zudem von dem griechisch chronos (auf Deutsch: Zeit). (Quelle: Etymologische Wörterbuch des Deutschen)

Liste der häufigsten chronischen Erkrankungen

Der zeitliche Faktor definiert vor allem, ob jemand „nur“ nicht gesund oder an einer chronischen Erkrankung leidet. Trotzdem sind chronische Krankheiten und ihre Krankheitsbilder völlig unterschiedlich. In unserem Körper können Gelenke (Arthrose, Arthritis), das Herz (koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz) oder die Lunge (Asthma, chronisch obstruktive Lungenkrankheit) betroffen sein, aber auch das zentrale Nervensystem (Multiple Sklerose). Stoffwechselstörungen wie Diabetes fallen ebenfalls unter die Definition chronische Erkrankung. Hier gibt es eine Liste der häufigsten chronischen Krankheiten:

Das RKI zählt unter dem Themenschwerpunkt „Chronische Erkrankungen“ Allergien, chronische Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypertonie (erhöhter Blutdruck) und Muskuloskelettale Erkrankungen auf. Laut einer Studie der Stiftung Gesundheitswissen leiden die Menschen in Deutschland am häufigsten unter Bluthochdruck, Arthrose und Rückenschmerzen (veröffentlicht Februar 2022).

Chronische Erkrankung treffen Erwachsene und auch Kinder

Einzelne chronische Erkrankungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Es gibt allerdings auch seltene Erkrankungen, an der nur wenige Menschen leiden. Chronische Krankheiten ziehen sich durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten.

„Manche chronischen Erkrankungen treten bereits in der Kindheit auf, wie etwa 70 Prozent der Seltenen Erkrankungen und meistens Typ-1-Diabetes, viele jedoch erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Dies trifft insbesondere für Herz-Kreislauf-, Muskel-Skelett- und Krebserkrankungen zu“, heißt es in einem Report des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt „Chronische Krankheiten in Deutschland“ (115-Seiten, veröffentlicht 2020).

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Chronische Erkrankung: Menschen in Deutschland leiden am häufigsten unter Bluthochdruck, Arthrose und Rückenschmerzen. © Stuart Kinlough/imago

„Die meisten Menschen erhalten im Laufe ihres Lebens die Diagnose einer chronischen Erkrankung, viele sogar mehrere“, so ein Fazit des Reports. Betroffen sind demnach vor allem ältere Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche können an chronischen Erkrankungen leiden. Eine chronische Erkrankung kann Auswirkungen auf den Alltag und die Lebensqualität der chronisch kranken Menschen haben. Sehr viele chronische Krankheiten entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, manchmal über Jahrzehnte.

Risikofaktoren einer chronischen Erkrankung

Die Diagnose „chronisch krank“ ist für viele Menschen mit psychischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen verbunden. Das Risiko steigt mit dem Alter. Die Palette der Krankheiten ist groß. Ursachen für eine chronische Krankheit sind individuell. Genetische Veranlagungen, aber auch ein ungesunder Lebensstil, Umwelteinflüsse spielen eine Rolle.

Ursachen für einige chronische Erkrankungen sind längst bekannt: Rauchen, mangelnde körperliche Bewegung und ungesunde Ernährung sind dem RKI zufolge die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daneben gelten erhöhter Blutdruck (Hypertonie), Adipositas, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen ebenso als Risikofaktoren.

Chronischer Bluthochdruck (Hypertonie): Diese Ursachen sind bekannt

Für hohen Blutdruck sind Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung, Stress sowie erhöhter Alkoholkonsum „wichtigsten Risikofaktoren“, so das RKI. Ein veränderter Lebensstil sei deswegen für die Gesundheit förderlich. Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin schützen vor einer chronischen Krankheit oder können deren Verlauf lindern. Um das zu erreichen, sind folgende Punkte wichtig:

Bestimmte Maßnahmen können zudem den Verlauf einer chronischen Erkrankung positiv beeinflussen. Bei der Multiplen Sklerose (MS) empfehlen Mediziner unbedingt, das Rauchen einzustellen, sich regelmäßig körperlich zubewegen und eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Fisch ist. Fettes rotes Fleisch sollte reduziert werden.

Multiple Sklerose (MS) gilt als häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems. Es ist eine chronische Erkrankung, die auch akute Krankheitsschübe verursacht, in denen sich die Erkrankung verschlechtert. Meist macht sich MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr bemerkbar. Sie gilt als die häufigste Nervenerkrankung im jungen Erwachsenenalter. Doch auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen an MS erkrankt, davon rund 200.000 in Deutschland, darunter 70 Prozent Frauen.

Lupus ist eine chronische Autoimmunkrankheit

Lupus (auf Deutsch: Wolf) kann verschiedene Organe und Organgruppen des Körpers – Haut, Gelenke, Blut, Nieren und das Zentrale Nervensystem – befallen. Lupus ist eine chronische Autoimmunkrankheit, die in verschiedenen Formen auftritt. Das Immunsystem des Körpers bildet Antikörper, die eigentlich gesundes Gewebe angreifen. Die häufigsten Lupus-Typen sind:

Die Symptome sind unterschiedlich. Für Patient:innen braucht es ein individuelles Therapieprogramm, weil Lupus nicht heilbar ist. In Deutschland sind rund 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen. Im Laufe der Jahre können die Krankheitsschübe immer mehr abschwächen und seltener auftreten. Die Ursachen von Lupus sind noch Gegenstand der Forschung. Umwelteinflüsse, Hormone, Stress und eine genetische Veranlagung scheinen einen Lupus-Ausbruch zu begünstigen.

Chronische Erkrankung: Wann gilt ein Patient als schwerwiegend chronisch krank?

Zu den chronischen Krankheiten, die eine Dauerbehandlung erfordern, können laut dem Bundesgesundheitsministerium Diabetes mellitus, Asthma, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen oder koronare Herzkrankheit gehören.

Chronisch kranke Menschen brauchen deswegen eine dauerhafte Therapie und intensive Betreuung durch Ärzte:innen und andere Heilberufe. Versicherte mit schwerwiegend chronischen Erkrankungen werden bei der Zuzahlung für Maßnahmen und Medikamente unter bestimmten Voraussetzungen befreit.

Definition von schwerwiegender chronischer Erkrankung

Der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) hat die Definition einer schwerwiegend chronischen Erkrankung bestimmt. Demnach liegt eine schwerwiegend chronische Krankheit vor, wenn eine Person mindestens ein Jahr lang wegen derselben Erkrankung wenigstens einmal pro Quartal in ärztlicher Behandlung ist. Zudem muss eines der folgenden Merkmale zutreffen:

Auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums ist diese Definition im Wortlaut so zu lesen:

„Hiernach gilt als schwerwiegend chronisch krank, wer mindestens einen Arztbesuch pro Quartal wegen derselben Krankheit wenigstens ein Jahr lang nachweisen kann und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt: entweder Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5 oder aber ein Grad der Behinderung beziehungsweise eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 60 %. Außerdem gilt als schwerwiegend chronisch krank, wer eine kontinuierliche medizinische Versorgung benötigt, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die von der Krankheit verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.“ (ml)

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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