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Hersteller empfehlen Auffrischungsimpfung

Dritte Biontech-Impfung mit „Booster“-Wirkung umstritten

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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  • Isabel Wetzel
    Isabel Wetzel
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Eine dritte Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer soll die Immunität steigern, sagen die Hersteller. Doch die Wissenschaft fordert weitere Studien.

Update von Samstag, 10.07.2021, 09.15 Uhr: Die Frage, ob eine dritte Nachimpfung mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer bereits wenige Monate nach den ersten beiden Impfdosen empfehlenswert ist, sehen manche Forscher:innen noch skeptisch. Die beiden Pharmakonzerne hatten angekündigt, die Zulassung einer dritten Dosis als sogenannte „Booster-Impfung“ sechs bis zwölf Monate nach der ersten Impfung in den nächsten Tagen bei zahlreichen Arzneimittelbehörden zu beantragen. Für viele bereits Geimpfte, auch in Deutschland, würde das bedeuten, dass ein nächster Impftermin schon bald bevorstünde.

Erste Stimmen aus der Wissenschaft haben diesen Vorstoß nach Berichten des Nachrichtenmagazins Spiegel und der Zeitung New York Times jedoch bereits als verfrüht kritisiert. Die Forschenden wollen zunächst die von den Pharmakonzernen in Aussicht gestellten Studienergebnisse abwarten, die derzeit noch weder veröffentlicht noch von unabhängigen Wissenschaftler:innen überprüft wurden. Auch das Argument der Pharmakonzerne, dass es sich bereits in Israel zeige, dass die Schutzwirkung des Vakzins nach einiger Zeit und durch die Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante etwas nachlässt, wird hinterfragt.

Corona-Impfung mit Booster-Wirkung: Forschende fordern genaue Überprüfung

Pfizer und Biontech hatten in einer gemeinsamen Mitteilung berichtet, dass die Schutzwirkung allgemein auf 64 Prozent, der Schutz gegen eine schwere Erkrankung auf 90 Prozent falle. „Es ist aber fraglich, ob eine Booster-Impfung den Wert von 64 Prozent steigern kann“, zitierte das Nachrichtenmagazin Spiegel Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Sogar Forscher:innen aus Israel sprächen bislang von Daten mit vorläufigem Charakter. Man solle also vor einer Entscheidung die Ergebnisse unabhängiger Wissenschaftler:innen abwarten, raten zahlreiche Fachleute. Leif Erik Sender von der Charité Berlin betonte etwa, dass niedrige Inzidenzen und lokale Ausbrüche eine wissenschaftliche Auswertung der Effektivität von Impfungen zusätzlich erschwerten.

Und auch aus anderem Grund wird Kritik am Vorschlag einer Booster-Impfung laut: „Man darf die globale Lage nicht aus den Augen verlieren“, forderte etwa Biostatistik-Experin Natalie Dean von der Emory University in Atlanta im Gespräch mit der New York Times – und verwies auf die aktuellen Bedingungen in weiten Teilen der Welt, die noch immer mit viel zu wenig Impfschutz gegen die Ausbreitung der Krankheit kämpfen: „Mir fällt die Vorstellung schwer, dass Menschen eine dritte Dosis erhalten, während es noch Menschen im Gesundheitswesen gibt, die ungeimpft Corona-Patienten behandeln.“ Céline Gounder, Virologin am New Yorker Bellevue Hospital Center, forderte: „Wenn wir uns wegen der Ausbreitung von Varianten Sorgen machen, ist unser bester Schutz, die Impfungen im Rest der Welt voranzutreiben“, statt im Westen weiteren Impfstoff zu horten oder dritte Dosen zu verabreichen.

Corona-Impfung: Biontech und Pfizer wollen Zulassung einer dritte Dosis prüfen lassen

Erstmeldung von Freitag, 09.07.2021, 17.05 Uhr: Mainz – Die Hersteller Biontech und Pfizer gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung des gemeinsamen Impfstoffes gegen das Coronavirus aus. Die Wirkung des Vakzins zum Schutz vor einer Corona-Erkrankung lasse etwa sechs Monate nach der zweiten Impfung nach. Das bestätigten bereits „Real-Life-Daten“ aus Israel. „Obwohl der Schutz gegen schwere Erkrankungen sechs Monate lang hoch bleibt, ist mit einer Abnahme der Wirksamkeit gegen symptomatische Corona-Fälle im Laufe der Zeit und dem Auftreten von Varianten zu rechnen“, erklärten die beiden Unternehmen.

Das Gesundheitsministerium in Israel teilte am Montag (05.07.2021) mit, aktuelle Daten zeigten, dass die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes bei der Vermeidung einer Infektion – insbesondere mit der aggressiven Delta-Variante – auf 64 Prozent gesunken sei. Auch bei der Verhinderung einer Erkrankung mit Symptomen lasse die Effektivität der Corona-Impfung von Biontech/Pfizer nach, wobei die Impfung weiterhin zu 93 Prozent eine schwere Erkrankung und Krankenhausaufenthalte abwehre. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es laut der Hersteller wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“.

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer wollen bald die Zulassung für die Verabreichung einer dritten Dosis ihres Corona-Impfstoffs beantragen.

Corona: Auffrischungsimpfung mit Biontech/Pfizer – Deutlich mehr Antikörper nach dritter Dosis

Bei einer laufenden Studie zu einer dritten Impfung seien zudem „ermutigende Daten“ zu beobachten, teilten die beiden Unternehmen mit. Demnach sei durch eine dritte Dosis rund sechs Monate nach der Zweitimpfung eine sehr hohe Zahl schützender Antikörper im Blut nachweisbar – etwa fünf bis zehnmal so hoch wie nach den ersten beiden Impfungen. Details sollen bald in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert werden, heißt es. Außerdem sei geplant, die Daten in den kommenden Wochen bei der US-Arzneimittelbehörde FDA, dem europäischen Pendant EMA und bei anderen Zulassungsbehörden einzureichen.

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer wollen bald die Zulassung für die Verabreichung einer dritten Dosis ihres Corona-Impfstoffs beantragen.

Biontech und Pfizer gingen davon aus, dass eine dritte Dosis das höchste Schutzniveau gegenüber allen bisher getesteten Coronavirus-Varianten erhalte, hieß es weiter. Das gelte auch für die sich ausbreitende Delta-Variante. Dennoch beobachten die Forscher die Situation aufmerksam und arbeiten bereits an einer angepassten Version des Covid-19-Impfstoffs von Biontech/Pfizer, hieß es. In diesem angepassten Vakzin verwenden die Hersteller das vollständige Spike-Protein der Delta-Variante. Die erste Charge der neuen mRNA für die Studie wurde bereits in Biontechs Produktionsstätte in Mainz hergestellt. Die Unternehmen erwarten, dass die erste Studie im August dieses Jahres, abhängig von der regulatorischen Zulassung, beginnen kann.

Dritte Corona-Impfung mit Biontech/Pfizer: USA prüfen nötige Auffrischung

Kurz nach dem Statement von Pfizer und Biontech hieß es am Donnerstag in einer von US-Medien verbreiteten Mitteilung der FDA und der US-Gesundheitsbehörde CDC, Amerikaner, die vollständig geimpft seien, benötigten derzeit keine Auffrischungsimpfung. Man sei aber auf die Verabreichung von Auffrischungsdosen vorbereitet, sollten wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sie notwendig seien. Die Gesundheitsbehörden in den USA untersuchten die Frage, verließen sich dabei aber nicht ausschließlich auf Daten von Pharmafirmen. (iwe/ska mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Cecilia Fabiano/dpa

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