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Bio-Boom und Bio-Brache

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Von: Stefan Sauer

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Immer mehr Menschen kaufen Bioloebensmittel. (Symbolbild)
Immer mehr Menschen kaufen Bioloebensmittel. (Symbolbild) © Andreas Arnold

Immer mehr Deutsche kaufen Bio-Lebensmittel. Die Öko-Produkte haben ihr Schattendasein hinter sich gelassen und sind heute selbst in den Regalen der großen Diskonter nicht mehr wegzudenken. Doch immer weniger Bioprodukte kommen aus heimischer Produktion.

Bio boomt. Mittlerweile sind Lebensmittel aus ökologischem Anbau auch in konventionellen Supermärkten zur Selbstverständlichkeit geworden. Das elitäre Image eines Luxusguts für solvente Linksintellektuelle ist passé. Heute setzen selbst Discounter auf Käse, Wurst und Gemüse mit dem Bio-Siegel. Der Umsatz mit den Öko-Produkten in Deutschland hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als verdreifacht und übertraf 2012 erstmals die Sieben-Milliarden-Euro Marke. Allein gegenüber dem Vorjahr betrug das Plus knapp sechs Prozent.

Inwieweit Eier, Obst und Schweinekotelette vom Ökohof tatsächlich gesünder sind als Produkte aus herkömmlicher Landwirtschaft, ist umstritten. Zweifelsfrei belegt ist aber, dass alternative Anbaumethoden Natur und Umwelt erheblich weniger belasten, schon weil auf mineralischen Stickstoffdünger verzichtet wird.

Der Trend zur Bio-Nahrung ist mithin eine gute Sache. Er hat nur einen Haken: Hiesige Biobauern haben daran einen immer kleineren Anteil. Die Anzahl der Biohöfe stagniert seit Jahren, der Anteil des Ökoanbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche steigt in homöopathischen Dosen und erreichte 2012 knapp 6,3 Prozent – ein Plus von 0,1 Punkten gegenüber 2011.

Vom einst von der rot-grünen Bundesregierung formulierten Ziel, ein Fünftel der Agrarfläche von Biobauern bewirtschaften zu lassen, ist man mithin meilenweit entfernt. Ginge der Zuwachs im gleichen Tempo weiter wie seit dem Jahr 2000, würden 20 Prozent Bioanteil erst im Jahr 2078 erreicht, sagte der amtierende Präsident des Umweltbundesamts, Thomas Holzmann, im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche, die am Freitag in Berlin beginnt.

Das 20-Prozent-Ziel hatte eigentlich bereits 2010 erreicht werden sollen. Daraus zog die schwarz-gelbe Regierung in eben diesem Jahr eine bemerkenswerte Konsequenz: Man bekräftigte das Ziel und strich die Jahreszahl. „Das ist nicht ambitioniert“, befand Holzmann sarkastisch.

Bio-Anbau kommt nicht vom Fleck

Aber auch nicht überraschend. Denn die Berliner Agrarpolitik trägt in erheblichem Umfang die Verantwortung dafür, dass der Bio-Anbau in deutschen Landen trotz kräftig steigender Nachfrage nicht recht vom Fleck kommt. Schuld sei eine Subventionspolitik, die zu massiven Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Bio-Höfe gehe, kritisiert Jan Plagge, Vorstand im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Während Ökobauern je nach Bundesland zwischen 130 und 200 Euro pro Hektar und Jahr an Förderung erhielten, werde der Anbau von Mais zur Herstellung von Biosprit und -gas mit satten 2000 Euro pro Hektar subventioniert. „Das ist ein gravierender Nachteil für die ökologische Landwirtschaft und eine grandios falsche Verteilung von Fördergeldern“, urteilt Plagge. Die extrem hohen Subventionen von Biomasse-Mais trügen zudem zu steigenden Pachtpreisen für landwirtschaftliche Nutzflächen bei, „so dass wir am Pachtmarkt oft nicht mehr mithalten können“.

Infolgedessen nahm die Zahl der Biohöfe zwischen 2011 und 2012 nur noch um knapp 600 auf 23 100 zu, während die Importe von Bio-Produkten stark stiegen. Der Einfuhranteil von in Deutschland abgesetzten Bio-Kartoffeln zum Beispiel lag 2001 unter zehn Prozent, 2010 waren es fast 30 Prozent. Bei Gemüse verdoppelte sich der Importanteil auf 36 Prozent, Öl, Fleisch, Obst und Milchprodukte aus Bio-Produktion verzeichneten stark steigende Importquoten.

Der BÖLW fordert daher, die Förderung des Bio-Sektors auf jährlich 300 Euro pro Hektar anzuheben und für die Produktion von Biokraftstoffen nur noch Abfälle zu verwenden anstatt hochsubventionierten Mais.

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