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Umweltgifte können das Erbgut schwer schädigen, und dazu gehört auch der krebserregende Stoff Benzpyren im Tabakrauch.

Gesundheit

Auch wenige Zigaretten machen krank

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Das Krebsrisiko steigt schon bei geringem Tabakkonsum.

„Ich rauche ja nur abends“ oder „Mehr als fünf Zigaretten am Tag stecke ich mir nicht an“ – mit solchen Sprüchen versuchen sich „schwache“ Raucher gerne selbst zu beruhigen und einzureden, dass sie ihrer Gesundheit nicht schaden. Doch das stimmt mitnichten: Bereits geringer Tabakkonsum erhöht das Krebsrisiko. Das haben Wissenschaftler des Instituts für Toxikologie an der Universitätsmedizin Mainz nachgewiesen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Nucleic Acids Research“.

Die Mainzer Forscher fanden heraus, dass bereits eine niedrige Dosis des im Tabakrauch enthaltenen Umweltgiftes Benzpyren – und somit auch ein geringer Zigarettenkonsum – das Erbgut schädigt. Zwar können sich die Zellen an diesen Schaden anpassen – doch dieser Prozess geht mit einem erhöhten Mutationsrisiko einher. Die Folge: Das Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich eine Krebserkrankung entwickelt.

Die Wissenschaftler erklären, was bei diesen Vorgängen geschieht: Umweltgifte können das Erbgut schwer schädigen, und dazu gehört auch der krebserregende Stoff Benzpyren im Tabakrauch. Erleidet eine Zelle viele Schäden – etwa, weil sie einer hohen Konzentration an einem Gift ausgesetzt ist –, so kann sie sich durch den programmierten Zelltod selbst vernichten und verhindern, dass sie durch ihre Vermehrung weiteren Schaden anrichtet.

Nicht alle Schäden an der DNA werden repariert

Wird eine Zelle hingegen nur mit geringen Mengen an giftigen Substanzen konfrontiert, dann begeht sie keinen Selbstmord, sondern wirft ihren Reparaturmechanismus an. Genau das konnten die Mainzer Wissenschaftler um Markus Christmann auch bei einer geringen Dosis Benzpyren beobachten. Die DNA reparierte die geschädigten Stellen, die Zelle lebte weiter, vermehrte sich und war künftig sogar besser vor der toxischen Wirkung dieses Stoffes geschützt.

Allerdings beobachteten die Forscher noch einen anderen Prozess: Nicht alle Schäden auf der DNA werden repariert, mit Hilfe von Enzymen versucht die Zellen, damit zurechtzukommen. Das gelingt ihr auch. Indes: Die Tolerierung solcher Schäden geht häufig mit Fehlern einher. So wiesen die Mainzer Wissenschaftler nach, dass Zellen, die die Konfrontation mit Benzpyren überlebten, vermehrt Mutationen zeigen. Und weil Krebs auf Mutationen des Erbguts beruht, steigt damit auch zwangsläufig das Tumorrisiko.

Diese Prozesse beobachteten die Forscher nicht allein in menschlichen Zellkulturen, sondern auch in Zellen der Mundschleimhaut von Rauchern. Sie schließen daraus, dass auch die Zellen des Lungengewebes auf diese Weise reagieren.

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