Die Zahnputztechnik scheint gar nicht so wichtig zu sein ? auch das kam bei der Untersuchung heraus.
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Die Zahnputztechnik scheint gar nicht so wichtig zu sein ? auch das kam bei der Untersuchung heraus.

Zähneputzen

Auch die Handzahnbürste tut?s

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forscher untersuchen, ob das Gebiss durch Putzen komplett sauber zu kriegen ist - und welche Putzgeräte dafür tatsächlich notwendig sind..

Auch mit einer einfachen Handzahnbürste und Hilfsmitteln zur Reinigung der Zwischenräume kann man die Zähne richtig sauber bekommen. Menschen, die nicht beruflich mit Zähnen zu tun haben, können das genauso gut hinkriegen wie Profis. Auf die Technik kommt es dabei offenbar nicht in erster Linie an – wohl aber darauf, den Zahnrändern besondere Beachtung zu schenken. Zu diesen Ergebnissen ist eine Studie von Wissenschaftlern des Instituts für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen in Zusammenarbeit mit Zahnmedizinern verschiedener Kliniken gekommen. Die Forscher wollten der Frage nachgehen, ob es überhaupt möglich ist, die Zähne hundertprozentig und somit „komplett“ zu reinigen – und ob dieses Ziel auch mit einer Handzahnbürste zu erreichen ist, wenn man sie mit Hilfsmitteln zur Zahnzwischenraumhygiene (also etwa Zahnseide oder speziellen kleinen Bürstchen) kombiniert.

Der Hintergrund ihrer Studie: Die meisten Menschen wissen zwar von frühester Kind an, dass sie sich mindestens zweimal täglich, am besten aber nach jeder Mahlzeit die Zähne putzen sollen. Trotzdem schaffen es offenbar nur wenige, ihre Zähne richtig gut zu reinigen, um keine Grundlage für Erkrankungen zu schaffen. So bemängeln Zahnärzte immer wieder die unzureichende Mundhygiene ihrer Patienten. Und auch die Verbreitung von Karies spricht ja für sich: Allein in Deutschland hatten oder haben mehr als 90 Prozent der Menschen mindestens ein Loch im Zahn – auch wenn die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren leicht rückläufig sind. Weltweit ist Karies die häufigste Krankheit überhaupt.

Die Ursachen von Karies dafür sind Placques, Beläge, die sich aus Mundschleimhautzellen und Speiseresten zusammensetzen und sich an den unteren Rändern der Zähne bilden. In diesen Placques nisten sich dann gerne Bakterien ein, die den Zucker aus der Nahrung in Säure umwandeln. Die Säure wiederum greift den Zahn an, indem sie ihn entkalkt – was die darunter liegende Substanz allmählich verfaulen lässt.

Teilnehmer der Studie waren alle Zahnprofis

Die Folge dieses Prozesses ist bekannt: Es bilden sich Löcher. Durch richtiges Putzen könnten viele Defekte an den Zähnen vermieden werden – nämlich dann, wenn die Placques gründlich entfernt und dem kariösen Prozess somit von vornherein der Nährboden entzogen wird.

Auch beim Entstehen von Paradontitis spielt das Zähneputzen eine Rolle: Als Folge nicht beseitigter Placques kann sich ein Spalt zwischen Zahnwurzel und -fleisch bilden, in dem sich Bakterien vermehren und dann Stoffe produzieren, die zu einer Zahnfleischentzündung führen können. Diese muss zwar nicht, kann aber der erste Schritt hin zu einer Paradontis sein.

Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie nun in acht Universitätszahnkliniken, wie jene Menschen sich die Zähne putzen, die nicht alleine von ihren Patienten gut gereinigte Zähne verlangen, sondern auch bei der Vermittlung von Mundhygiene eine Rolle spielen. Konkret waren das 64 Zahnärztinnen und Zahnärzte, 33 Studierende der Zahnmedizin sowie 30 zahnmedizinische Fachangestellte. Sie alle wurden aufgefordert, sich ihre Zähne mit einer Handzahnbürste zu putzen. Außerdem stellten die Wissenschaftler ihnen Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume zur Verfügung. Vor und nach dem Zähneputzen erfassten sie, wie stark die Zahnbeläge in den Mündern der Teilnehmer waren.

Das Ergebnis

Das Ergebnis: Nach dem Putzen fanden sich nur wenige Beläge auf den Zähnen, sagt Studienleiterin Renate Deinzer vom Institut für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die unterschiedlichen Berufsgruppen schnitten dabei alle ähnlich gut ab. Insgesamt hatten es 96 Prozent der Teilnehmer geschafft, mehr als 70 Prozent der Flächen an ihren Zahnfleischrändern sauber zu kriegen. Bei einem Dreiviertel der Probanden waren sogar 89 Prozent der Flächen am Zahnfleischrand frei von Belägen. Zum Vergleich: Zahnmedizinische Laien erreichen bei diesem Test „selten mehr als 50 Prozent saubere Flächen, oft weniger als 30 Prozent“, heißt es in es in einer Mitteilung der Uni Gießen.

Grundsätzlich sei es also möglich, mit einer Handzahnbürste und Hilfsmitteln für die Zwischenräume „eine fast hundertprozentige Sauberkeit zu erreichen“, sagt Renate Deinzer. Sie schränkt allerdings ein, dass die untersuchten Zahnprofis natürlich auch Vorteile gegenüber ihren Patienten haben. So waren ihre Gebisse meist in überdurchschnittlichem Zustand: gut gereinigt, mit nur wenigen Zahnfleischentzündungen und Hindernissen wie Kronen, die die Reinigung erschweren könnten. Und sie wissen natürlich, worauf es beim Putzen ankommt. Renate Deinzer erläutert, wie mn es richtig macht: „Es ist besonders wichtig, die Beläge am Zahnfleischrand zu entfernen. Auch sollte man die Zähne und Zahnfleisch nicht irgendwie, sondern systematisch putzen, um keine Fläche zu vergessen.“

Erstaunlich indes: Die Technik beim Zähneputzen schienen die Zahnprofis weniger bedeutsam zu finden. Denn knapp die Hälfte der Teilnehmer konnte hinterher gar nicht mehr sagen, mit welcher Technik sie geputzt hatten – gleichwohl waren die Ergebnisse genauso gut wie bei denjenigen, die ihrem Gebiss mit einer speziellen Technik zuleibe gerückt waren.

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