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Forscher enthüllen: Deshalb erkranken Frauen häufiger an Demenz als Männer

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Von: Romina Kunze

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Demenz kann jeden treffen. Die Krankheit tritt aber deutlich öfter bei Frauen auf. Eine Studie hat jetzt den Grund herausgefunden.

Frankfurt – Hin und wieder vergisst jeder Mensch mal was; kleinere Gedächtnislücken sind normal. Wird das Vergessen aber zur Krankheit, fallen selbst alltägliche Dinge schwer, bis hin zur Hilflosigkeit. Angehörige und Betroffene wissen: Demenz raubt den Erkrankten nicht nur ihre Erinnerungen, sie beeinträchtigt die Gesundheit und wird auch zur Belastung für das Umfeld.

Die häufigste Form von Demenz ist Alzheimer. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) waren 2021 von den insgesamt 1,8 Millionen Demenz-Erkrankten 19.356 sogar in stationärer Behandlung. Auffällig dabei: Die Zahlen, die das Amt zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2022 veröffentlichte, zeigten, dass deutlich mehr Frauen (58,5 Prozent) als Männer (41,4 Prozent) betroffen waren.

Demenz-Erkrankte weltweit44 Millionen Menschen
Demenz-Erkrankte in Deutschland (in 2021)1,8 Millionen
Anzahl erkrankter Frauen1,2 Millionen
Anzahl erkrankter Männer600.000
Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Alzheimer-Demenz: Verändertes Protein der Grund dafür, dass viele Frauen erkranken

Dass tatsächlich Frauen anfälliger für eine Alzheimer-Erkrankung sind, belegt nun auch eine neue Studie eines Forschungsteams der Changchun Universität für Medizin in China. Dem internationalen Wissenschaftsteam um Hongmei Yang zufolge, könnte eine Veränderung eines bestimmten Proteins im Gehirn der Grund für Demenz sein. Demnach sei bei den weiblichen Probanden mit Alzheimer das mutierte C3-Protein um ein Vielfaches mehr vorhanden gewesen als bei männlichen oder weiblichen Probanden ohne Alzheimer.

„Diese Unterschiede könnten die Tatsache widerspiegeln, dass die Krankheit bei Frauen fast doppelt so häufig vorkommt wie bei Männern“, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift „Science Advance“ veröffentlicht wurde. In seiner normalen Funktion trägt das C3-Protein zu einem intakten Immunsystem bei. Es hilft, schädliche Erreger auszumachen. Verändert es sich, kann es allerdings das Absterben von Nervenzellen im Gehirn begünstigen. Dann bewirkt es, dass Abwehrzellen irrtümlicherweise auch intakte Synapsen zerstören.

Östrogenspiegel der Frau: Nach der Menopause steigt das Demenz-Risiko

Eine Verbindung von veränderten C3-Proteinen und Demenz ist laut dem Forschungsteam keine neue Erkenntnis. Dass es dabei einen geschlechterspezifischen Unterschied macht, hingegen schon. „Obwohl in den letzten zehn Jahren enorme Fortschritte in der Alzheimer-Forschung gemacht wurden, wird eine zusätzliche Berücksichtigung von Geschlechtsunterschieden wichtig sein, um das erhöhte Auftreten von Krankheiten bei Frauen zu erklären“, heißt es in dem Fachartikel weiter. Grund dafür seien „genetische und hormonelle Faktoren“.

Eine demenzkranke Frau im Altenheim.
Frauen sind häufiger von Alzheimer betroffen als Männer. Eine Studie eines internationalen Forschungsteams erklärt nun, woran das liegen könnte. © Patrick Pleul/dpa

Konkret: Die Protein-Veränderung wird durch den Östrogenspiegel bestimmt. Denn der schüttet Hormone aus, die das Protein schützen. Mit zunehmenden Alter sinkt der Östrogenspiegel allerdings, insbesondere nach der Menopause. Der Schutz lässt nach, das Risiko der Modifikation des Proteins und Fehlfunktion steigt somit. Das könnte erklären, warum häufig Frauen im höheren Alter von Demenz betroffen sind, so das Ergebnis der Abhandlung.

Krankheit bisher unheilbar – neues Medikament macht Hoffnung

Demenz ist bislang unheilbar, doch vor Kurzem sorgte ein Medikament, das den Krankheitsverlauf verlangsamen soll, in der Fachpresse für Aufsehen; und macht Betroffenen Hoffnung.

Das Forschungsteam hat in der Studie jeweils zehn Gehirne von verstorbenen Frauen und Männern, sowohl mit als auch ohne nachgewiesener Alzheimer-Erkrankung untersucht. Ihre Ergebnisse sollen künftig dabei helfen, eine Demenz-Erkrankung frühzeitig zu erkennen und so das Alzheimer-Risiko zu senken. (Romina Kunze)

Hinweis aus der Redaktion: Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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