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Impfung gegen Affenpocken: Für wen wird Sie empfohlen? Alle Informationen im Überblick

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Von: Isabel Wetzel

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Die ersten Länder in Europa haben bereits Impfungen gegen das Affenpocken-Virus gestartet. Doch was für eine Impfung gibt es und für wen wird sie empfohlen? 

Frankfurt – Die Zahl der bestätigten Fälle von Affenpocken in Deutschland und Europa wächst und mit ihr die Sorge vieler vor einer nächsten Pandemie. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise sorgen sich viele Menschen in Deutschland, dass sich nun die nächste Viruserkrankung unkontrolliert ausbreitet. Fachärzte und Ärztinnen geben zwar zunächst Entwarnung – die Eindämmung des Virus sei deutlich einfacher als beispielsweise bei Corona, da es nur durch sehr engen Kontakt übertragen werden könne – dennoch seien erhöhte Vorsicht und schnelles Handeln gefordert. Aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu drei Wochen rechnen die Behörden in der nächsten Zeit mit zahlreichen weiteren Fällen.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis zum Dienstag (31. Mai) mehr als 550 Fälle von Affenpocken aus 30 Ländern der Welt gemeldet worden, in denen die Viruskrankheit zuvor nicht regelmäßig aufgetreten war. In Deutschland sind bislang 65 Fälle von Affenpocken offiziell bestätigt. „Dieser Ausbruch kann eingedämmt werden“, sagte WHO-Expertin Rosamund Lewis am Dienstag in Genf. Die aktuelle Häufung der Fälle sei zwar besorgniserregend, das Risiko für die Öffentlichkeit allerdings gering.

Expertinnen und Experten betonen dabei immer wieder, dass auch aufgrund der Pocken-Impfpflicht eine gute Immunität besteht und daher keine Gefahr einer Pocken-Pandemie bestehe. Die Impfpflicht wurde in Westdeutschland allerdings bereits 1975 aufgehoben, in der DDR 1982. Gerade junge Menschen haben daher keinen Impfschutz und auch bei Erwachsenen lässt der Impfschutz aufgrund der langen Zeit bereits nach. Kann man sich also heute gegen die Affenpocken impfen lassen und für wen wird die Impfung empfohlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Impfschutz.

Affenpocken-Virus in Deutschland: Gibt es einen Impfstoff?

Bei der großen Impfkampagne gegen die „echten Pocken“, das sogenannte Variolavirus, wurden Lebendimpfstoffe verabreicht, die tatsächlich vermehrungsfähige Pockenviren enthielten. Dadurch bildeten sich an der Einstichstelle häufig Hautläsionen, die eine charakteristische Narbe bei den Geimpften hinterließen. Diese Impfstoffe sind allerdings in Europa nicht mehr zugelassen und werden nicht mehr verabreicht. Nach Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) ist in der EU derzeit nur noch ein Impfstoff zum Schutz gegen Pocken zugelassen: Imvanex.

Name:Imnavex
Art:Genetisch modifiziertes Lebendvirus (Modifizierte Vacciniavirus Ankara – MVA)
Verabreichung:Zwei Impfdosen im Abstand von min. 28 Tagen
Zulassung in der EU:2019
Zulassung:ab 18 Jahren
Häufige Nebenwirkungen:Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Reaktionen an der Einstichstelle

Der Imvanex-Impfstoff enthält eine lebende, aber genetisch modifizierte Form des Vacciniavirus (DNA-Virus aus der Familie der Pockenviren), das beim Menschen keine Erkrankung auslöst und sich in menschlichen Zellen auch nicht replizieren kann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet, dass die Impfung gegen die echten Pocken zu etwa 85 Prozent gegen Affenpocken schützt. Das hätten mehrere Beobachtungsstudien gezeigt. Der Impfstoff sei allerdings nur begrenzt verfügbar.

Ein mit den Affenpocken infizierter Patient zeigt den Hautausschlag an seinen Händen.
Ein mit den Affenpocken infizierter Patient zeigt den Hautausschlag an seinen Händen. (Archivbild) © Brian W.J. Mahy/dpa

Während das Vakzin in den USA und Kanada offiziell zur Behandlung von Affenpocken zugelassen ist, wäre hierzulande nur ein sogenannter Off-Label-Use, also die Verwendung des Arzneimittels außerhalb des zugelassenen Gebrauchs möglich.

Schutz gegen Affenpocken: Wird es eine große Impfkampagne geben?

Die USA und Großbritannien bereiten sich bereits auf größere Impfkampagnen gegen die Affenpocken vor. Wie die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC mitteilte, sollen vor allem enge Kontaktpersonen von Infizierten geimpft werden, außerdem Mitarbeitende im Gesundheitswesen und Risikogruppen. Ähnlich könne die Strategie künftig auch in Deutschland aussehen. Grundsätzlich sieht die WHO derzeit noch keinen Anlass, massenhaft gegen die Affenpocken zu impfen. Einfache Hygienemaßnahmen und erhöhte Aufmerksamkeit würden demnach genügen, um die Ausbreitung des Affenpocken-Virus einzudämmen.

Dennoch hat auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorsorglich 40.000 Impfdosen des Imvanex-Vakzins bestellt, wie er in einer Pressekonferenz am Dienstag (24. Mai) mitteilte. Eine Impfstrategie für Deutschland kündigte er vorerst nicht an. Es werde lediglich in Erwägung gezogen, besonders gefährdeten Gruppen eine Impfempfehlung auszusprechen. „Eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung ist hier nicht im Gespräch“, so Lauterbach.

Eine präventive Impfung von Risikogruppen gegen die Affenpocken könnte laut dem Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, sinnvoll sein. „Darüber wird derzeit nachgedacht“, sagte Mertens der „Rheinischen Post“. Im Gegensatz zur klassischen Pockenimpfung seien bei dem modernen Impfstoff keine Nebenwirkungen zu erwarten. Eine Impfung der gesamten Bevölkerung sei aber „sehr wenig wahrscheinlich“.

Diese Menschen sind durch die Affenpocken besonders gefährdet:
Immungeschwächte Patientinnen und Patienten
Junge Menschen, die noch keine Pockenimpfung erhalten haben
Schwangere (Gefahr einer Fehlgeburt)

Nachfrage nach Affenpocken-Impfstoff steigt: „Können nicht die ganze Welt beliefern“

Bavarian Nordic, der Hersteller des Imnavex-Impfstoffs, stellte bereits eine gestiegene Nachfrage für den Impfstoff zur Impfung gegen Affenpocken fest. Vor allem Arztpraxen und Apotheken würden sich auf die steigende Zahl an Affenpocken-Infektionen vorbereiten, indem sie ihren Impfstoffvorrat aufstocken. Generell würden jährlich zwischen vier und sieben Millionen Dosen in Dänemark hergestellt, so Bavarian Nordic.

In den vergangenen zwei Jahren seien die Zahlen pandemiebedingt allerdings „limitiert“ gewesen. Das dänische Unternehmen sei aktuell dabei, den Vorrat an Pockenimpfstoff wieder zu erhöhen, man könne aber nicht den Vorrat für die ganze Welt liefern, sagte Rolf Sass Sørensen, der Vize-Präsident Investor Relations der Firma, dem Magazin Apotheke Adhoc.

Pocken-Impfung: Wirkt der Schutz auch gegen eine Affenpocken-Infektion?

Expertinnen und Experten warnen, dass auch bei Menschen, die bereits gegen die Pocken geimpft wurden, die Gefahr einer Infektion wieder steigt. Denn: Der Immunschutz in der Bevölkerung hat, seitdem die Pocken 1980 von der WHO weltweit für ausgerottet erklärt wurden, deutlich nachgelassen. Britische Forschende fanden in einer Studie, die im Juli 2020 im Magazin „Vaccine“ erschienen ist, heraus, dass rund 70 Prozent der Weltbevölkerung nicht mehr gegen Pocken geschützt sind. Es ist allerdings nach wie vor ungeklärt, wie lange der Impfschutz erhalten bleibt. Sollte er irgendwann nachlassen, sei aber davon auszugehen, dass die Immunantwort des Körpers mit einer einzigen Auffrischungsimpfung mit dem Vakzin von Imnavex wieder deutlich erhöht wird.

Die charakteristische Narbe einer Pockenimpfung ist meist am Oberarm sichtbar.
Die charakteristische Narbe einer Pockenimpfung ist meist am Oberarm sichtbar. © Bernd Weißbrod/dpa

Woran erkenne ich, ob ich bereits gegen Pocken geimpft wurde? Am einfachsten ist eine Impfung gegen die „echten Pocken“ an der charakteristischen Narbe am Oberarm zu erkennen. Und wer seinen Impfpass von damals noch hat, findet die Pockenimpfung unter dem Kürzel „Lyo Vaccinia“. Zunächst bleibt allerdings abzuwarten, ob und in welcher Form das Gesundheitsministerium und die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung gegen die Affenpocken empfehlen werden. (iwe)

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