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ADHS bleibt bei Erwachsenen oft unerkannt – Auf diese Symptome sollten Sie achten

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Von: Karolin Schäfer

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Entgegen der gängigen Ansicht ist ADHS keine reine Kinderkrankheit. Auch Erwachsene leiden unter der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Frankfurt – Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, gilt als häufigste psychiatrische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Studien gehen davon aus, dass etwa fünf Prozent der Heranwachsenden in Deutschland im Alter von drei bis 17 Jahren davon betroffen sind. Laut deutschem ADHS-Verein wird die Erkrankung bei Jungen viermal häufiger diagnostiziert als bei Mädchen.

Lange gingen Fachleute davon aus, dass ADHS nur im Kindesalter auftritt und in der Jugend wieder verschwindet. Heute ist bekannt, dass von der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung auch zahlreiche Erwachsene betroffen sind. Mindestens die Hälfte aller Erkrankten nehmen einen Teil ihrer Symptome mit ins Erwachsenenalter.

ADHS im Erwachsenenalter: Welche Ursachen liegen vor?

Ähnlich verlief es auch bei Paul Blum, der die Diagnose erst vor zwei Monaten erhielt. „Die größte Einschränkung in meinem Alltag durch ADHS ist die Unfähigkeit, mich einfach dazu entscheiden, einer Aufgabe nachzugehen“, erzählte der 23-Jährige im Gespräch mit fr.de. Die Störung bleibt bei einigen Betroffenen oft unerkannt, was vor allem zu Problemen im Alltag oder Berufsleben führen kann.

Ein mögliches Symptom vom Adhs bei Erwachsenen sind Konzentrationsstörungen. Gerade bei der Arbeit kann dies zum Problem werden. (Symbolfoto)
Ein mögliches Symptom vom ADHS bei Erwachsenen sind Konzentrationsstörungen. Gerade bei der Arbeit kann dies zum Problem werden. (Symbolfoto) © Panthermedia/Imago

Die Ursachen der Krankheit sind vielfältig und noch längst nicht vollumfänglich verstanden, wie Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn, gegenüber der Barmer Gesundheitskasse erläutert. Risikofaktoren sind etwa eine Frühgeburt oder Geburtskomplikationen, bei denen „das Gehirn in seiner Entwicklung beeinträchtigt“ wird, erklärte die Bonner Professorin. Aber auch die erbliche Veranlagung spiele eine entscheidende Rolle. Zwar gebe es kein einziges ADHS-Gen, „vielmehr existiert eine Vielzahl von Risikogenen. Jedes davon erhöht die Wahrscheinlichkeit zu einem gewissen Teil.“ Letztlich wirken also verschiedene Umwelt- und Risikofaktoren sowie die Genetik zusammen, wobei letzteres Philipsen zufolge etwa 70 Prozent ausmacht.

ADHS: Können Erwachsene noch ADHS bekommen?

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob auch Erwachsene die Erkrankung noch bekommen können. Das wurde laut Philipsen lange diskutiert. „Mittlerweile ist klar: Wenn ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert wird, haben die Betroffenen die Symptome schon ihr Leben lang, es sei denn, die Ursache liegt zum Beispiel in Unfällen, die zu ähnlichen Erscheinungsbildern führen können“, sagte sie gegenüber der Barmer.

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
TypVerhaltens- und emotionale Störungen
Mögliche UrsachenWechselspiel zwischen erblicher Veranlagung sowie Umwelt- und Risikofaktoren

Mit zunehmendem Alter schwächen die Symptome ab, was dafür spricht, dass die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Andere wiederum bemerken ADHS erst aufgrund steigender Lebensanforderungen, etwa beim Übergang von Ausbildung zum Beruf. Konzentrationsprobleme nahm Paul Blum bereits in der Schulzeit wahr. „Auf die Schule oder Hausaufgaben konnte ich mich nicht konzentrieren“, erzählte der Betroffene unserer Redaktion.

Wie äußern sich die Symptome bei Erwachsenen mit ADHS?

Je nach Lebensphase fallen die Symptome für die Störung unterschiedlich aus. Diese Symptome treten bei Erwachsenen mit ADHS auf:

Wie auch bei den Ursachen äußern sich die Symptome von Person zu Person unterschiedlich. „Anders als man denkt, hat man bei ADHS nicht die Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, sondern die Unfähigkeit, die Konzentration zu lenken“, erklärte Blum. Besonders alltägliche Aufgaben, wie Wäsche waschen oder Termine organisieren, fallen Betroffenen schwer.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich Betroffene überhaupt nicht konzentrieren können. „Wenn ich gerade etwas mache, das mich richtig interessiert, bin ich extrem fokussiert“, sagte Paul Blum. Der sogenannte Hyperfokus, der bei ADHS oft zu beobachten ist, führt dazu, dass sich Betroffene besonders interessierenden Aufgaben intensiv und ausdauernd widmen können. „Wenn ich in diesen Zustand komme, vergesse ich manchmal alles um mich herum und bin nur noch in einer Welt mit dieser einen Sache“, erklärte der 23-Jährige.

ADHS bei Erwachsenen: Der Leidensweg von Betroffenen

Die Symptome äußern sich bei Erwachsenen also meist durch einen eher unorganisierten Lebensstil. Betroffene sind gestresst, schätzen Zeiten falsch ein oder können nur schwer Aufgaben zu Ende bringen. „Manche Betroffene sind zudem sehr impulsiv“, berichtete die ADHS-Spezialistin Philipsen. „Sie werden schnell laut, verlieren oft die Nerven oder sagen Sachen, die nicht so gemeint sind.“ Der Leidensweg vieler ist groß, vor allem, wenn die Erkrankung unentdeckt bleibt. Häufig gehen neben ADHS auch Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchtentwicklungen einher.

Doch nicht alle Erkrankten leiden darunter. So zeichnen sich einige Menschen durch besondere Kreativität aus. Allerdings nur, wenn sie eine Sache besonders interessiert. „Wenn man eine Förderung, Coaching, eine günstige Umgebung hat, wenn man genau das studiert, wo man viel Leidenschaft damit verbindet, dann kann ein ADHS-Betroffener ganz viel im Leben erreichen und zustande bringen“, erläuterte der Koblenzer Psychotherapeut Jörg Dreher gegenüber dem SWR.

ADHS bei Erwachsenen: Wie wird die Erkrankung therapiert?

Die Behandlung von ADHS besteht zum einen aus Medikation, zum anderen aus therapeutischer Behandlung. Medikamente wie Ritalin wirken dabei vor allem gegen die Hauptsymptome wie Hyperaktivität, Impulsivität und Konzentrationsstörungen bei ADHS. Begleitende Psychotherapien ermöglichen Betroffenen, mit ihren Verhaltensauffälligkeiten im Alltag fertig zu werden. Viele Erwachsene haben sich aufgrund der teils erst spät entdeckten Krankheit bereits eigene Strategien angeeignet, etwa durch Entspannungsübungen oder Sport. (kas)

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