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Abnehmen mit Sport: Studie räumt mit verbreitetem Mythos auf

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Von: Fee Halberstadt

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Der Mythos, allein durch Sport könne man Abnehmen wurde durch eine Studie widerlegt
Eine Studie zeigt überraschende Ergebnisse. Laut ihr ist Sport nicht das Mittel zum Abnehmen. (Symbolbild) © Jens Kalaene/dpa

Um abzunehmen, gibt es viele Möglichkeiten: Diäten, Sport treiben oder Fasten. Doch Sport alleine bringt nicht das, was viele denken.

Frankfurt – Fasten, Lowcarb, Highcarb, Lowfett: Heutzutage kursieren zahlreiche Empfehlungen, wie man wohl am effektivsten abnehmen kann. Immer wieder wird auch die Möglichkeit genannt, mithilfe bestimmter Lebensmittel die Fettverbrennung anzukurbeln. Unabhängig von der Ernährung gilt es gemeinhin als anerkannt, dass Sport schlank macht. Doch diese Annahme ist laut einem Forschenden ein Mythos.

In seinem Buch „Burn: New Research Blows the Lid Off – How We Really Burn Calories, Lose Weight, and Stay Healthy“ bestreitet der Anthropologe Herman Pontzer, dass mehr Bewegung zu einem höheren Kalorienverbrauch und damit größerem Gewichtsverlust führe. Laut den Forschungsergebnissen von Pontzer, der als Experte für den menschlichen Stoffwechsel gilt, stimmt es nicht, dass Menschen, die sich viel bewegen, mehr Energie benötigen als solche, die den ganzen Tag nur herumsitzen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Diese Erkenntnisse stoßen einigen seiner Kolleg:innen offenbar sauer auf. Der Sportphysiologe John Thyfault von der University of Kansas Medical Center hat beispielsweise Bedenken, dass diese Erkenntnis Diätwillige auf schlechte Ideen bringen könnte. Andere finden seine Arbeit hervorragend. So auch die Paläoanthropologin Leslie Aiello, die seine Arbeit als „revolutionär“ bezeichnet.

Kalorienverbrauch pro TagMännerFrauen
19 bis unter 25 Jahre30002400
25 bis unter 51 Jahre29002300
51 bis unter 65 Jahre25002000
65 Jahre und älter23001800
Quelle: Stiftung Warentest

Abnehmen mit Sport – Studie widerlegt verbreiteten Mythos

Bei näherer Betrachtung der Forschungsergebnisse von Pontzer wird deutlich, welche Logik seinen Erkenntnissen zugrunde liegt: Beim Sporttreiben verbrennt man Energie. Das lässt vermuten, dass der Körper daraufhin mehr Energie am Tag benötigt. Diese Annahme ist laut dem Stoffwechsel-Experten jedoch falsch. In verschiedenen Untersuchungen stellte Pontzer fest, dass die Energie im Körper nur anders verteilt wird.

Ein Beispiel: Pontzer reiste 2010 nach Tansania, um den Energiehaushalt des Volkes der Hadza zu untersuchen. Bei diesem Volk handelt es sich um Jäger:innen und Sammler:innen und ist dementsprechend aktiv, wie Deutschlandfunk berichtet. Die Frauen laufen täglich etwa acht Kilometer, die Männer etwa 14. Das sind mehr Kilometer als Menschen aus den USA durchschnittlich am Tag zurücklegen, ergänzt die SZ. Das Volk der Hadza stimmten Pontzer Anfrage zu. Mithilfe von doppelt markiertem Wasser bestimmte er den CO2-Ausstoß und somit auch den Kalorienverbrauch bei einer Aktivität. Die Ergebnisse überraschten viele Kolleginnen und Kollegen.

Studie: Sport führt nicht zum Abnehmen – Energieverbrauch wird nur anders verteilt

„Einzelne Hadza haben mal mehr und mal weniger aktive Tage und manche verbrauchten zehn Prozent mehr oder weniger Kalorien als der Durchschnitt. Insgesamt aber verbrennen Hadza-Männer und -Frauen die gleiche Menge an Energie pro Tag wie Männer und Frauen in den Vereinigten Staaten sowie in Europa, Russland und Japan“, berichtete er 2012 in der Online-Fachzeitschrift Plos One.

Dieses Forschungsergebnis blieb kein Einzelfall. Auch die Epidemiologin Amy Luke von der Loyola University Chicago hat herausgefunden, dass Bäuerinnen in Westafrika genauso viele Kalorien verbrauchen wie Frauen in Chicago. Sie nutze die gleiche Methode wie Pontzer, wie die SZ schreibt. Ihre Forschungsergebnisse blieben jedoch weitgehend unbekannt.

Pontzer leitet aus seinem Ergebnisse ab, dass der Körper bei sportlichen Aktivitäten die Energiezufuhr bei anderen Aufgaben im Körper zurückfährt. Er sagt: „Anstatt den Kalorienverbrauch pro Tag zu erhöhen, veränderte die körperliche Aktivität der Hadza die Art und Weise, wie sie ihre Kalorien verbrauchen.“

Sport ist gut für die Gesundheit und schützt vor Diabetes und Herzkrankheiten

Die Analyse weiterer Daten bestätigt diese Annahme, wie der Spiegel berichtet. In einer Studie wurden Marathonläufer:innen beobachtet, die 140 Tage lang, sechsmal die Woche jeweils 42,6 Kilometer joggten. Pontzer und seine Kolleginnen und Kollegen stellten fest, dass der Energiebedarf der Läufer:innen zu Beginn des Rennens bei etwa 6200 Kalorien lagen.

Im Laufe des Rennens fiel der Energiebedarf wesentlich ab. Am Ende betrug er noch 4900 Kalorien. Daraus schlussfolgerten die Forschenden, dass der Körper Platz für den Trainingsbedarf schuf und dafür an anderen Stellen spare.

Die in diesem Artikel genannten Tricks und Informationen können eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Nutzen Sie unsere Ernährungs-Tipps lediglich als Ergänzung zu einer ansonsten vielseitigen und gesunden Ernährung. Die Informationen ersetzen in keinem Fall eine professionelle Beratung und sind nicht zur eigenständigen Diagnose oder Behandlung gedacht.

In den Studien wird nicht betrachtet, dass Sport eine positive Wirkung auf den menschlichen Körper hat und ihn gesund hält. So hat Bewegung durchaus eine Auswirkung auf die Fettverteilung und das Risiko von Diabetes und Herzkrankheiten, wie der Sportphysiologe Thyfault sagt. Pontzer stimmt ihm dabei zu: „Bewegung verhindert, dass man krank wird, aber das beste Mittel zur Gewichtskontrolle ist die Ernährung.“ (Fee Halberstadt)

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