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Viele Ein-Euro-Jobs haben keinen nachhaltigen Sinn. In einer Spielzeugfirma mussten Langzeitarbeitslose komplette Puzzles zusammensetzen. So sollten sie prüfen ob alle Teile da sind, bevor das Puzzle an Bedürftige weitergegeben wurde. (Symbolfoto)

Puzzler, Katzen-Krauler

Zehn Ein-Euro-Jobs, auf die man verzichten kann

Socken für Frühgeburten stricken, Teppichfetzen zerkleinern, Vogeleier tauschen: Viele Langzeitarbeitslose müssen Ein-Euro-Jobs annehmen, die sinnlos sind oder sogar reguläre Stellen ersetzen. Das sind schrägsten Arbeitsgelegenheiten.

Dem Hausmeister helfen, im Recyclinghof arbeiten, in der Kleiderkammer jobben - viele Langzeitarbeitslose verrichten gemeinnützige Arbeit, um sich wieder an den Arbeitsmarkt heranzutasten. Sie beziehen weiterhin Arbeitslosengeld und bekommen für die Extra-Arbeit eine Aufwandsentschädigung zwischen 1,50 Euro und 2 Euro pro Stunde. Das ist die Idee der sogenannten „Ein-Euro-Jobs“.

Doch in der Realität geht der Plan oft nicht auf. Seit sie in großem Stil vergeben werden, werden die Zusatz-Jobs kritisiert. Ein häufiger Vorwurf lautet: Damit nimmt man regulär Beschäftigten die Arbeit weg. Nicht nur Arbeitslosen-Initiativen, auch Kleinunternehmer und das Handwerk fordern deswegen immer wieder die Abschaffung der Arbeitsgelegenheiten.

Nicht selten müssen Langzeitarbeitslose zudem sinnlose Aufgaben erledigen, die nichts mit einem normalen Berufsalltag zu tun haben. Wir haben zehn solcher Beispiele gesammelt.

1. Profi-Puzzler

Eine ARD-Dokumentation zeigte die professionellen Puzzler bei der Braunschweiger Dekra Toys Company. 65 Ein-Euro-Jobber arbeiteten demnach bis zu 30 Stunden in der Woche für einen Euro Stundenlohn und testeten gespendete Spielwaren auf ihre Tauglichkeit.

Einige der Langzeitarbeitslosen puzzelten täglich um die Wette, um zu überprüfen, ob die Puzzles vollständig waren. Erst wenn die Kinderspiele den „TÜV“ bestanden hatten, wurden sie an bedürftige Familien gespendet.

2. Socken-Stricker

Ebenfalls bei Dekra Toys strickten Ein-Euro-Jobber laut der Fernseh-Doku knallbunte Baby-Söckchen für Babys. Die Begründung für diese Beschäftigungstherapie: „Viele Frühgeborene sterben an Unterkühlung.“

3. Katzen-Krauler

Nach zwölf Jahren Arbeitslosigkeit vermittelte die Arbeitsagentur einer Frau einen Ein-Euro-Job im Tierschutzverein Barsinghausen (Weserbergland). Zu ihren Aufgaben gehörte es, 20 Katzen auszuführen und zu streicheln, berichtet Bild.de. Das Sozialgesetzbuch nennt diese Tätigkeit eine „soziale Betreuung der Tiere“.

Weil sie die Katzen im Tierheim allerdings auch fütterte und deren Katzenklos reinigte, gab es Ärger vom Arbeitsamt. Die Frau habe ihren Aufgabenbereich überschritten, heißt es. Als Strafe musste das Tierheim rund 335 Euro ans Amt zahlen.

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4. Kofferträger

Koffer tragen für ältere Menschen und Familien – das klingt zunächst nicht besonders fragwürdig. Für Empörung sorgte aber der Umstand, dass Afrikaner das Gepäck von hellhäutigen Bahnkunden tragen mussten. Am Bahnhof Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) setzte die Deutsche Bahn Asylbewerber aus Nigeria zum Kofferschleppen ein.

Für 1,05 Euro Stundenlohn schufteten zwei Männer am Bahnhof - die Reaktionen in den Medien waren lautstark. Eine Linken-Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen sprach von einem „Rückfall in die Kolonialzeit“. Die Bahn kündigte den Kofferschleppern mittlerweile.

5. Teppichreste-Zerkleinerer

Eine Betroffene schreibt beispielsweise bei Focus-Online, dass sie in einer Firma angestellt wurde, um Teppichreste zu zerkleinern. Das Absurde daran: Die Teppichfetzen wurden nach dem Zerschneiden einfach weggeworfen.

6. Ein-Euro-Akademiker

Ihre Finanznot macht auch die Hochschulen erfinderisch. Weil der Hamburger Senat der Universität Hamburg zu wenig Forschungsgelder zur Verfügung stellte, musste die Uni Ein-Euro-Jobber anheuern. Ein promovierter Archäologe forschte für einen Euro pro Stunde am Geisteswissenschaftlichen Institut.

Zwischenzeitlich leitete er anstelle seines Professors ein sechsköpfiges Ausgrabungsteam in Äthiopien. Der Billigakademiker sagte der ARD-Sendung Monitor: „Ich habe da ausgesprochen hochqualifizierte Arbeit gemacht.“

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7. Arbeitsamt-Begleiter

Hartz-IV-Empfänger begleiten Hartz-IV-Empfänger zum Arbeitsamt. Klingt merkwürdig – doch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schwerin beauftragte Ein-Euro-Jobber, anderen Hartz-IV-Empfängern beim Gang zum Jobcenter zu helfen. Darüber berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung.

8. Münzschlitz-Berater

So genannte „Fahrgastbetreuer“ in Berlin mussten älteren U-Bahn-Kunden erklären, wie sie die Münzen am besten in den Ticketautomaten werfen. Der Berliner Verkehrsverbund (VBB) stellte die Ein-Euro-Jobber an den Automaten ab, berichtet Bild.de.

9. Taubeneier-Tauscher

Diesen Ein-Euro-Job gab es laut Westdeutscher Zeitung bei der Diakonie-Tochter Renatec: Taubenpfleger durften demnach beispielsweise echte Eier in den Nestern durch Gipseier austauschen. So sollten sich die Tauben weniger stark vermehren.

10. Kadaver-Sammler

Auch zu gefährlichen Arbeiten werden Langzeitarbeitslose herangezogen: Als die Vogelgrippe 2006 auf der Insel Rügen einbrach, packten laut Spiegel.de zehn Ein-Euro-Jobber mit an, um die zahlreichen Kadaver der verendeten Tiere zu bergen. (gs)

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