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Auch wenn sich ein Mitarbeiter im Wutanfall selbst verletzt, muss der Arbeitgeber manchmal weiter Lohn zahlen.

Verrückte Job-Urteile

Verletzt nach Wutanfall - Chef muss zahlen

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Ein Staplerfahrer war wütend auf seinen Vorgesetzten. Er schlug mit der Hand gegen ein Schild - und brach sich die Hand. Laut Gericht muss der Arbeitgeber dem Verletzten trotzdem weiter Lohn zahlen. Das sind die schrägsten Urteile aus dem Arbeitsrecht.

Vor lauter Wut über seinen Vorgesetzten schlug ein Staplerfahrer gegen ein Schild und brach sich die Hand - sein Chef muss ihm aber weiter Lohn zahlen. Wir haben die unglaublichsten Urteile aus der Arbeitswelt gesammelt.

Ein Mann füllte in einem Baumarkt die Waren auf. Bei seiner Arbeit benutzte er einen Gabelstapler, auf den er als Regenschutz ein Plexiglasdach montiert hatte. Als der Sicherheitsbeauftragte das Dach beanstandete, geriet der Beschäftigte in Rage. Mit seiner Faust schlug der Staplerfahrer mehrmals auf ein in der Nähe aufgestelltes Verkaufsschild. Dabei brach er sich die Hand - und sein Chef verweigerte die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: Der Mann habe sich schließlich selbst verletzt. Es ging vor Gericht.

Doch die Frankfurter Richter sahen den Fall anders als der Chef: Verletzt sich ein Mitarbeiter in einem Wutanfall selbst, erhält er während seiner Krankschreibung trotzdem sein Entgelt weiter. Etwas anders gilt nur, wenn er besonders leichtfertig, grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat (Az.: 4 Sa 617/13).

Die Richter sprachen dem Staplerfahrer rund 2662 Euro zu. Um den Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu verlieren, hätte der Angestellte besonders leichtfertig oder vorsätzlich handeln müssen. Das konnte das Landesarbeitsgericht hier jedoch nicht erkennen: Der Beschäftigte habe sich nicht bewusst selbst verletzen wollen. Weiter habe er auch nicht grob fahrlässig gehandelt. Der Mann sei sehr wütend gewesen und habe kurzzeitig die Kontrolle verloren. Das sei nicht zu billigen - seinen Lohn-Anspruch verliere er dadurch aber nicht.

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Ketchup-Tütchen gestohlen - Kündigung

Weil er angeblich sieben Tütchen Ketchup und Mayo (Verkaufswert: 2 Euro) gestohlen hatte, wollte die Fastfood-Kette Burger King einen Mitarbeiter entlassen. Der betroffene Mohamed G., Betriebsratsmitglied in dem Unternehmen, zog 2013 vor das Arbeitsgericht Dortmund und klagte gegen die Kündigung. Das Urteil: Der Mann aus Lünen muss künftig weiter bei Burger King beschäftigt werden.

Die Gewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) hatte die Kündigung von vornherein für ein Ablenkungsmanöver gehalten. Hier solle nur Druck auf den Betriebsrat der Filiale ausgeübt werden, hieß es.

Der Fall erinnerte an die Geschichte der Berliner Kassiererin „Emmely“, der zwei Leergutbons zum Verhängnis wurden. Mitarbeiterin Barbara Emme wurde vorgeworfen, zwei ihr nicht gehörende Flaschenpfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst zu haben. Daraufhin wurde ihr fristlos gekündigt, ohne vorherige Abmahnung.

Durch alle gerichtlichen Instanzen musste die Frau gegen die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ziehen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt erklärte die Kündigung am 10. Juni 2010 für unverhältnismäßig und damit für unwirksam (Az.: 2 AZR 541/09).

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Vier bizarre Urteile rund ums Klo

Der Angestellte eines Finanzamtes arbeitete auch von zu Hause aus. Deshalb wollte er seine Privattoilette steuerlich als „Zweitklo“ abschreiben. Trotz eines vorgelegten „Toiletten-Tagebuchs“ wies das Finanzgericht in Baden-Württemberg die Klage ab (Az.: 9?K 2096/12).

Ein anderer Arbeitgeber, Inhaber einer Anwaltskanzlei, hielt über 14 Tage genau fest, wann und wie lange ein Angestellter die Toilette benutzte. Innerhalb von zwei Wochen kam der Chef auf eine Bilanz von 384 Minuten. Dafür zog er seinem Angestellten 680 Euro vom Gehalt ab. Doch vor Gericht bekam der Angestellte recht, weil er unter Verdauungsproblemen litt (AG Köln, Az.: 6?Ca?3846/09).

Ebenfalls überwacht wurde ein Kundendienstmitarbeiter, der Adressen aus dem Telefonbuch abschreiben sollte: Zur Verrichtung seiner Arbeit schloss man ihn ins Büro ein und er durfte nur vom Betriebsleiter bewachte Klogänge machen. Laut Gerichtsurteil durfte der Betroffene die Arbeit niederlegen und musste vom Arbeitgeber bis zum Ablauf der Kündigungsfrist bezahlt werden (LAG Köln, Az.: 7?Sa?1597/04).

Zu üblen Toiletten-Scherzen kam es auf einer Baustelle: Ein Gerüstbauer schmiss einem Kollegen Feuerwerkskörper ins Dixi-Klo. Das Gericht entschied: Auch wenn solche Streiche auf Baustellen üblich seien, dürfe ihm fristlos gekündigt werden (AG Krefeld, Az.: 2?Ca?2010/12).

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„Unüberwindliche morgendliche Nicht-Erweckbarkeit“

Viele Berufstätige sind Morgenmuffel und kommen in der Frühe schlecht aus dem Bett. Trotzdem ist das keine Entschuldigung dafür, ständig zu spät zur Arbeit zu kommen. Vor Gericht kam ein Arbeitnehmer nicht mit seiner angeblich „unüberwindlichen morgendlichen Nicht-Erweckbarkeit“ durch. Nach eigenen Angaben hörte der Mitarbeiter weder den Wecker noch eine extra angeschaffte Stereoanlage mit 2000 Watt Leistung.

Weil er regelmäßig verschlief, wurden seine Arbeitsverhältnisse immer sofort wieder gekündigt. Nun kämpfte der Mann vor Gericht um seine Erwerbsminderungsrente – und unterlag. Ein Mitarbeiter, der sich auf solche Gründe berufe, müsse sogar eine Streichung seiner Erwerbsminderungsrente hinnehmen, urteilte das Sozialgericht Dresden.

Das Gericht ließ sogar ein neurologisches Gutachten erstellen und ordnete zusätzlich eine Untersuchung des Klägers im Schlaflabor an. Dabei stellte sich heraus: Das angebliche gesundheitliche Problem beruhte tatsächlich auf einem „gestörten Biorhythmus“, das Verschlafen sei „zu späten Zu-Bett-Gehens“ zuzuschreiben. Das rechtfertige keine Rentenzahlung, so die Richter (Az.: S 24 R 1531/07).

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Privatgespräch kann Unfallschutz kosten

Private Telefonate am Arbeitsplatz können den Unfallschutz kosten – das musste ein 45-jähriger Lagerarbeiter aus Wiesbaden 2013 am eigenen Leib erleben. Der Angestellte hatte nach Angaben des hessischen Landessozialgerichts in Darmstadt zwei bis drei Minuten mit seiner Frau am Handy telefoniert. Dabei stand er an einer Laderampe.

Auf dem Weg zurück an seinen Arbeitsplatz in einer Halle blieb er an einem Winkel der Rampe hängen. Er erlitt einen Kreuzbandriss und wollte diesen als Arbeitsunfall anerkennen lassen. Die Berufsgenossenschaft lehnte das ab, der Mann klagte. Doch die Klage wurde abgewiesen.

Laut Urteil bleibt ein gesetzlicher Unfallschutz nur bestehen, wenn private Tätigkeiten im Vorbeigehen oder nebenher erledigt würden. Im konkreten Fall habe sich der Mann mindestens zwanzig Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt und mehrere Minuten telefoniert, so die Richter. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht möglich.

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Ein männlicher Pilot muss seine Mütze tragen

Ein Pilot klagte dagegen, auf dem Flughafen seine Mütze tragen zu müssen. Schließlich täten seine Kolleginnen dies auch nicht. Vor dem Landesarbeitsgericht Köln wurde die Klage jedoch abgewiesen. Begründung: Die Mütze sei Teil der männlichen Dienstbekleidung von Piloten, und nicht Teil der weiblichen (Az.: 5?Sa?549/11).

In einem anderen Fall ging es um die Ankleidezeit: Ein Polizist klagte, weil er das An- und Ausziehen seiner Uniform als Arbeitszeit angerechnet haben wollte. Der Streifenbeamter im Schichtdienst hatte auf die Gutschrift von 15 Minuten pro Schicht gepocht. Doch das wurde vom Verwaltungsgericht Karlsruhe abgelehnt (Az.: 11?K?3998/08): Dienstvorbereitende Maßnahmen wie das Ankleiden hätten vor der Schicht zu erfolgen.

Anders werteten die Richter den Fall einer OP-Schwester, die sich am Arbeitsplatz aus hygienischen Gründen mehrfach umziehen musste: Sie durfte ihre Arbeitskleidung nicht zu Hause anziehen. Deshalb musste ihr das An- und Umkleiden im Betrieb als Arbeitszeit anerkannt werden, urteilte das Bundesarbeitsgericht (Az.: 5 AZR 678/11).

Schwangerschaft ist nicht meldepflichtig

Arbeitgeber dürfen keine Auskunft darüber verlangen, ob eine Bewerberin schwanger ist oder nicht. Sogar, wenn es um befristete Verträge wie bei einer Schwangerschaftsvertretung geht. Der Grund ist, dass den Frauen kein Nachteil entstehen soll. Wird die Schwangerschaftsvertretung ebenfalls schwanger, darf sie nicht aus diesem Grund gekündigt werden, entschied das Landgericht Köln (Az.: 6 Sa 641/12).

Wenn eine Schwangere am Arbeitsplatz klaut, muss das nicht immer eine Kündigung zur Folge haben: In Darmstadt soll eine schwangere Mitarbeiterin ihren Arbeitgeber bestohlen haben: Es handelte sich um drei Produkte aus dem Angebot von McDonalds.

Sie behauptete, das Essen habe ihr zugestanden, das Unternehmen sah das anders und kündigte der Frau. Das Verwaltungsgericht Frankfurt ordnete den Fall als Diebstahl geringwertiger Güter ein und bewertete damit die Kündigung als ungerechtfertigt: Eine Abmahnung sei ausreichend. Außerdem sollten „von schwangeren Arbeitnehmerinnen alle Belastungen ferngehalten werden, die mit einer Kündigung verbunden sind“ (Az.: 7?E?3766/04).

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