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Das sollten Verbraucher über den Wechsel eines Stromanbieters wissen

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Mit einem Wechsel des Stromanbieters lässt sich bares Geld sparen.
Mit einem Wechsel des Stromanbieters lässt sich bares Geld sparen. © dpa

Es ist gar nicht so schwer, den Stromanbieter zu wechseln - und dabei lässt sich bares Geld sparen. Allerdings sollten Sie einige Dinge beachten. Die wichtigsten Fragen und Antworten in der Übersicht.

Von Christina Scholten

Strom ist teuer. Gerade deshalb sollte jeder Verbraucher prüfen, ob sich ein Anbieter- oder Tarifwechsel für ihn lohnt. Das Problem: Viele Menschen wissen überhaupt nicht, wie viel ihr momentaner Tarif kostet. Das hat eine Studie des Beratungsunternehmens Pricewatherouse Coopers (PwC) ergeben. Demnach weiß jeder sechste Befragte nicht, wie hoch seine Stromrechnung ist – unter den Jüngeren steigt die Zahl nochmal. Bei den unter 30-Jährigen kann jeder Dritte keine Angaben über seine Stromkosten machen.

Mehrere hundert Euro pro Jahr Ersparnis bei Anbieterwechsel

Dabei kann ein Anbieter-Wechsel mehrere hundert Euro pro Jahr sparen. So zeigt der „Strom-Report“, ein Verbund von freien Datenjournalisten und Grafikern, dass eine Familie mit einem Stromverbrauch von 5.000 Kilowatt pro Jahr bei einem Anbieter-Wechsel im Schnitt 395 Euro einsparen konnten.

Allerdings ist der Schritt des Wechsels mit Aufwand verbunden, da sich der Verbraucher gut informieren muss. Immerhin gab es 2015 laut Strom-Report mehr als 1105 Stromanbieter und 13000 Stromtarife in Deutschland. Worauf Sie achten sollten und welche Schritte nötig sind, um den besten Stromtarif für Sie zu finden, in der Übersicht.

Wie berechnen die Versorger den Strompreis?

Wer einen Blick auf seine letzte Abrechnung wirft, kann schnell durch die vielen Zahlen überfordert werden. Komplizierte Rechnungen mit Kilowatt-Angaben machen es dem Verbrauchen nicht leicht nachzuvollziehen, was da jetzt eigentlich genau berechnet wird.

Der ?Strom-Report? hat die Strompreiszusammensetzung genauer analysiert und gibt eine Übersicht über die Kosten. Die größten Posten bilden Steuern, Abgaben und Umlagen. Hinzu kommen noch die Kosten für die Produktion des Stromes. Außerdem schlagen die Netznutzungsentgelte (NNE) mit einem Anteil von 24,6 Prozent noch einmal zu Buche.

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von rund 28,69 Cent je Kilowattstunde ergibt sich daraus für einen privaten Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden ein Gesamtpreis von 1148 Euro pro Jahr für Strom.

Es lässt sich wegen der vielen Faktoren nicht seriös berechnen, was etwa ein Anstieg der Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr für einen einzelnen Haushalt bedeutet. Denn die Höhe der Stromrechnung hängt davon ab, wo eine Familie wohnt und welchen Stromanbieter sie wählt.

Warum sind die Strompreise überall unterschiedlich?

Das Stromnetz in Deutschland ist je nach Region in der Hand von mehreren großen „Übertragungsnetzbetreibern“, die sich unter anderem darum kümmern, dass das Netz in Stand gehalten und ausgebaut wird. Die vielen Stromanbieter können das Netz nutzen, um ihre Kunden damit zu beliefern. Dafür müssen sie den Übertragungsnetzbetreibern allerdings die oben genannten Netznutzungsentgelte zahlen, die je nach Übertragungsnetzbetreiber variieren.

Beim Strom verhält es sich also ähnlich wie mit dem Telefonnetz in Deutschland: Die Leitungen werden von der Telekom betrieben, allerdings gibt es auch andere Telefonanbieter. Die nutzen das gleiche Netz und müssen dafür eine Nutzungsgebühr zahlen.

Dass die Angebotsspanne so groß ist, hängt neben dem Netznutzungsentgelt auch von anderen Faktoren wie der Wirtschaftlichkeit der Anbieter ab. So gibt es beispielsweise Stromanbieter, die nur einen Online-Auftritt haben und keine Kunden-Filialen – und somit an dieser Stelle einsparen, um die Preise günstiger zu gestalten. Allerdings ist der Service des Unternehmens dementsprechend minimiert.

Auf der nächsten Seite lesen Sie: So wechseln Sie Ihren Anbieter in fünf Schritten

1. Eigenen Stromverbrauch berechnen

Wer seinen Anbieter oder den Tarif wechseln will, muss sich zuerst über seinen Jahresverbrauch schlau machen. Den finden Sie auf Ihrer letzten Stromabrechnung. Eine durch das Bundesministerium für Umwelt geförderte Initiative bietet im Internet außerdem einen „Strom-Check“ an, bei dem der User seine Daten eingeben kann, um zu sehen, ob er zu viel Strom verbraucht.

2. Preise vergleichen

Um einen Überblick über die Angebote der Stromanbieter zu erhalten, bieten Vergleichsportale im Internet verschiedene Services. Oftmals werden die Verbraucher dort auch mit Boni gelockt, wenn sie über das Portal selbst den Anbieter wechseln. Das kann natürlich eine Kostenersparnis mit sich bringen.

Allerdings, so warnt der Energieexperte der Verbraucherzentrale, Martin Brandis, sollten Nutzer dieser Portale sich die Bedingungen für den Bonus aufmerksam durchlesen, wenn sie diesen in ihren persönlichen Vergleich mit einbeziehen. „Zwei Fälle kommen recht häufig vor: Viele Anbieter knüpfen an ihren Bonus einen Mindeststrom-Verbrauch, auf den der Verbraucher vielleicht nicht kommt. Dann wird der Bonus nicht gewährt. Oder der Bonus ist an eine bestimmte Vertragslaufzeit gekoppelt.“ Wenn der Verbraucher dann früher kündigt, würde er seinen Bonus ebenfalls nicht erhalten.

Dringend empfehlenswert sei es außerdem, sich den Vertrag vor der Unterzeichnung noch einmal durchzulesen. „Manchmal stimmen das Angebot dort nicht mit dem im Portal überein“, weiß Martin Brandis. Die Portale könnten deshalb besser zur Orientierung und zum Preisvergleich genutzt werden, als zum tatsächlichen Anbieter-Wechsel.

3. Sich für einen Anbieter entscheiden

Sie sollten darauf achten, dass Ihr Anbieter Ihnen seriös erscheint. Martin Brandis rät dazu, sich vorher einmal telefonisch mit dem ausgesuchten Anbieter in Verbindung zu setzen. So können Verbraucher den einschätzen, mit was für einem Unternehmen er es zu tun hat und ominöse Schein-Anbieter vermeiden.

Achten Sie außerdem auf die Kündigungsfristen des neuen Anbieters – je kürzer, desto besser. Beim Wechsel auf Öko-Strom sollten Sie darauf achten, dass der Anbieter ein anerkanntes Siegel wie „Grüner Strom“ oder das Gütesiegel des „Tüv“ trägt. Auch eine Vorauskasse sollten Sie meiden.

4. Neuen Vertrag unterschreiben

Wenn Sie einen neuen Stromvertrag unterzeichnen, brauchen Sie einige Informationen:

- Name des alten Anbieters und oftmals den des Netzbetreibers - Ihre alte Kundennummer - Den letzten Jahresverbrauch - Die Zählernummer, die Sie auf Ihrem Stromzähler finden (oder auch im Mietvertrag). Wichtig: Prüfen Sie noch einmal genau, dass es sich um Ihren Zähler handelt, damit Sie nicht zufällig den Strom des Nachbarn bezahlen. - Den Zählerstand sollten Sie auch in jedem Fall fotografieren. Falls es später zu Problemen bei der Abrechnung kommen sollte, können Sie das Bild als Beweismittel vorlegen – oder Sie notieren die Nummer unter den Augen eines Zeugen.

In der Regel müssen Sie Ihren alten Vertrag nicht kündigen, das übernimmt der neue Anbieter, damit es keine Unregelmäßigkeiten im Wechsel gibt. Falls Ihr alter Vertrag allerdings an eine Kündigungsfrist gebunden ist, ist es oft ratsamer, selbst zu kündigen, bevor die Frist verstreicht und sich der Vertrag automatisch verlängert.

Gut zu wissen: Kündigen Stromanbieter aufgrund der steigenden Ökostrom-Umlage und Netzentgelte eine Preiserhöhung an, haben Kunden in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Sie können also ihren Vertrag zum Zeitpunkt der Erhöhung kündigen, ohne dass sie dabei eine Frist einhalten müssen.

5. Zu guter Letzt: Mit dem alten Anbieter abschließen

Wenn der neue Anbieter Sie umgemeldet hat, erhalten Sie ein Kündigungsschreiben und eine Abschlussrechnung vom alten Anbieter. Achten Sie darauf, dass Sie diese auch wirklich bei Ihnen trifft – falls nicht, haken Sie beim neuen Anbieter und beim alten Anbieter nach.

(mit Material der dpa)

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