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Roland Bunzenthal ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.

Kommentar zu Nachhaltigkeits-Fonds

Risiko-k.o.

170 Milliarden Euro lassen sich die Bundesbürger mittlerweile den Schutz in allen Lebenslagen kosten. Doch in Zukunft wird die Konkurrenz härter und die Managementfehler transparenter werden. Von Roland Bunzenthal

Von Roland Bunzenthal

"Solvency II", das klingt wie ein neues Computerspiel, bei dem alle möglichen Feinde abgeschossen werden. Oder es klingt wie ein Brettspiel, bei dem nach Herzenslust spekuliert werden darf. In der Tat hat das geplante neue Regelwerk der Versicherer, das voraussichtlich 2012 eingeführt wird, weitreichende Folgen für das Geschäftsgebaren.

Ähnlich wie Basel II bei den Banken, werden die Karten des optimalen Rendite-Sicherheits-Mix neu gemischt. Versicherer, die mehr riskieren wollen, dürfen das künftig - müssen aber zugleich mit höheren Eigenkapitalanteilen für Verluste geradestehen.

Was war geschehen? Die Wirtschaftskrise traf die Finanzbranche indirekt. Dank ihrer ohnehin schon konservativen Anlagepolitik musste sie bislang kein Krisenopfer beklagen. 2009 schalteten die Vermögensverwalter von Allianz, Axa und Co. noch einen Gang runter: Gut vier Fünftel des beträchtlichen Kapitals ist auf Nummer Sicher - mit entsprechend niedriger Rendite.

Und während standhafte Aktionäre 2009 bereits wieder einen guten Teil ihrer früheren Verluste ausgleichen konnten, dümpelt die Assekuranz knapp über dem Garantiezins von derzeit 2,25 Prozent. "Wir werden auch in Zukunft akzeptable Überschüsse erwirtschaften", sagen Branchenvertreter, "da geben wir Pfandbrief und Siegel darauf."Überschüsse für wen?

Für die Aktionäre des Unternehmens oder für die Versicherten? Derzeit werden im Schnitt 90 Prozent der Kapitalerträge dafür verwendet, den Garantiezins auch tatsächlich zu garantieren. Die Assekuranz gehört zu den wenigen Branchen, die im vergangenen Jahr noch einigermaßen gut zulegen konnten.

170 Milliarden Euro lassen sich die Bundesbürger mittlerweile den Schutz in allen Lebenslagen kosten. Doch in Zukunft wird die Konkurrenz härter und die Managementfehler transparenter werden - nicht zuletzt durch Solvency II. Wer dann nicht ein gutes Konzept für die Zeit der immer schieferen Alterspyramide, einen weitgehend autonomen Vertrieb auf Honorar- statt Provisionsbasis und ein etwas sensibleres Management mit Gefühl für Kundenwünsche und -beschwerden hat, wird möglicherweise die Erfahrung machen, dass auch Versicherer pleite gehen können.

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