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Studenten können auf finanzielle Hilfe hoffen.

Alternativen zum Studienkredit

Rendite nach dem Uni-Abschluss

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In Deutschland ist der Markt für Bildungsfonds überschaubar, hat aber mit der Einführung von Studienkrediten eine neue Dynamik bekommen. Es gibt nur zwei große Anbieter. Von Dorothee Holz

Mit dem Absturz an den Finanzmärkten sind auch viele Illusionen zusammengebrochen. Hat man sich vor noch nicht allzu langer Zeit guten Glaubens auf wohlklingende, vor allem hohe Renditen versprechende Anlagen eingelassen, so ist jetzt der Trend nach höchstmöglicher Sicherheit riesengroß.

Aber es gibt auch Möglichkeiten, sich in der Mitte zu platzieren und damit auch noch etwas gesellschaftlich Wertvolles zu tun - und zwar mit Bildungsfonds. Also Fonds, die bei Anlegern Geld einsammeln, um damit Menschen Geld für ein Studium zur Verfügung zu stellen.

In Deutschland ist der Markt für Bildungsfonds noch überschaubar, hat aber mit der Einführung von Studienkrediten eine neue Dynamik bekommen. Es gibt nur zwei größere Anbieter: Career Concept in München und die Deutsche Bildung in Frankfurt.

Junges Unternehmen

Bei der Deutschen Bildung fiel erst vergangenen Sommer der Startschuss, wurde der erste Fonds aufgelegt, der sich vorwiegend an Privatanleger richtet, die ab einem Betrag von 10 000 Euro dabei sein können. Ein Fonds, der noch wächst, der bis nächsten Sommer zehn bis 20 Millionen Euro schwer sein soll. Damit können zwei- bis dreitausend Studenten gefördert werden.

In Zeiten der Finanzkrise profitieren Bildungsfonds durchaus von ihrem überschaubaren, einfachen Konzept. "Hier wird nichts gehebelt, wir bieten keine Zertifikate an, es ist ein Produkt, das Anleger verstehen können", sagt Deutsche-Bildung-Chef Frank Steinmetz. Die Deutsche Bildung hat bisher 300 Verträge abgeschlossen, könnte aber mehrere tausend Studenten mit dem bisher eingesammelten Kapital fördern.

Während die Deutsche Bildung noch Werbung für sich machen muss, kann sich Career Concept nach eigenen Angaben vor Anfragen kaum retten. "Das Thema Studienfinanzierung ist kein Tabu mehr in Deutschland, wie noch vor ein paar Jahren. Seit der Einführung der Studiengebühren hat sich die Haltung geändert", sagt David Schmutzler, Chef von Career Concept.

Manuel Geuen, der im dritten Semester Pflegemanagement in Fulda studiert, bekommt keine Unterstützung von den Eltern. Bafög war auch nicht drin, so musste er nebenher arbeiten, was zu einer immer größeren Belastung wurde.

Bei Banken hat er nach Krediten gefragt, die Geldhäuser sind aber derzeit sehr zurückhaltend, verlangen hohe Sicherheiten. Dann stieß er auf die Bildungsfonds. Die Kreditwürdigkeit ist dort nicht ausschlaggebend, Bildungsfonds suchen sich ihre Kunden nach anderen Kriterien aus.

Die Deutsche Bildung legt vor allem Wert auf hohe Motivation im Studium, dabei ist die Förderung nicht unbedingt an Top-Noten oder bestimmte Studienfächer gebunden: Den größten Teil der Geförderten machen zwar Wirtschaftswissenschaftler aus, an zweiter Stelle kommen aber schon Sprach- und Kulturwissenschaftler.

Mit der größeren Bandbreite will man Risiken streuen, denn wer hätte gedacht, dass einmal Investmentbanker Probleme haben könnten. Career Concept spricht dagegen ganz offen die Eliten an, weil man sich davon einen größeren Mehrwert verspricht.

Mehr Flexibilität

Das ist wichtig im Hinblick auf die Rendite, die den Anlegern in Aussicht gestellt wird und die jährlich zwischen sechs und sieben Prozent betragen soll. Bei der Deutschen Bildung, die erst seit kurzem im Geschäft ist, müssen sich Anleger bei der Auszahlung noch gedulden.

Geld wird erst ausgeschüttet, wenn die ersten Studenten zurückzahlen. Der Rückzahlungsmodus wird dabei vorher mit den Studenten festgelegt - die Grundlage ist das wahrscheinliche Einkommen.

Man schließt also auch hier eine Wette auf die Zukunft ab. Denn ist das Einkommen besser als erwartet, verdient der Fonds. Er trägt aber auch Risiken, denn wenn der Geförderte unter der vereinbarten Mindesteinkommenssumme liegt, arbeitslos oder berufsunfähig ist, so entgehen dem Fonds geplante Einnahmen.

Manuel Geuen bekommt bis zum Ende des Studiums monatlich 500 Euro. Er hat mit dem Fonds vereinbart, 72 Monate lang gut neun Prozent seines Gehaltes zurückzuzahlen, aber nur wenn er mehr als 1500 Euro im Monat verdient.

Die Rückzahlung beginnt zwei Jahre nach Ende des Studiums, weil er zwischen Studium und Arbeit noch Praktika einschieben will. Er ist sich darüber im Klaren, dass er je nach Einkommen mehr zurückzahlen muss als für einen Studienkredit, aber die Flexibilität ist ihm das wert. Die Fonds nennen das Solidarprinzip: Derjenige, der mehr verdient, gleicht denjenigen aus, der weniger verdient.

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