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Nicht Unfälle, sondern Krankheiten sind die weitaus häufigste Ursache für Invalidität im Kindes- und Jugendalter.

Fiese Klauseln

Police für den Dreikäsehoch

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Nicht Unfälle, sondern Krankheiten sind die weitaus häufigste Ursache für Invalidität im Kindes- und Jugendalter. Finanztest warnt vor "fiesen Klauseln" bei Versicherungen. Von Stephan Börnecke

Wer sein Kind versichern will, denkt häufig an eine Unfallversicherung. Doch die, zeigt Finanztest auf, wird kaum in Anspruch genommen. Denn Unfälle spielen bei einer Schwerbehinderung von Kindern kaum eine Rolle - nur 0,45 Prozent der Fälle hat einen Unfall als Hintergrund.

Um die wesentlichen Risiken abzudecken, zu denen eine schwere Krankheit gehört, ist eine Kinderinvaliditätsversicherung viel sinnvoller. Doch die kostet auch: 300 bis 500 Euro sind im Jahr zu bezahlen, viel Geld für die meisten Eltern. Wer, um sie bezahlen zu können, deshalb den Musikunterricht, die Nachhilfe oder die Klassenreise streichen muss, sollte sie besser nicht abschließen, meint Finanztest. Stattdessen sollte man das Geld den Kindern direkt zugute kommen lassen.

Immerhin ist statistisch gesehen eins von 100 Kindern schwerbehindert. Etwa ein Drittel kam mit einer angeboren Behinderung zur Welt, die meisten anderen sind nach einer schweren Erkrankung nicht mehr richtig gesund geworden. Die besten Policen sorgen in diesem Fall mit einer monatlichen und lebenslangen Rente von 1000 Euro für die Grundsicherung des behinderten Menschens - plus, in manchen Fällen, einer kleinen zusätzlichen Auszahlung. Die Rente, meint Finanztest, sei einer Einmalzahlung von beispielsweise 100.000 Euro vorzuziehen, da sie über ein Leben verteilt viel mehr einbringt. Versicherungen mit Kapitalleistung sind denn auch billiger, im günstigsten Fall kosten sie nur 89 Euro. Auch hier gibt es einen Vorteil: Der Betrag, einmal gezahlt, wird auch dann nicht zurückgefordert, wenn das Kind später wieder gesund wird. Die Rente hingegen wird in diesem Fall gestoppt.

Finanztest warnt vor "fiesen Klauseln", gemeint sind Ausschlussgründe. Sie hören sich manchmal kurios an. So haben Versicherungen Invalidität infolge der Beteiligung an Raumfahrten ausgeschlossen. Arg kann es aber werden, weil einige Versicherer auch Neurosen oder Persönlichkeitsstörungen ausgeschlossen haben. Gerade aber Störungen der geistigen Entwicklung gehören zu den häufigsten Ursachen einer Schwerbehinderung im Kinder- und Jugendalter.

Behinderungen infolge angeborener Krankheiten dürfen die Versicherer hingegen nicht mehr ausschließen, das wurde höchstrichterlich auch für Altverträge aus der Welt geschafft. Allerdings gilt: Je früher ein Vertrag abgeschlossen wird, desto besser. Denn sobald ein Krankheitsverdacht auftaucht, kann dies dazu führen, dass das Kind keine Versicherung mehr bekommt. Denn bei Abschluss der Versicherung müssen die Eltern alles angeben, was sie über den Gesundheitszustand ihres Kindes wissen und auch Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Passiert ein Fehler, kann die Leistung später verweigert oder gekürzt werden. Verschweigen Eltern eine Erkrankung, können die Versicherungen auch vom Vertrag zurücktreten.

In einem zweiten Teil, der am kommenden Montag an dieser Stelle erscheint, geht es um weitere Versicherungen für Kinder.

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