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Dient vor allem als Showroom für Fernsehsender: Der große Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt.

Unternehmensanleihen

Der Parketthandel wird überflüssig

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Seit Dezember können auch Unternehmensanleihen auf der elektronischen Börse Xetra gehandelt werden. Die Plattform soll den möglichst "besten Kurs" aufzeigen. Von Michael Braun

Laut sagt es keiner, aber viele ahnen wohl, dass die Deutsche Börse den Parketthandel im ehrwürdigen Gebäude der Industrie- und Handelskammer abschaffen will. Im Handelssaal, vor dem "Bulle und Bär" auf dem Börsenplatz stehen, wurden im November Geschäfte über 5,9 Milliarden Euro abgewickelt. Das waren nicht mehr als gut sechs Prozent aller Umsätze. Den großen Rest vereinigte die elektronische Börse namens Xetra auf sich.

Auf dieser Plattform werden seit Anfang Dezember nun auch Unternehmensanleihen gehandelt. Damit hat das Parkett seine letzte Domäne verloren, nachdem bereits seit Oktober weniger liquide Aktien parallel auf dem Parkett und auf Xetra gehandelt werden können. Das Angebot richtet sich an Privatanleger, deren Banken die Stücke bisher auf dem Parkett kauften oder auch an anderen deutschen Regionalbörsen, vornehmlich in Stuttgart. Auf Xetra soll nun möglichst viel Angebot und möglichst viel Nachfrage zusammengeführt werden, um den "besten Kurs" zu ermöglichen und damit möglichst kleine Kursdifferenzen zwischen Kauf- und Verkaufskurs.

Noch sind es nicht viele Pfandbriefe, Kommunalobligationen und Unternehmensanleihen, die über Xetra gehandelt werden können. Die Börse hat sich in einem ersten Schritt die 700 liquidesten von insgesamt rund 25000 handelbaren Anleihen ausgesucht. Das Angebot werde angenommen. Für den Anfang seien die Umsätze "recht ordentlich", meint Rainer Petz, Händler für festverzinsliche Anleihen bei Close Brothers Seydler.

Diese Wertpapierhandelsbank ist neben ICF Kursmakler und der Steubing AG einer der drei sogenannten Spezialisten in dem Geschäft. Sie müssen auch in schwierigen Handelssituationen, wenn Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen, Kurse stellen und damit Handel ermöglichen. Der Anleihehandel auf Xetra ist also ein "betreuter Handel", ähnlich wie auf dem Parkett, wo die sogenannten Skontroführer notfalls die Kurse stellen. Deren Zahl ist aber deutlich größer. Die drei Xetra-Spezialisten sagen, das sei ein Nachteil. Je weniger Vermittler agierten, umso enger könne man zusammenarbeiten, und damit marktfähigen Kursen am nächsten kommen.

Dem Handel unter Banken macht das neue Angebot der Deutschen Börse keine Konkurrenz. Der findet auf anderen Plattformen wie etwa Bloomberg statt. Dafür zahlen die Banken eine monatliche oder jährliche Gebühr und können die Terminals dann so intensiv nutzen, wie sie wollen. Anders als bei Xetra oder auf dem Parkett fallen keine Stückkosten je gehandeltem Papier an. Wohl aber will die Deutsche Börse ausländische Privatanleger oder kleinere Fonds auf die Xetra-Plattform ziehen. Über die Skontroführer auf dem Parkett könnten nur etwa 40 internationale Händler erreicht werden. Das Xetra-System dagegen, so prahlt die Deutsche Börse, stehe in 19 Ländern und 250 Handelshäusern mit knapp 5000 angeschlossenen Terminals.

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