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Was Mitarbeitern in der Pause zusteht

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Ob Mitarbeiter in der Pause an ihrem Arbeitsplatz bleiben oder nicht, ist allein ihre Sache.
Ob Mitarbeiter in der Pause an ihrem Arbeitsplatz bleiben oder nicht, ist allein ihre Sache. © dpa-tmn

Dauert der Arbeitstag sechs Stunden oder länger, dürfen Arbeitnehmer eine Pause machen. Jedoch gönnen sich viele die Auszeit nicht, was zum Teil am Arbeitgeber liegt. Dauer, Gestaltung oder Versicherung: Diese Pausenregeln sollten Sie kennen.

Darf ich in der Mittagspause das Betriebsgelände verlassen? Stehen mir als Raucher Extra-Auszeiten zu? Beim Thema Pause ergeben sich immer wieder Fragen - hier sind die wichtigsten Antworten für Arbeitnehmer.

Wie lange Pausen stehen Mitarbeitern zu?

Bei einem Arbeitstag mit einer Dauer von sechs bis neun Stunden haben Beschäftigte einen Anspruch auf mindestens 30 Minuten Pause, erläutert Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. Bei mehr als neun Stunden sind es 45 Minuten. Dabei müssen Angestellte die Pause spätestens nach sechs Stunden nehmen.

Ist das in einem Betrieb nicht möglich, ist darin ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz zu sehen. Arbeitnehmer sollten sich dann an den Betriebsrat wenden oder, falls dies ebenso erfolglos bleibt wie eine Beschwerde beim Arbeitgeber, gegebenenfalls an die Aufsichtsbehörde.

Können Mitarbeiter frei bestimmen, wann sie ihre Pause nehmen?

Das Direktionsrecht liege beim Arbeitgeber. Er bestimmt, wann Mitarbeiter ihre Auszeit nehmen. Allerdings muss er sich an die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes halten.

Dürfen Raucher zwischendurch eine Pause machen?

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Raucherpause gibt es nicht, sagt Oberthür. Wer ab und an vor die Tür treten möchte, um zu rauchen, müsse das mit dem Arbeitgeber im Einzelfall aushandeln.

Kann der Chef die Gestaltung der Mittagspause vorschreiben?

Nein, erklärt Oberthür. Ob Arbeitnehmer in der Pause Sport treiben oder essen gehen, ist allein ihre Sache. Auch darf der Arbeitgeber ihnen nicht untersagen, den Arbeitsplatz oder das Betriebsgelände zu verlassen. Macht er es dennoch, können Beschäftigte sich an den Betriebsrat wenden. Es sei allein die Entscheidung der Arbeitnehmer, wie sie ihre freie Zeit verbringen wollen, sagt Oberthür.

Bin ich in der Pausenzeit versichert?

Haben Arbeitnehmer in der Mittagspause einen Unfall, sind sie in der Regel nicht gesetzlich unfallversichert. Darauf weist Anwältin Oberthür hin. Denn Arbeitnehmer gingen in der Pause rechtlich gesehen „eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten“ nach. Sie essen oder machen einen kurzen Spaziergang um den Block. Weil diese Tätigkeiten nicht direkt etwas mit der Arbeit zu tun haben, seien sie dann auch nicht versichert.

Etwas anderes kann allerdings gelten, wenn sich in der Pause eine „besondere Betriebsgefahr realisiert“. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Angestellte nur deshalb in die Pause gehen, weil es am Arbeitsplatz sehr heiß ist, weil die Klimaanlage nicht funktioniert. Das hätten sie üblicherweise nicht gemacht - der Unfall wird also der Arbeit zugerechnet und ist deshalb versichert. In so einem Einzelfall könne der Versicherungsschutz also doch greifen, erläutert Oberthür.

Wann der Versicherungsschutz in der Mittagspause gilt, kann sich sogar von einer Minute zur anderen ändern, betont die Rechtsanwältin: So sei das Mittagessen in der Kantine zwar nicht versichert - der Weg dahin aber schon.

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Warum sind Auszeiten so wichtig?

Mehr als jeder Dritte Arbeitnehmer gibt in einer Verdi-Umfrage an, selbst lieber durchzuarbeiten. Doch Erholungsphasen, erläutert Arbeitspsychologin Andrea Lohmann-Haislah, lassen sich nicht aufschieben. Wer durcharbeitet, um schneller in den Feierabend zu kommen, kann dann oft nur noch schlaff auf dem Sofa liegen. Je länger die Erholung aufgeschoben werde, desto größer sei die Erschöpfung, warnen Arbeitsschützer. Ihr Rat: „Kürzer, dafür öfter Pause machen.“

Wie sieht die ideale Pause aus?

Unter Umständen könnten schon Mikropausen von einer Minute oder weniger helfen, den Stress zu reduzieren, sagt Lohmann-Haislah. In der Regel seien Kurzpausen von fünf Minuten pro Stunde zu empfehlen. Nicht immer muss es dabei an die frische Luft gehen, auch ein Gang zum Drucker oder das Gespräch mit einem Kollegen zählt. Wichtig sei der Belastungswechsel, der Unterschied zur vorherigen Tätigkeit.

Wer Spaß an seinem Job hat, merkt allerdings oft nicht, dass eine Pause nötig wäre. „Wenn man die Müdigkeit spürt, ist es oft schon zu spät“, sagt Arbeitspsychologin Lohmann-Haislah. Ihre Lösung: Handywecker stellen - und sich zu regelmäßigen Pausen zwingen.

Werden aufgezwungene Pausen bezahlt?

Wer längere Auszeiten als gesetzlich vorgesehen machen muss, hat für diese Zeit Anspruch auf Bezahlung. Unter Umständen müssen Mitarbeiter es allerdings hinnehmen, wenn sie die Länge der Pause erst mit deren Beginn erfahren. Das zeigt ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (Az.: 7 Sa 261/12). In dem verhandelten Fall hatte ein Flughafenmitarbeiter geklagt.

Der Arbeitgeber legte Pausen immer kurzfristig fest, um flexibel auf das Passagieraufkommen reagieren zu können. Manchmal dauerten die Auszeiten länger als gesetzlich vorgeschrieben. Der Mitarbeiter war der Auffassung, bei den als „breaks“ beschriebenen Auszeiten handele es sich grundsätzlich nicht um Ruhezeiten - und verlangte dafür Bezahlung.

Vor Gericht hatte er nur teilweise Erfolg. Die „breaks“ seien Arbeitsunterbrechungen - unabhängig davon, wie sie nun bezeichnet werden. Dafür sei auch nicht erforderlich, dass die Pausen zu Beginn des Arbeitstags festgelegt werden. Allerdings könne er Bezahlung für die Zeit verlangen, die über die gesetzlich vorgeschriebene Länge hinausgeht. (dpa/gs)

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