+
Die sinkenden Garantiezinsen machen den Neuabschluss einer Lebensversicherung zusehends unrentabel. Aber es gibt Alternativen - zum Beispiel Spareinlagen.

Lebensversicherung

Kündigung der Police ist selten sinnvoll

Den Lebensversicherungen geht es weiter an den Kragen: Erneut sollen künftig die Garantiezinsen sinken. Verbraucherschützer stehen den Produkten sehr skeptisch gegenüber. Aber sollten Kunden ihre alten Verträge kündigen?

Millionen Lebensversicherungen bestehen in Deutschland. Seit Generationen entscheiden sich viele Verbraucher für diesen Klassiker der Altersvorsorge. Doch die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten erschweren das Geschäft. Seit Jahren sinkt der Garantiezins - und es könnte bald weiter abwärts gehen: Das Bundesfinanzministerium prüft eine entsprechende Anregung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Was Versicherungsnehmer deshalb jetzt wissen sollten:

Wie funktioniert eine Lebensversicherung?

Es gibt verschiedene Arten von Lebensversicherungen. Eine Risikolebensversicherung dient der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen bei Todesfällen. Die Kapitallebensversicherung dient dagegen zugleich auch der Altersvorsorge. Es gibt eine Anspar- und eine Auszahlungsphase. Wird Letztere erreicht wird, schüttet der Versicherer die vorher vom Kunden regelmäßig eingezahlten Beiträge aus. Für viele Kapitallebensversicherungen werden nach Ende der Ansparphase eine bestimmte Summe und bestimmte regelmäßige Zahlungen garantiert.

Was ist der Garantiezins?

Viele Verbraucher entschieden sich traditionell auch deshalb für Kapitallebensversicherungen, weil die Anbieter für das eingezahlte Kapital praktisch eine Art von Mindestverzinsung garantieren: den sogenannten Höchstrechnungszins, umgangssprachlich Garantiezins genannt. Dieser wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Aktuell beläuft er sich auf 1,75 Prozent. Früher lag der Satz deutlich höher. Wer etwa in den 90er Jahren eine Lebensversicherung abschloss, erhielt teils vier Prozent.

Warum sinkt der Garantiezins?

Seit 2000 geht es mit dem Zinssatz bergab. Der Grund: Versicherer müssen die Gelder ihrer Kunden in krisensicheren Anlageformen, etwa Anleihen von Staaten mit sehr hoher Bonität, anlegen. Die Renditen dafür sind seit Jahren aber extrem niedrig. Die Unternehmen haben Probleme, so die Zinsen zu erwirtschaften.

#textline

Deshalb regt der DAV, ein Zusammenschluss von Versicherungsmathematikern, nun an, den Garantiezins ab 2015 weiter zu senken - auf 1,25 Prozent. Ob es so kommt, ist aber unklar. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält den Schritt für „übereilt“. Entscheiden muss das Bundesfinanzministerium.

Was bedeutet das niedrige Zinsniveau konkret für Lebensversicherungen?

Bei Lebensversicherungen mit Garantiezins bildet dieser nur einen Teil der Gesamtverzinsung, welche die Versicherer zahlen. Dazu kommen noch zusätzliche Renditen, wenn Versicherer das Geld der Versicherten besonders gut anlegen. Da die Zinsen für Anleihen krisenfester Staaten aber zurückgehen, schrumpfen generell sowohl Garantiezins als auch Überschussbeteiligungen.

#article

Zu beachten ist außerdem, dass Bestandskunden von Senkungen des Garantiezinses nicht betroffen sind. Darauf weisen DAV und GDV hin. Maßgeblich für dessen Höhe seien die bei Vertragsabschluss jeweils geltenden Konditionen, sie gälten dann für die gesamte Laufzeit. Eine Ausnahme bildet nach Angaben des Bunds der Versicherten (BdV) ein spezielles Produkt der Allianz namens „Perspektive“. Es erlaubt aufgrund der Ausgestaltung der Vertragsbedingungen eine Senkung.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Versicherer sagen ja: Weil sie durch niedrigere Garantiezinsen weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und für eine Mindestverzinsung zurücklegen müssen, könnten sie höhere Risiken eingehen - und damit auch für die Versicherten höhere Gesamt-Renditen erwirtschaften.

#gallery

Verbraucherschützer aber stehen klassischen Lebensversicherungen inzwischen skeptisch gegenüber. Ihrer Meinung nach fließt mittlerweile zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten sowie den Risikoanteil, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibt. Für den BdV wäre eine neuerliche Garantiezinssenkung sogar das Ende des derzeitigen Systems.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Eventuelle zukünftige Garantiezinssenkungen betreffen, wie erwähnt, bei klassischen Versicherungen zunächst nur Neuverträge. Zudem ist besonders bei Altverträgen, die schon vor 2005 abgeschlossen wurden, zu beachten, dass sie bei der Auszahlung im Alter noch steuerfrei sind, sofern der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat. Kunden sollten laut Verbraucherschützern auch bedenken, dass die Kündigung eines laufenden Vertrags immer mit Verlusten verbunden ist. (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion