Haarausfall statt Strähnen: Schmerzensgeld

Friseurbesuch mit fatalen Folgen: Erst wurden die Haare von Susanne Risse gelb und bekamen orangene Tupfer - dann fielen ...

Arnsberg. Friseurbesuch mit fatalen Folgen: Erst wurden die Haare von Susanne Risse gelb und bekamen orangene Tupfer - dann fielen sie ganz aus. Ein Gericht sprach der 46-Jährigen für die missglückte Haarfärbung jetzt 3000 Euro Schmerzensgeld zu.

Mittlerweile kann Susanne Risse wieder lachen. Die 46-Jährige hatte nach einem Friseurbesuch vor zwei Jahren einen Teil ihrer Haare verloren und tagelang unter Schmerzen gelitten. Dafür sprach ihr die Zivilkammer des Landgerichtes in Arnsberg am Dienstag (26. Oktober) 3000 Euro Schmerzensgeld zu.

Die 46-Jährige hatte im Oktober 2008 mehrere Stunden in der Arnsberger Filiale der Düsseldorfer Friseur-Kette Essanelle verbracht, um sich ihre teilweise ergrauten dunklen Haare blondieren zu lassen. "Danach hatte ich gelbe Haare mit orangen Tupfen", sagte sie. Doch schlimmer waren die Schmerzen, die sie erlitt, als ihr die Friseurin am Ende der Sitzung das Blondiermittel in die Kopfhaut massierte. "So muss man sich fühlen, wenn man skalpiert wird", sagte Risse. Tage später fielen ihr büschelweise Haare aus, die Kopfhaut war entzündet und gereizt.

Ein Gutachter bescheinigte eine "toxische Reaktion der Kopfhaut" wegen einer Fehlbehandlung mit dem Blondiermittel. "Die Haare waren bis in die Wurzel vergiftet", sagte Risse. Ihre Ärztin verschrieb ihr Cortison. Die Frisur der 46-Jährigen war nicht zu retten, sechs Monate musste sie eine Perücke tragen. "Das darf nicht passieren, das tut uns sehr leid", sagte Essanelle-Personalvorstand Dirk Wiethölter. Mit dem Schmerzensgeld sei dem Schaden der Kundin nun Rechnung getragen worden. Bei insgesamt sieben Millionen Kunden jährlich sei ein derartiger Fall aber eine ganz seltene Ausnahme, betonte Wiethölter.

Die Friseurmeisterin, der das Missgeschick passiert war, hatte selber unter dem Vorfall gelitten. "Als ich später in den Laden kam und sie meinen Kopf sah, ist sie in Tränen ausgebrochen. Da musste ich sie trösten", sagte Risse. Der Frau macht sie keinen Vorwurf. Allerdings ist sie sauer, dass sie zwei Jahre um ein angemessenes Schmerzensgeld kämpfen musste, weil sich die Versicherung des Unternehmens quergestellt habe.

"Das ist meines Wissens das zweithöchste Schmerzensgeld, das bisher nach einem missglückten Friseurbesuch ausgeurteilt wurde", sagte Risses Anwalt Martin Schubert. 2009 habe das Landgericht in Coburg einer Kundin 5000 Euro zugesprochen, weil auf einer fünf mal fünf Zentimeter großen Stelle keine Haare mehr gewachsen seien.

Susanne Risse hat sich ihre mittlerweile wieder gewachsenen Haare von einem anderen Friseur blondieren lassen. "Ich wollte nicht grau rumlaufen", sagte sie. Vielleicht hätte sie ihren Schmerzensgeld-Anspruch schneller durchsetzen können, wenn sie vor zwei Jahren Fotos gemacht hätte. "Das kann ich nur jedem in einer solchen Situation raten: Bilder machen, auch wenn man sich selber dann ja gar nicht sehen mag." (dpa)

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