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Was bekommt wer? Weil diese Frage schwer zu beantworten ist, scheuen manche vor einem Testament zurück. Andere Erblasser gehen das Ganze dafür sehr kreativ an.

Jesus erbt alles

Fünfzehn wirklich ungewöhnliche Testamente

Shakespeare hinterließ seiner Gattin nur das „zweitbeste Bett“, ein US-Komiker sorgte mit seinem letzten Willen dafür, dass seine Frau nach seinem Tod jeden Tag eine rote Rose bekam. So unterschiedlich und verrückt können Testamente sein.

Mit dem Verfassen eines Testaments tun sich viele Menschen schwer. Etwa 75 Prozent der Deutschen hinterlassen kein Testament – und lösen so Streit unter den Hinterbliebenen aus, erklärt Rechtsanwalt Gerhard Ruby. Dabei hilft manchmal schon ein bisschen Phantasie, um den letzten Willen aufzusetzen. Fünfzehn kuriose Nachlässe, von denen man sich inspirieren lassen kann (oder in manchen Fällen auch besser nicht):

1. Täglich eine rote Rose

Der legendäre US-Komiker Jack Benny hinterließ eine ungewöhnliche, aber berührende Anweisung, als er im Jahr 1974 starb. „Jeden Tag, seitdem Jack gegangen ist, hat der Blumenhändler eine langstielige rote Rose zu mir nach Hause geliefert“, schrieb seine Witwe Mary Livingstone in einem Magazin, kurz nach seinem Tod. „Ich erfuhr, dass Jack tatsächlich eine Provision für die Blumen in seinem Testament festgelegt hatte. Eine rote Rose sollte mir jeden Tag für den Rest meines Lebens geliefert werden.“

2. Für fruchtbare Frauen

Ein wohlhabender Anwalt aus Toronto, Charles Vance Millar, hinterließ im Jahr 1926 seine Villa und sein Vermögen der Frau aus Toronto, die in den zehn Jahren nach seinem Tod die meisten Kinder zur Welt brachte.

3. Ein durchzechtes Wochenende

Wir alle wollen, dass unsere Freunde auf uns trinken, wenn wir tot sind. Roger Brown ging dabei auf Nummer sicher. Der 67-jährige Brite starb 2013 an Prostatakrebs und vermachte sieben seiner engsten Freunde 3500 britische Pfund (rund 4800 Euro) unter der Bedingung, dass sie das Geld für ein feuchtfröhliches Wochenende in einer europäischen Stadt ausgeben sollten.

„Wir möchten uns ausdrücklich bei Rogers Söhnen Sam und Jack entschuldigen, dafür dass wir ihnen etwas von ihrer Erbschaft wegnahmen“, sagte der Begünstigte Roger Rees zur South Wales Evening Post, nachdem die Freunde ein Wochenende in Berlin verbracht hatten. „Wir haben das meiste Geld für Bier ausgegeben, den Rest haben wir verschwendet.“

4. Das „zweitbeste Bett“

Arme Anne Hathaway: Die Frau des Dichtergenies Shakespeare wurde noch aus dem Grab heraus von ihrem Gatten beleidigt. In seinem Testament vermachte ihr Shakespeare sein „zweitbestes Bett“, während der überwiegende Teil seines Nachlasses an seine Tochter Susanna ging.

5. Alles für Jesus

1977 hinterließ der Brite Ernest Digweed 26.000 Pfund für Jesus. Auszuzahlen sei das Geld aber erst, wenn Gottes Sohn auf die Erde zurückkehre – und seine Identität beweisen könne.

6. Hund erbt 12 Millionen Dollar

Hotelierserbin Leona Helmsley gab klare Anweisungen, wie ihr Vermögen in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar verwendet werden sollte. Ursprünglich wollte sie es den Armen vermachen, dann entschied sie sich doch für ihren Hund. Die neun Jahre alte Malteserhündin „Trouble“ (deutsch: „Ärger“) erhielt 12 Millionen Dollar. Helmsleys vier Enkelkinder gingen zur Hälfte leer aus, die anderen beiden erhielten den Anteil nur, wenn sie jährlich das Grab ihres Vaters besuchten.

„Troubles“ Erbe wurde später von einem Richter auf 2 Millionen Dollar zusammengestrichen – trotzdem musste der Hund aufgrund von Todesdrohungen und Kidnapping-Gefahr abtauchen.

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7. Blumen für Sidmouth

Als Selfmade-Millionär Keith Owen mit 69 die Diagnose Krebs erhielt und nur noch wenige Wochen zu leben hatte, entschied sich der Kanadier, seine gesamten 2,3 Millionen Pfund (etwa 3,1 Millionen Euro) seinem britischen Lieblings-Urlaubsort, Sidmouth in Devon, zu spenden.

Das Geld wurde an eine Stiftung überwiesen, mit der Maßgabe, einen Teil davon in eine Million Blumenzwiebeln zu investieren. Damit sollte die Küstenstadt mit bunten Blumen überflutet werden. Owens letzter Wille schreibt außerdem vor, dass etwa 125.000 Pfund jährlich in die Erhaltung der Stadt und zwei nahe gelegene Dörfer gesteckt werden.

8. Ein neuer Ehemann

Für verbitterte Ehegatten ist ein Testament die letzte Chance, es ihrem Lebenspartner noch einmal heimzuzahlen. So soll der deutsche Dichter Heinrich Heine sein gesamtes Vermögen seiner Frau vermacht haben – allerdings nur unter der Bedingung, dass sie wieder heirate, damit es „wenigstens einen Mann gibt, der meinen Tod bedauert“.

9. Piloten bevorzugt

Hensley Nankivell aus England bestand in seinem Testament 1987 darauf, dass jeder Verwandte, der einen Anspruch auf sein 400.000 Pfund teures Anwesen erheben wollte, zuerst einen Pilotenschein machen musste.

10. Frau für den homosexuellen Sohn

US-Geschäftsmann Frank Mandelbaum starb 2007 – er hatte einen 180.000 Dollar schweren Treuhandfonds für seine Enkelkinder vorgesehen. Allerdings gab es eine spezielle Klausel im Testament, die seinen Sohn Robert betraf. Roberts Kind würde nur einen Anteil erben, wenn Robert dessen Mutter innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt heiraten würde. Einziges Problem: Robert ist homosexuell und zieht seinen Sohn Cooper gemeinsam mit seinem Ehemann groß.

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11. Erben aus dem Telefonbuch

Unglaublich, aber wahr: Der portugiesische Adelige Luis Carlos de Noronha Cabral da Camara vermachte sein beträchtliches Vermögen 70 Fremden, die nach dem Zufallsprinzip aus einem Telefonbuch von Lissabon ausgewählt wurden. „Ich dachte, es sei eine Art grausamer Scherz“, sagte eine 70-jährige Zufalls-Erbin Portugals Zeitung „Sol“. „Ich hatte noch nie von dem Mann gehört.“

12. Asche im Fußballtor

Der Brite Sid Tricket schoss 1948 angeblich bei einem einzigen Spiel elf Tore auf dem Platz des Torrington Football Clubs. Sein letzter Wille 1982 war, dass seine Asche im Torraum verstreut würde.

13. Berühmter Totenschädel

1955 vermachte Juan Potomachi umgerechnet 30.000 Pfund an das Theater „Teatro Dramatico“ in Buenos Aires. Ausgezahlt werden sollte das Erbe aber nur, wenn sein Totenschädel in allen künftigen „Hamlet“-Produktionen mitspielen durfte.

14. Ausgehverbot

Der britische Zahnarzt Philip Grundy vererbte 1974 seiner Zahnarzthelferin Amelia White 181.000 Pfund. Dafür sollte sie fünf Jahre weder mit Männern ausgehen, noch Make-up oder Schmuck tragen.

15. Rauchen, bitte

Seine Frau ließ ihn nie rauchen. Deshalb vermachte der Brite Samuel Bratt im Jahr 1960 seiner Gattin 330.000 Pfund unter der Bedingung, dass sie jeden Tag fünf Zigarren rauchte.

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