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Von wegen leere Wartezimmer: Bisher mussten Patienten mancherorts lange auf einen Facharzttermin warten.
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Von wegen leere Wartezimmer: Bisher mussten Patienten mancherorts lange auf einen Facharzttermin warten.

Neues Gesetz

Facharzttermin in vier Wochen – was Patienten zusteht

  • VonGesa Schölgens
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Nie wieder länger als vier Wochen auf den Termin beim Facharzt warten – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich hat das Reformgesetz der Bundesregierung einige Macken. Was Patienten über die neuen Terminservicestellen wissen müssen.

„Den nächsten freien Termin gibt es leider frühestens in drei Monaten“ – bei bestimmten Fachärzten mussten gesetzlich versicherte Patienten bisher lange Wartezeiten erdulden. Ab diesem Jahr soll sich das ändern. Das sind wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Gesundheits-Gesetz:

Was genau bedeutet die neue Vorschrift für mich als Patienten?

Nach der neuen Regel soll Patienten innerhalb einer Woche ein Behandlungstermin in zumutbarer Entfernung vermittelt werden, der innerhalb der nächsten vier Wochen stattfindet. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sind verpflichtet, ab dem 23. Januar 2016 eine entsprechende Terminservicestelle zur Verfügung zu stellen, etwa in Form eines Callcenters oder auf einer Webseite. Voraussetzung für die Patienten ist, dass sie eine als dringlich gekennzeichnete Überweisung haben!

Kontakt zur Terminservicestelle in Hessen: (0 69) 40 05 00 00, besetzt vom 25. Januar 2016 an, montags bis donnerstags 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr.

Bekomme ich künftig den Termin bei meinem Wunsch-Arzt?

Nein, dafür gibt es keine Garantie. „Patienten, die sich bei der Terminservicestelle melden, bekommen einen Termin beim Facharzt, der ihnen zugewiesen wird“, sagt Christiane Grote, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das bedeute, dass die Patienten eine gewisse Strecke in Kauf nehmen müssen.

Als zumutbare Entfernung gilt laut Rahmenvertrag zwischen Krankenkassen und KV etwa die Wegstrecke von der Wohnung zum nächstgelegenen Facharzt – plus 30 Minuten Wegstrecke mit dem öffentlichen Nahverkehr. Bei stark nachgefragten und spezialisierten Fachrichtungen wie Radiologie kann die zumutbare Wegstrecke sogar noch länger sein. Auch „ein Anspruch auf Terminvermittlung zu einer bestimmten Wunschzeit besteht nicht“, heißt es in einem KV-Infoblatt.

Was passiert, wenn ich NICHT innerhalb von vier Wochen einen Termin bekomme?

Zunächst einmal gilt: „Für Bagatellfälle ist kein Facharzttermin innerhalb von vier Wochen nötig“, sagt Christiane Grote von der Verbraucherzentrale. Bei Routineuntersuchungen hätten Patienten keinen Anspruch auf eine schnelle Behandlung. Anders sieht es beispielsweise aus, wenn dringend ein MRT gemacht werden muss: Gibt es keinen Termin innerhalb der Vier-Wochen-Frist bei den Fachärzten in der Umgebung, dürfen sich die Betroffenen ambulant im Krankenhaus behandeln lassen.

Allerdings brauchen die Patienten immer eine Überweisung vom Hausarzt oder von einem anderen Facharzt, wenn sie ihren Anspruch auf den Termin durchsetzen wollen. Ausnahmen: Für Augenärzte und Frauenärzte ist keine Überweisung notwendig.

„Wenn ein Versicherter Probleme mit einer Terminservicestelle hat, empfehlen wir ihm, sich an seine Krankenkassen zu wenden“, sagt Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands.

Wie stellen die Fachärzte sicher, dass die Vier-Wochen-Frist eingehalten wird?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben die Fachärzte aufgefordert, freie Kapazitäten bei den Sprechstundenzeiten zu melden. Diese freien Termine werden dann an die Patienten vermittelt. Ist eine Terminvermittlung innerhalb der Vier-Wochen-Frist in zumutbarer Entfernung nicht möglich, haben die Patienten Anspruch auf die ambulante Behandlung im Krankenhaus. Diese Behandlungskosten gehen dann zulasten der niedergelassenen Fachärzte, ihrer gesamten Fachgruppe drohen also Honorareinbußen.

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Haben die Fachärzte künftig weniger Zeit pro Patient?

Ob die Ärzte künftig Überstunden machen, mehr Personal einstellen oder bei den Patienten Zeit einsparen, muss sich erst zeigen. „Sicherlich werden sie einiges daran setzen, ein Abwandern von Patienten zu verhindern“, so die Einschätzung von Verbraucherschützerin Grote. Der Anreiz ist das Geld: „Wir tun alles, um die Honorarabflüsse in Richtung Krankenhäuser so gering wie möglich zu halten“, heißt es beispielsweise seitens der KV Berlin.

Gibt es bestimmte Fachärzte, die es besonders schwer haben werden mit der Einhaltung der Wartezeiten?

Das ist sicherlich abhängig von der Region. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe erwartet etwa Engpässe besonders für Augenärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologen, Nervenärzte, Psychiater, Orthopäden, Pneumologen, Kardiologen sowie Radiologen mit MRT und Rheumatologen. Laborärzte und Pathologen seien von der Terminvergabe über die Servicestelle ausgenommen. 

Ist das neue Gesetz für Patienten sinnvoll?

Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland sind sich sicher: Für Kassenpatienten wird sich durch die Reform kaum etwas ändern. Nach ihrer Einschätzung werden die meisten Praxen keine zusätzlichen Termine für die Servicestellen anbieten können, geht aus einer Ärzteumfrage hervor, für die der Hamburger Ärztenachrichtendienste insgesamt 10.000 Ärzte angeschrieben hatte. Im Vorfeld hatten sich die Ärzte massiv gegen die zentrale Terminvergabe gewehrt.

Verbraucherschützer bewerten die neue Vorschrift positiv: „Den Patientinnen und Patienten gibt diese Regelung Sicherheit“, sagt Grote. Schwer Kranke müssten künftig nicht mehr unzumutbar lange auf einen Termin warten. Jetzt stehe es ihnen rechtlich zu, zeitnah behandelt zu werden – „ohne dass sie selbst Druck machen müssen.“

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