Die ersten Schritte aus der Schuldenfalle

Ob selbstständig, angestellt oder arbeitslos: Die meisten Schuldner suchen erst dann professionelle Hilfe, wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht. Dabei könnte man durch rechtzeitige Beratung viel schneller aus der Notlage kommen.

Köln. Ob selbstständig, angestellt oder arbeitslos: Die meisten Schuldner suchen erst dann professionelle Hilfe, wenn der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht. Dabei könnte man durch rechtzeitige Beratung viel schneller aus der Notlage kommen.

Eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg legt nahe, dass sich die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland in diesem Jahr erstmals seit 2007 wieder erhöhen könnte. Ein weiteres Ergebnis lautet: Wer rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, könnte drei Jahre schneller aus der Notlage kommen. Der Weg in die Beratungsstelle ist dafür die Grundlage.

Als erste Stufe verschaffen sich Berater und Schuldner dort gemeinsam einen Überblick über die finanzielle Lage, erklärt Franziska Matschke vom gemeinnützigen Verein Schuldnerhilfe Köln. Wichtig dafür sind nach Gläubiger und Aktualität sortierte Unterlagen. "Geschlossene Briefe öffnen wir gemeinsam. Wir erklären den Schuldnern, wer der Absender ist - ob es sich um einen Rechtsanwalt oder ein Inkassobüro handelt." Auch eine Schufa-Selbstauskunft einzuholen empfiehlt die Beraterin.

Anschließend erstellen die Experten mit dem Verbraucher eine Gläubigerliste, geordnet nach den sogenannten Ursprungsgläubigern. Ist der Schuldner zum Beispiel bei einem Versandhandel verschuldet und hat dieses Unternehmen ein Inkassobüro mit seinen Forderungen beauftragt, dann gehören diese Forderungen zusammen. Auch sei es wichtig zu erfahren, ob es schon einen Vollstreckungsbescheid gibt.

In einem Haushaltsbuch müssen die Schuldner ihre Einnahmen und Ausgaben aufführen. "Bei Hartz-IV-Empfängern verzichten wir darauf, weil sich von dem Geld nichts einsparen lässt", erläutert Matschke. Aber bei vielen Erwerbstätigen lasse sich anhand der Kontoauszüge feststellen, ob sie zum Beispiel zu viele Versicherungen besitzen. Dann ist Sparpotenzial vorhanden.

Ein erstes Ziel sei es, den Kontostand auf Null zu bringen. Ebenso erläutern Berater und Betroffene gemeinsam das Für und Wider eines Verbraucherinsolvenzverfahrens. Wer nicht will, dass vor Gericht das Auto oder die Lebensversicherung verwertet wird, versucht, sich mit den Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Dabei wird auch darauf geachtet, dass die vertraglich vereinbarten Ratenzahlungen flexibel sind, fügt Matschke hinzu. Der Zeitraum sollte die gesetzliche Laufzeit eines Verbraucherinsolvenzverfahrens - rund sechs Jahre - nicht übersteigen.

Ein erstes Beratungsgespräch mit dem Schuldner dauert rund 30 Minuten. Das Begleiten bis zum Insolvenzantrag, aber auch die außergerichtlichen Verhandlungen nehmen dann zwischen fünf und acht Treffen in einem Zeitraum von bis zu einem Jahr in Anspruch, sagt Matschke. Die Beratungsstellen stellen auch Musterbriefe, zum Beispiel zu einer Stundungsbitte, zur Verfügung. Sie müssten dann nur noch unterschrieben und an die Gläubiger verschickt werden.

Die Bundesweite Telefonhilfe für Schuldner ist unter der Rufnummer 0180/4564564 (20 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz) erreichbar. Einige Vereine sind auch auf konkrete Bereiche wie die Sanierungsberatung bei gescheiterten Baufinanzierungen spezialisiert. (dpa/tmn)

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