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Verheiratet, fünf Kinder? Alleinerziehend? Solche Angaben müssen in der Regel nicht im Lebenslauf stehen.

Lebenslauf, Job-Interview

Dürfen Bewerberinnen ihre Kinder verheimlichen?

Berufstätige Mütter werden am Arbeitsmarkt noch immer diskriminiert. Das geht oft schon im Bewerbungsprozess los. Ist es also besser, die Kinder zu verschweigen? Oder drohen rechtliche Konsequenzen, wenn der Arbeitgeber es herausfindet?

Es sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, dass jegliche Diskriminierung verboten ist – allerdings kommt sie immer noch vor. Beispielsweise werden Frauen wegen einer Schwangerschaft im Job diskriminiert.

Nicht so präsent in den Köpfen ist, dass viele Mütter von kleinen oder größeren Kindern bereits bei der Jobsuche und den damit verbundenen Bewerbungen bzw. Vorstellungsgesprächen mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben – bis hin zu einer schwerwiegenden Diskriminierung.

Im Job zu beachten: das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Das AGG trat am 18. August 2006 in Kraft. Es dient dazu, die Antidiskriminierungsrichtlinien der Europäischen Kommission in Deutschland umzusetzen. Ziel des AGG ist es, allen Arbeitnehmern und Bewerbern dieselbe Chance zu geben. Es sollen Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindert oder beseitigt werden. Der Familienstand ist aber gerade nicht explizit genannt.

Fest steht: Im beruflichen Bereich müssen Arbeitgeber bei einer Stellenausschreibung, im Bewerbungsverfahren und auch während des bestehenden Arbeitsverhältnisses immer die Vorgaben des AGG berücksichtigen.

Frauen haben immer noch Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Frauen heutzutage sind gut ausgebildet, hoch qualifiziert und ebenso motiviert: Sie wollen nach der Elternzeit gerne wieder zurück in den Beruf. Allerdings ist dieses Vorhaben oft leichter gesagt als getan.

Viele Firmen, einschließlich der Personalverantwortlichen, sind der Meinung, dass Frauen mit Kindern ein Risiko darstellen. Schließlich sind sie zeitlich weniger flexibel, haben während der Elternzeit den Anschluss an den Fortschritt in den jeweiligen Branchen verpasst und fallen, nach Ansicht vieler Arbeitgeber, aufgrund von Erkrankungen ihrer Kinder häufiger aus.

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So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Frauen nach der Elternzeit zwar wieder bei ihrem alten Arbeitgeber arbeiten, allerdings nicht mehr in ihrer alten Position. Dabei ist zu beachten: Diese neuen Jobs haben häufig nicht nur ein niedrigeres Tätigkeitsniveau, sondern sind auch noch schlechter bezahlt, außerdem bestehen oft geringere Aufstiegschancen.

Ein weiteres Problem, das Mütter auf dem Arbeitsmarkt haben, ist, dass es im Vergleich zu Vollzeitstellen nur wenige Teilzeitstellen gibt. Aber auch Stellen mit flexiblen Arbeitszeiten, mit der Möglichkeit von Arbeitszeitkonten oder mit Jobsharing gibt es noch zu selten, was den Wiedereinstieg ins Berufsleben ebenfalls erschwert.

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Dürfen Mütter ihr Kind in Bewerbungsunterlagen verheimlichen?

Nachdem sich inzwischen herumgesprochen hat, dass Bewerbungen von Müttern aufgrund von Angaben von Kindern im Lebenslauf häufiger aussortiert werden, stellen sich viele arbeitssuchende Mütter die Frage: Sind sie gesetzlich verpflichtet, Angaben zu persönlichen Daten zu machen?

• Der Lebenslauf in einer Bewerbung sollte grundsätzlich lückenlose Angaben zum beruflichen Werdegang beinhalten, da dies für den Personalverantwortlichen die wichtigsten Information über die Bewerberin sind.

• Angaben zu Familienstand und Kindern sind private Angaben und müssen aus rechtlicher Sicht nicht im Lebenslauf angegeben werden. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Sind diese Angaben stellenrelevant bzw. werden sie explizit in der Stellenanzeige gefordert, so müssen sie auch gemacht werden.

• Zu beachten ist außerdem, dass in Folge der Nichtangabe von Kindern der zukünftige Arbeitgeber davon ausgeht, dass tatsächlich keine Kinder vorhanden sind und es später daher auch keine Probleme mit Kindern oder deren Betreuung gibt.

Im Vorstellungsgespräch sollten Kinder angegeben werden

Findet schließlich ein Bewerbungsgespräch statt, so sollten Kinder in jedem Fall erwähnt werden, insbesondere aber dann, wenn der Arbeitgeber explizit danach fragt. In diesem Fall können etwaige Missverständnisse oder offene Fragen in Bezug auf die Kinder, beispielsweise wie deren Betreuung gewährleistet ist, im persönlichen Gespräch ausgeräumt werden.

Grundsätzlich ist dieses Vorgehen die bessere Alternative, schließlich erfährt der neue Arbeitgeber spätestens durch die Angaben zur Lohnsteuerklasse bzw. zu den Kinderfreibeträgen von den tatsächlichen privaten Verhältnissen der Bewerberin.

Erfolgt keine wahrheitsgemäße Angabe und kommt die Wahrheit dennoch ans Licht, so fühlt sich der Arbeitgeber zu Recht massiv getäuscht. In diesem Fall kann er einen Arbeitsvertrag, der durch eine Lüge erschwindelt wurde, durch eine Kündigung in der Probezeit innerhalb von zwei Wochen und ohne Angaben von Gründen beenden.

Wie kann sich eine Frau gegen eine Diskriminierung wehren?

Wurde im Bewerbungsverfahren tatsächlich gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, so stellt sich zunächst einmal die Frage, welche Folgen das hat. Die diskriminierte Frau hat gegen den handelnden Arbeitgeber die durch das AGG festgelegten Rechtsansprüche. Allerdings kann ein solcher Anspruch nur dann geltend gemacht werden, wenn sich die Frau ernsthaft beworben hat und für die zu besetzende Stelle auch tatsächlich qualifiziert ist.

Sie hat keinen Anspruch auf Einstellung, sondern lediglich einen Entschädigungsanspruch, der sich auf höchstens drei Monatsgehälter nach § 15 Abs. 2 AGG beschränkt, wenn die Bewerberin auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden wäre.

Außerdem ist zu beachten, dass dieser Anspruch innerhalb einer Frist von zwei Wochen geltend gemacht werden muss, bei Bewerbungen beginnt die Frist mit dem Zugang der Ablehnung.

Will die Frau wegen der Benachteiligung schließlich Klage auf Entschädigung im Sinne des § 15 AGG erheben, so muss diese Klage innerhalb von drei Monaten erhoben werden, nachdem der Anspruch schriftlich geltend gemacht worden ist.

Gastautorin Gabriele Weintz ist Wirtschaftsjuristin LL.B. und Redakteurin bei anwalt.de.

(Bearbeitung: gs)

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