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Im kommenden Jahr müssen sich Bürger und Verbraucher in Deutschland auf einige Änderungen einstellen, vom Briefporto bis zum Kindergeld.

Von Steuer bis Stromkosten

Diese Änderungen sind 2016 für uns wichtig

Neben einer Reihe von guten Vorsätzen kündigen sich zum Jahreswechsel immer auch diverse Neuerungen an. Wer sie kennt, profitiert vielleicht von Erhöhungen und Freibeträgen oder erspart sich unnötigen Ärger. Was Verbraucher wissen müssen.

Im neuen Jahr tut sich einiges: Überweisungen sind nur noch mit der IBAN möglich. Kindergeld, Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag steigen, und vieles mehr. Was sich ab 1. Januar 2016 alles im Bereich Steuern und Finanzen ändert – ein Überblick:

Lohnsteuer-Freibeträge gelten länger

Steuerpflichtige mussten Freibeträge für den Lohnsteuerabzug bisher jedes Jahr neu beantragen. Das ist bald nicht mehr nötig, denn ab 2016 gelten Freibeträge zwei Jahre lang. Wer also einen Freibetrag ab dem 1. Januar eingetragen hat, kann davon bis Ende 2017 profitieren, erklärt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wichtig zu beachten: „Ändert sich innerhalb der zwei Jahre etwas, muss der Steuerpflichtige das dem zuständigen Finanzamt sofort mitteilen“, sagt Winkelmann. Wenn sich etwa die Werbungskosten des Arbeitnehmers verringern, weil sich durch einen Umzug der Arbeitsweg verkürzt hat, ist das meldepflichtig.

Altersvorsorge wirkt sich steuermindernd aus

Ausgaben für die Altersvorsorge wirken sich steuermindernd aus. Der Fiskus erkennt bisher 80 Prozent der Aufwendungen an – ab 2016 wirken sich bis zu 82 Prozent steuermindernd aus. Das bedeutet: Steuerpflichtige können dann bis zu 18 669 Euro steuerlich geltend machen. Bei Ehepaaren werden Aufwendungen in einer Höhe von bis zu 37.338 Euro als Sonderausgaben berücksichtigt.

„Wer für das Alter vorsorgt, kann einen Höchstbetrag von 22.767 Euro als Sonderausgaben beim Finanzamt angeben“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Doch Vorsicht: Zahlen Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung ein, wird der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Aufwendungen abgezogen.

Ab 2016 verändert sich auch die Rentenbesteuerung: Der steuerpflichtige Anteil steigt für Neurentner von 70 auf 72 Prozent. Damit sind für sie nur noch 28 Prozent der Rente steuerfrei.

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Krankenversicherungsbeiträge steigen

Die Versicherten etlicher gesetzlichen Krankenkassen müssen 2016 höhere Beiträge bezahlen, weil der sogenannte Zusatzbeitrag steigen wird. Er wird sich zum Jahreswechsel auf im Schnitt 1,1 Prozent erhöhen. Es sind aber nicht alle Kassen betroffen, auch die Höhe des Aufschlags können die Kassen mit Blick auf ihre ökonomischen Situation jeweils selbst festlegen. Die Aufsichtsgremien vieler Kassen werden erst im Laufe des Dezembers entscheiden.

Grund- und Kinderfreibetrag steigen

Ab dem 1. Januar müssen Ledige erst Einkommen von mehr als 8652 Euro versteuern. „Der Grundfreibetrag steigt um 180 Euro“, sagt Isabel Klocke. Gemeinsam veranlagte Ehepaaren müssen erst Einkommensteuer zahlen, wenn sie mehr als 17.304 Euro verdienen.

„Wer nur geringe Einkünfte hat, muss keine Steuererklärung abgeben“, sagt Klocke. Die Einkommensgrenze liegt hier bei 11.000 Euro bei Alleinstehenden beziehungsweise 20.900 Euro bei Ehepaaren.

Die Bundesregierung hat für das Jahr 2016 auch den Kinderfreibetrag um 48 Euro angehoben. „Der steuerfreie Teil des Einkommens steigt damit auf 2304 Euro pro Kind und Elternteil“, erklärt Klocke.

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Mehr Kindergeld, Steuer-ID nötig

Auch das Kindergeld steigt im kommenden Jahr um zwei Euro. Wer es beziehen will, muss ab 2016 aber eindeutig identifizierbar sein – die Familienkassen brauchen dafür die Steuer-Identifikationsnummer (Steuer-ID) des Kindergeldbeziehers sowie der Kinder. Das gilt unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes.

Falls die Angaben nicht vorliegen, werden Eltern im Laufe des Jahres angeschrieben. „Sie müssen also erst tätig werden, wenn sie eine entsprechende Aufforderung von der Familienkasse erhalten haben“, sagt Frauke Wille von der Bundesagentur für Arbeit. „Das Kindergeld zahlt die Familienkasse weiterhin, auch wenn Eltern die Daten erst im Laufe des Jahres schriftlich nachreichen“, erklärt Wille.

Keine Freistellungsaufträge ohne Steuer-ID

Auch die Banken brauchen ab dem 1. Januar die Steuer-ID ihrer Kunden. Denn andernfalls verlieren Freistellungsaufträge ihre Gültigkeit. Fehlen die Angaben, müssen Kunden aber keinen neuen Antrag stellen. „Es reicht, wenn sie der Bank ihre Steuer-ID nennen“, sagt Tanja Beller vom Bankenverband. Bei Gemeinschaftskonten gilt: Die Nummer müssen beide Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern mitteilen.

In vielen Fällen kennen die Banken die Steuer-ID schon. Denn seit 2011 muss sie auf neuen Anträgen verbindlich angegeben werden. Für Kapitalerträge liegt der Steuersatz bei 25 Prozent zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Beträge in einer Höhe von bis zu 801 Euro pro Jahr sind steuerfrei, wenn Anleger bei ihrer Bank einen entsprechenden Freistellungsauftrag stellen. Für Ehepaare liegen die freigestellten Beträge bei 1602 Euro pro Jahr.

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Ab Februar gilt nur noch IBAN

Kontonummer und Bankleitzahl haben bald endgültig ausgedient. Privatpersonen müssen ab 1. Februar die IBAN (International Bank Account Number) verwenden. Darauf weist der Bundesverband deutscher Banken hin. Diese Verpflichtung bestand für Unternehmen und Vereine schon länger. Indirekt bleiben die Bankleitzahl und die Kontonummer den Kunden aber erhalten – als Teil der 22-stelligen IBAN-Nummer folgen die Angaben nach der Länderkennung „DE“ und einer zweistelligen Prüfnummer.

„Verbraucher finden die IBAN-Nummer auf ihren Kontoauszügen, im Online-Banking oder auf ihrer girocard“, sagt Beller. Da die IBAN innerhalb der Eurozone als Kundenkennung verbindlich gilt, brauchen Kunden die BIC (Bank Identifier Code) ab Februar nicht mehr. Ausnahme: Sie müssen die BIC angeben, wenn sie Geld außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums überweisen.

Mehr Geld für Rentner

Ruheständler können sich am 1. Juli voraussichtlich auf eine deutliche Rentenerhöhung freuen. Die Bundesregierung erwartet eine Anhebung um 4,3 Prozent im Westen und 5,0 Prozent im Osten. Die endgültige Berechnung erfolgt aber erst im Frühjahr.

Mehr Bafög

Schüler, Studenten und Auszubildenden, die Bafög beziehen, können ab dem Beginn des Schuljahres 2016, beziehungsweise ab dem Wintersemester 2016/2017 ebenfalls mit mehr Geld rechnen. Die Bedarfssätze werden um sieben Prozent angehoben. Ein Student mit eigener Wohnung kann dann 735 statt bislang 670 Euro erhalten.

Kleines Hartz-IV-Plus

Bescheidener fällt das Plus an anderer Stelle aus: Die Hartz IV-Sätze werden ab dem 1. Januar um 3 bis 5 Euro angehoben. 

Mehr Wohngeld

Das Wohngeld für Geringverdiener steigt im kommenden Jahr deutlich an. Im Durchschnitt bekommen Wohngeldbezieher ab dem 1. Januar 39 Prozent mehr. Zugleich gelten künftig höhere Einkommensgrenzen. Die Höhe des Wohngelds richtet sich vor allem nach dem Wohnort. In Ballungsräumen soll der staatliche Zuschuss stärker steigen als in strukturschwachen Regionen mit niedrigeren Mieten. Ob Wohngeld bewilligt wird, hängt von der Höhe des Haushaltseinkommens ab. Für einen Zwei-Personen-Haushalt steigt das Wohngeld im Durchschnitt von 112 auf 186 Euro.

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Teurerer Strom, billigeres Gas

Ab Januar werden nach den Informationen großer Vergleichsportale zahlreiche Stromanbieter ihre Preise erhöhen. Im Schnitt sollen bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden pro Jahr 43 Euro mehr fällig werden (plus 2,9 Prozent). Freuen können sich Gaskunden: Viele Versorgen senken ihre Preise zum 1. Januar, und zwar im Schnitt um 4,5 Prozent.

Höheres Brief-Porto

Zum Jahreswechsel erhöht die Deutsche Post das Porto für Standardbriefe von 62 auf 70 Cent, Zusatzleistungen etwa für Einschreiben und Maxibriefe werden ebenfalls teurer. Das Porto für Postkarten sowie Groß- und Kompaktbriefe im Inland bleibt aber gleich.

Leichtere Rückgabe von Elektrogeräten

Gesetzliche Neuregelungen verpflichten Elektronikmarktketten und andere größere Fachhändler ab 24. Juli, ausrangierte Elektro- und Elektronikgeräte von Verbrauchern zurückzunehmen, um die Entsorgung zu vereinfachen. Auch Online-Händler müssen entsprechende Möglichkeiten anbieten. Kleinere Geräte müssen in jedem Fall angenommen werden, größere Artikel wie Kühlschränke nur beim Kauf eines neuen.

Telefonieren wird günstiger

Ab 30. April 2016 wird das Telefonieren und Surfen im europäischen Ausland billiger. Es treten EU-Vorschriften in Kraft, die die Höhe der Roaming-Gebühren begrenzen. Anbieter dürfen für Verbindungen im Ausland dann zusätzlich zum Heimtarif höchstens fünf Cent pro Minute bei Telefonaten sowie zwei Cent pro SMS fordern. Bei Internetnutzung ist der Roaming-Aufschlag auf fünf Cent pro Megabyte begrenzt. Hinzu kommt jeweils noch die Mehrwertsteuer.

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Nährwertangaben werden Pflicht

Zum 13. Dezember 2016 enden alle Übergangsfristen zur Einführung der neuen EU-Lebensmittelkennzeichnungsverordnung. Alle Waren, die verpackt verkauft werden, müssen dann zwingend Angaben zum Nährwert tragen – also Informationen über ihren Energie-, Fett-, Zucker- oder Salzgehalt. Nur alkoholische Getränke bleiben ausgenommen. Die meisten Hersteller praktizieren die Kennzeichnung schon.

Termingarantie beim Facharzt

Gesetzlich Krankenversicherte haben nach dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz einen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt. Bei Problemen sollen ab dem 23. Januar neu eingerichtete Termin-Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen. Vorgesehen ist, dass sie innerhalb einer Woche einen Termin beim Orthopäden oder Neurologen besorgen. Die Wartezeit darf vier Wochen nicht überschreiten.

Gelingt das nicht, muss die Servicestelle dem Patienten eine Untersuchung in einem Krankenhaus ermöglichen. „In unterversorgten Gebieten kann das sinnvoll sein. Es wird sich aber noch zeigen müssen, ob das wirklich funktioniert“, sagt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale NRW. Ausgenommen sind Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen. 

Zweite ärztliche Meinung

Bei bestimmten, planbaren Eingriffen haben Patienten ab dem 1. Januar 2016 einen gesetzlichen Anspruch auf eine unabhängige, ärztliche Zweitmeinung. Das soll vor allem Krankheitsbilder betreffen, bei denen die Gefahr einer unnötigen Operation besteht, wie die Verbraucherzentrale NRW betont. (gs, mit Agenturmaterial)

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