Deutsche sparen im Aufschwung weiter

Die Deutschen sparen im Aufschwung wieder mehr. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres legten sie stolze 93,1 Milliarden ...

Frankfurt/Main. Die Deutschen sparen im Aufschwung wieder mehr. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres legten sie stolze 93,1 Milliarden Euro auf die hohe Kante, wie das Statistische Bundesamt am Freitag (29. Oktober) zum Weltspartag (30. Oktober) berichtete.

Im Schnitt sparten die Deutschen 190 Euro pro Monat und Bürger, 10 Euro mehr als in der ersten Hälfte des Krisenjahrs 2009. Die Sparquote stieg damit innerhalb eines Jahres um 0,3 Punkte auf 11,5 Prozent - ein vergleichsweise hoher Wert, der in der Vergangenheit häufig zu internationaler Kritik führte. Mit einem stärkeren Binnenkonsum - so die These - könnten die Deutschen selbst ihren Außenhandelsüberschuss reduzieren.

Dabei verhielten sich die Menschen ökonomisch vernünftig, sagt der Finanz-Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. Zentral sei wegen der ungünstigen demografischen Entwicklung die Altersvorsorge: "Sparen bedeutet nur eine zeitliche Verschiebung des Konsums."

Er beobachte aber, dass längst nicht mehr alle Leute vorsorgten. Die hohe Sparquote werde durch die Vermögenden verzerrt, erklärt Faust. Im Schnitt hat jeder Deutsche fast 52 500 Euro auf der hohen Kante, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) errechnet hat. Viele Bürger sind nach Fausts Einschätzung aber gar nicht mehr in der Lage, etwas beiseitezulegen. Zudem gebe es zu wenig staatliche Sparanreize für Kleinverdiener: "Die eigentlich wirklich sparen müssten, tun es nicht."

Dies wird durch eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank bestätigt: Demnach kann nicht einmal die Hälfte (41,1 Prozent) jeden Monat etwas zur Seite legen. Gut ein Viertel (27,2 Prozent) spart unregelmäßig, zum Beispiel das Weihnachtsgeld oder eine Steuerrückzahlung. Und 16 Prozent können überhaupt nichts sparen.

Nach Ansicht der Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (helaba), Gertrud Traud, wird der Einfluss der Sparquote auf die Binnennachfrage überschätzt. "Wichtiger ist die Entwicklung der Nettolohn- und Gehaltssumme." Und die gehe derzeit wegen der Rekordbeschäftigung und steigender Reallöhne nach oben.

Wohin Konsum ohne vorherigen Verzicht führt, haben die US-Amerikaner in der Hypothekenkrise gemerkt. Die OECD erwartet dort für 2010 eine eine erheblich gesteigerte Sparquote von etwa sechs Prozent. Das wäre dann gut die Hälfte deutscher Sparsamkeit. Spar- Weltmeister sind aber ohnehin die Chinesen, die wegen fehlender sozialer Sicherung rund ein Drittel ihrer Einkünfte zunächst für sich behalten. (dpa)

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