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Börse in Frankfurt.

Studie

Deutsche mögen keine Aktien mehr

Das Sparen mit Aktien ist so unpopulär wie schon lange nicht mehr. Das Deutsche Aktieninstitut lässt die Daten mit Hilfe von 30.000 Anlegern ermitteln - und ist alarmiert. Von Bernd Salzmann

Von BERND SALZMANN

Das Sparen mit Aktien ist so unpopulär wie schon lange nicht mehr. Im zweiten Halbjahr 2008 verkauften mehr als eine Million Anleger ihre Wertpapiere. Besonders die Besitzer von Aktienfonds gaben ihre Titel scharenweise zurück. In Deutschland gibt es nun nicht einmal mehr 8,8 Millionen Aktionäre - während des Aktienbooms 2001 waren es in der Spitze fast 13 Millionen.

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das die Daten mit Hilfe von Infratest bei 30.000 Anlegern ermittelt hat, ist alarmiert. "Die seit Jahren rückläufige Aktienakzeptanz breiter Bevölkerungsschichten entwickelt sich zu einem gravierenden Problem", sagte Rüdiger von Rosen, der Geschäftsführende Vorstand der Aktien-Lobby.

Franz-Josef Leven, den Direktor des DAI, beunruhigt besonders der Rückgang von Belegschaftsaktionären um 11,5 Prozent auf nur noch 885.000. In der Spitze, 1998, waren es einmal 1,7 Millionen. Das sei "aus vermögenspolitischer Sicht dramatisch", sagt Leven. Das Institut empfiehlt die Aktienanlage als auf lange Sicht attraktivste Möglichkeit, ein Vermögen aufzubauen.

Das Aktieninstitut befürchtet offenbar, dass der Negativ-Trend anhalten könnte. " Neben der aktuellen Vertrauenskrise sind vor allem die steuer- und gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen als nicht aktienfreundlich anzusehen", beklagt DAI-Chef Rosen. Mit Einführung der Abgeltungsteuer werde die Aktie steuerlich "erheblich diskriminiert", meint er.

Von diesem Jahr an werden Kursgewinne, die rund zwei Drittel der Aktienerträge ausmachen und die bei einer Haltefrist von mehr als einem Jahr bislang einkommensteuerfrei waren, unabhängig von der Haltedauer der Aktien oder Fondsanteile wie alle anderen Kapitalerträge einheitlich mit 25 Prozent besteuert.

Gleichzeitig wurde das Halbeinkünfteverfahren ersatzlos abgeschafft, das bislang die Vorbelastung der Aktienerträge mit Körperschaftsteuer kompensierte. Allerdings wurden zuletzt auch die Unternehmen entlastet, was letztlich auch dem Aktionär zugute kommen dürfte.

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