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Was Sie beim Steuerbescheid beachten müssen

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Von: Gesa Schölgens

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Das Finanzamt schickt Ihnen den Steuerbescheid und Sie sind froh, dass Sie keine Steuern nachzahlen müssen? Oder Sie bekommen eine Rückzahlung, die aber geringer ausfällt als von Ihnen erwartet? Die meisten unternehmen in solchen Fällen nichts. Das könnte allerdings ein teurer Fehler sein.
Das Finanzamt schickt Ihnen den Steuerbescheid und Sie sind froh, dass Sie keine Steuern nachzahlen müssen? Oder Sie bekommen eine Rückzahlung, die aber geringer ausfällt als von Ihnen erwartet? Die meisten unternehmen in solchen Fällen nichts. Das könnte allerdings ein teurer Fehler sein. © dpa

Endlich liegt der Steuerbescheid im Briefkasten – manche Steuerzahler freuen sich über Erstattungen, anderen drohen Nachzahlungen. Aber auch dem Finanzamt unterlaufen Fehler. Verbraucher sollten den Bescheid deshalb genau kontrollieren.

Mit Erhalt des Steuerbescheids gilt für viele Steuerzahler der Papierkram als abgeschlossen. Allerdings sollte der Bescheid nicht einfach abgeheftet werden. Besser ist es, den Brief vom Finanzamt genau zu lesen, da stets Fehler auftreten können. Fällt die Erstattung beispielsweise geringer aus als gedacht oder ist eventuell eine Nachzahlung fällig, lohnt es sich, die Angaben nochmals zu prüfen.

Welche Fehler passieren besonders häufig?

„Einer der häufigsten Steuerfehler ist es, Ausgaben zu vergessen“, erklärt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH). Beiträge zum Beispiel für die Riester- oder Rürup-Rente könnten Arbeitnehmer von der Steuer absetzen. Weil genau das beim Abschluss dieser Verträge meist als Verkaufsargument genannt wird, ist es vielen Bürgern bekannt – aber nicht bewusst. „Aus der Praxis wissen wir, dass Steuerzahler oft vergessen, ihre Riester- und Rürup-Kosten in der Steuererklärung anzugeben“, so der VHL.

Neben der Richtigkeit der allgemeinen Angaben – wie Finanzamt, Steuernummer, Steueridentifikationsnummer sowie Namen und Anschrift – sollten laut dem Bund der Steuerzahler auch die Besteuerungsgrundlagen, also Einnahmen, Ausgaben, Werbungskosten und Gewinn, kontrolliert werden. Es kann hier zu Eingabefehlern oder Zahlendrehern kommen. Einige Fehler deckt man ganz einfach durch einen Abgleich der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers mit den Angaben aus dem Steuerbescheid auf.

Außerdem sollten Steuerzahler darauf achten, ob vielleicht Aufwendungen nicht angerechnet wurden, weil die entsprechenden Belege fehlten. Aufpasssen sollte man bei Handwerkerleistungen oder haushaltsnahen Dienstleistungen: Steuerzahler bleiben voll auf den Kosten sitzen, wenn sie das Geld für solche Dienste bar bezahlen. „Da hilft es auch nichts, die Rechnungen aufzuheben – ohne Kontonachweis keine Steuervorteile“, erklärt der Lohnsteuerhilfeverein.

Werden Abweichungen vom Finanzamt erklärt?

Ist das Finanzamt von den Angaben abgewichen, sollte dazu ein Hinweis im Bescheid enthalten sein. Ist keine Erklärung aufgeführt, sollte man die Behörde um Aufklärung bitten, empfiehlt der Bund der Steuerzahler.

Was bedeuten Vermerke im Bescheid?

Im Hinblick auf verfassungsrechtlich umstrittene Fragen enthalten die Steuerbescheide sogenannte Vorläufigkeitsvermerke. Sie weisen darauf hin, dass der Sachverhalt noch Gegenstand von Gerichtsverfahren ist. In den genannten Punkten wird der Steuerbescheid nicht bestandskräftig. Ein Einspruch ist nicht erforderlich – Steuerzahler sollten aber darauf achten, dass der für sie relevante Vermerk im Steuerbescheid aufgeführt wird.

Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht auf seiner Internetseite eine Liste mit allen aktuellen Vorläufigkeitsvermerken.

Kann ich Fehler nachträglich berichtigen?

Durch einen Einspruch können mögliche Fehler berichtigt oder Änderungen bewirkt werden. Dies gilt auch, wenn der Steuerzahler selbst einen Fehler gemacht hat. Hat er etwa vergessen, bestimmte Aufwendungen, beispielsweise für typische Berufsbekleidung geltend zu machen, so er kann dies im Nachhinein berichtigen. Ein weiterer, sehr aktueller Steuerfehler ist es laut Lohnsteuerhilfeverein VLH, außergewöhnliche Belastungen nicht anzugeben.

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Wie lange muss man auf den Steuerbescheid warten?

Im Durchschnitt beträgt der Zeitraum von der Abgabe der Steuererklärung bis zum Steuerbescheid etwa vier bis 12 Wochen, berichtet die Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Wer seine Steuerklärungen elektronisch per Elster an sein Finanzamt übermittelt, dessen Steuererklärung wird in der Regel schneller bearbeitet. 

Allerdings gibt es Finanzämter, die überdurchschnittlich viel zu tun haben oder unterdurchschnittlich besetzt sind, im schlimmsten Fall sogar beides. Dann kann die Bearbeitung der Steuererklärung zusätzlich länger dauern – auch wenn sie via Elster übermittelt wurde.

Der VLH rät: „Rufen Sie bei Ihrem Finanzamt an, lassen Sie sich mit Ihrem Sachbearbeiter verbinden und fragen Sie nach“. Am besten, man halte seine Steuer-Identifikationsnummer bereit, dann könne der Sachbearbeiter schneller auf die persönliche Steuerakte zugreifen.

Es gibt übrigens keine vorgeschriebene gesetzliche Frist. Aber wenn jemand länger als 15 Monate auf seinen Steuerbescheid warten muss, stehen ihm unter Umständen Zinsen zu.

Muss man selbst beweisen, dass ein Steuerbescheid nicht angekommen ist? 

„Nein, kommt ein Steuerbescheid nicht an, hat das Finanzamt den Zugang nachzuweisen“, so die Steuerexperten vom VLH. Dass man seinen Steuerbescheid nicht bekommen hat, merke man oft erst, wenn die erste Mahnung zur Zahlung der fälligen Steuer komme. Oder das Finanzamt überweise eine Steuerrückzahlung, ohne dass der Steuerbescheid im Briefkasten liege: „Dann lohnt sich an Anruf beim Finanzamt“.

Wie lange habe ich Zeit für den Einspruch?

Fehler im Steuerbescheid sollten dem Finanzamt möglichst bald angezeigt werden. Die Einspruchsfrist betrage einen Monat, erklärt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) in Berlin. Der Einspruch müsse schriftlich erfolgen. Die Finanzämter seien dann verpflichtet, den Bescheid noch einmal vollständig zu überprüfen.

Auch über das Online-Portal Elster seien Einsprüche möglich. Laut des Verbands seien sie relativ häufig erfolgreich. Sie sind kostenlos – falls sie abgelehnt werden, ist noch der Gang zum Finanzgericht möglich, der allerdings mit einem Kostenrisiko verbunden ist.

Gleichzeitig sollte man sich an die Stelle wenden, die die fehlerhaften Daten an das Finanzamt übermittelt hat – zum Beispiel die Krankenkasse. Die Stelle sollte dann sicherheitshalber noch einmal die richtigen Daten ans Finanzamt schicken. Dann kann der Steuerbescheid korrigiert werden.

Allerdings könne das Finanzamt im Einspruchsverfahren auch zu dem Ergebnis kommen, dass es einen Fehler zugunsten des Steuerzahlers gemacht hat. Das gilt zum Beispiel, wenn Aufwendungen zu Unrecht anerkannt wurden. In einem solchen Fall müsse die Behörde den Steuerpflichtigen auf diese Tatsache hinweisen. Der Steuerzahler habe dann die Möglichkeit, seinen Einspruch zurückzunehmen. Dann bleibe alles beim Alten. (mit Agenturmaterial)

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