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Wie Banken Geld einsammeln

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Von: Michael Braun

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Jetzt greifen die Banken nach Eigenkapital. Sie bieten Aktien an, um Milliarden einzusammeln. Die Kurse der Aktien sind zuletzt stark gestiegen, ohne freilich alte Niveaus erreicht zu haben. Von Michael Braun

Jetzt greifen die Banken nach Eigenkapital. Sie bieten Aktien an, um Milliarden einzusammeln. Die Kurse der Aktien sind zuletzt stark gestiegen, ohne freilich alte Niveaus erreicht zu haben.

Vorige Woche ging es Schlag auf Schlag: Die größte französische Bank, BNP Paribas, tat kund, über eine Kapitalerhöhung 4,3 Milliarden Euro hereinzuholen. Das war Dienstag früh. Abends teilte die italienische Unicredit, die Mutter der Hypo-Vereinsbank, mit, sie plane eine Kapitalerhöhung von bis zu vier Milliarden Euro.

Weitere zwei Milliarden wolle sich die österreichische Tochter Bank Austria holen. Schon wird spekuliert, wann die Commerzbank den Kapitalmarkt anzapft. Dass die Deutsche Bank ähnliches plant, gilt für den Fall als gesetzt, dass sie Sal. Oppenheim und Postbank alsbald konsolidiert.

Parallel dazu greifen Banken auf dem Anleihemarkt zu und verkaufen Wertpapiere, die mit Krediten besichert sind. Dazu zählen auch Pfandbriefe. 2006 hatten Banken Anleihen für 180 Milliarden Euro verkauft, 2008 waren es nur 98 Milliarden. Nun sind schon 75 Milliarden erreicht. Das schlimmste Jahr der Finanzkrise wird damit wohl übertroffen.

Die Deutsche Bank hat dieses Jahr auch eine Mischform zwischen Fremd- und Eigenkapital emittiert, sogenanntes Hybridkapital in Höhe von 1,25 Milliarden Euro. Das war eine Anleihe von theoretisch unendlicher Laufzeit, die deshalb dem regulatorischen Eigenkapital zugerechnet werden darf.

Die Stückelung von 1000 Euro deutet darauf hin, dass sie auch für Privatanleger gedacht ist. "Aber nur für risikofreudige Anleger", meint Leef Dierks, Anleiheexperte von Barclays Capital. Darauf verweise auch der Kupon von 9,5 Prozent. Die Kurse sind allerdings so, dass das Papier eine Rendite von rund acht Prozent abwirft.

Das ist deutlich mehr als eine nicht als Eigenkapital geltende Anleihe mit einer Rendite von - je nach Bonität - 3,8 bis gut fünf Prozent. Die Erklärung: Wenn die Bank keinen Gewinn erwirtschaftet, gibt es auch keine Ausschüttung auf die Hybridanleihe. Sie ist eben Eigenkapital(ersatz).

Die Rendite dieser Anleihe gibt einen Hinweis darauf, dass Banken Eigenkapital teurer bezahlen müssen als Fremdkapital in Form von Anleihen. Dennoch ist es nach dem Gipfel von Pittsburgh und als Reaktion auf die Finanzkrise gefragt: "Die Kernkapitalquoten werden steigen", meint Matthias Engelmayer von Independent Research: von jetzt vier auf acht Prozent der Bilanzsumme.

Bei Investmentbanken würden sie noch höher steigen. Außerdem sei die Staatshilfe noch teurer als Eigenkapital, erklärt Manfred Jakob, Bankanalyst bei der SEB. BNP Paribas hätte nächstes Jahr rund 15 Prozent für die Staatsmittel zahlen müssen. Da sei es billiger, sie mit frisch eingeworbenem Aktienkapital abzulösen.

Dass diese Milliarden auch fließen, die Geldgeber also bereit sind, wieder Bankaktien zu kaufen, gilt manchem als der größte Beweis, den der Kapitalmarkt für sein wieder gewonnenes Funktionieren geben kann. Noch vor einem halben Jahr, erinnert man sich, hätten Banken Geld nur von Regierungen und Notenbanken bekommen.

Die meisten Kapitalerhöhungen sind zuletzt gut über die Bühne gegangen. Nur als das japanische Handelshaus Nomura kürzlich ankündigte, bis zu 5,6 Milliarden Dollar über den Aktienverkauf einnehmen zu wollen, war der Markt verschnupft. Denn Nomura hatte den europäischen Teil von Lehman Brothers übernommen. Hier kam der Verdacht auf, Nomura wolle nicht die Eigenkapitalbasis verbreitern, sondern alte Löcher stopfen.

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