Auflösung des DEGI Immobilienfonds - Tipps für Anleger

Nach dem Aus für einen deutlich kleineren Fonds Ende September wird nun ein weiterer offener Immobilienfonds aufgelöst. ...

Frankfurt/Stuttgart. Nach dem Aus für einen deutlich kleineren Fonds Ende September wird nun ein weiterer offener Immobilienfonds aufgelöst. Am Ende war der DEGI Europa nach Einschätzung der Fondsverwaltung nicht mehr dauerhaft offen zu halten.

Anleger fürchten nun, deutlich weniger zurück zu erhalten, als sie eingezahlt haben. Verbraucherschützern zufolge gibt es aber keinen Grund zur Panik.

Wie komme ich an mein Geld?

Die Kapitalanlagegesellschaft Aberdeen Immobilien, die den DEGI-Fonds verwaltet, teilt mit, dass halbjährlich Rückzahlungen für die Anleger geplant sind. Die Immobilien im Fonds-Portfolio sollen innerhalb der gesetzlichen Frist bis Ende September 2013 verkauft werden. So soll Geld für die Auszahlung der Anleger eingenommen werden. Die Frist sei so lang, damit nicht aus Not heraus zu Niedrigpreisen verkauft werden muss - das Unternehmen plane aber einen möglichst schnellen Verkauf. Alle Anlegergruppen sollen die gleiche Auszahlungsquote erhalten.

Die erste Tranche soll im Januar 2011 an die Anleger ausgeschüttet werden. Der Umfang der Rückzahlungen richtet sich jeweils nach der aus den Verkäufen erzielten Liquidität - allerdings unter Berücksichtigung von Kreditrückzahlungen, die das Unternehmen zu leisten hat.

Was sind meine Anteile wert?

Das ändert sich börsentäglich. Derzeit beläuft sich der Rücknahmepreis pro Anteil laut Aberdeen auf 48,59 Euro. Dieser Wert ist mit der Zahl der Anteilsscheine im Depot zu multiplizieren, um auf die Summe des eigenen Investments zu kommen. Der Rücknahmepreis werde auch weiter auf "www.aberdeen-immobilien.de" veröffentlicht.

Kann ich auch schneller an mein Geld kommen?

Anleger müssen nicht auf die Rückzahlung durch die Kapitalanlagegesellschaft warten. "Für die Betroffenen gibt es zwei Möglichkeiten: Sie können die Abwicklung des Fonds abwarten und sehen, welchen Preis sie bekommen", sagte Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Oder ich kann die Anteile an der Börse verkaufen."

Gehandelt werden Anteile am DEGI-Europa-Fonds an mehreren deutschen Börsenplätzen. Allerdings wird der Preis hier von Angebot und Nachfrage bestimmt - Anleger können also nicht mit einem bestimmten Preis rechnen. "Es gab zuletzt große Abschläge auf den Kurs. Da ist es die große Frage: Nehme ich den Abschlag in Kauf und verkaufe oder bleibe ich investiert und warte auf das Angebot der Kapitalanlagegesellschaft?", sagt Nauhauser. "Es ist Spekulation, was der bessere Weg ist."

Auch der Fondsverwalter Aberdeen teilt mit, dass seit der Schließung des Fonds vor zwei Jahren Anteile im Wert von 400 Millionen Euro an der Börse gehandelt worden seien, zu überdurchschnittlich hohen Abschlägen. Und in den vergangenen Wochen habe das Handelsvolumen noch zugenommen - viele Anleger wollen ihre Anteile also loswerden.

Verluste seien Anlegern ohnehin schon entstanden. Jeder müsse seine eigene Entscheidung treffen, sagt daher Nauhauser. Grundsätzlich empfiehlt er aber allen, die das Risiko tragen können, die Anteile weiter zu halten - also all jene, die nur kleine Positionen des Fonds im Depot haben. Wer hohe Summen in dem Fonds hat und vor allem Sicherheit anstrebt, könnte mit einem Verkauf der Anteile und dem Umschichten in Bankeinlagen besser bedient sein.

Grundsätzlich sei Panik nicht angebracht. "Wir halten die Anlageklasse der offenen Immobilienfonds weiter für interessant, wenn Anleger breit gestreut in Immobilien investieren wollen", sagt Nauhauser. Immobilien hätten andere Risiken und andere Vorteile als Aktien oder Anleihen - wer mit Immobilien bei der Anlage streuen will, habe meist keine Alternative zu offenen Immobilienfonds, die Nauhauser daher als "gute und sinnvolle" Anlage einstuft: Schließlich habe nicht jeder das Geld, um gleich mehrere Immobilien zu erwerben, sei es zur Eigennutzung oder Vermietung.

Laut einer Branchenübersicht des Fondsverbands BVI in Frankfurt war die Anteilsrücknahme Ende August bei rund einem Dutzend offener Immobilienfonds ausgesetzt. Der BVI betont in einer aktuellen Mitteilung zur Schließung des DEGI-Fonds außerdem, dass Ende September 21 von 28 offenen Immobilienfonds auf Jahressicht eine positive Wertentwicklung von durchschnittlich 2,2 Prozent erzielt hätten.

Nauhauser rät aber, immer in mehrere Immobilienfonds zu investieren und nicht nur in einen oder zwei. Nur so sei der Risikostreuung genüge getan. Das hat auch die Stiftung Warentest im neuen "Finanztest"-Heft noch einmal betont. Und Sparer sollten wissen, dass Immobilienfonds nur zur langfristigen Anlage geeignet seien.

Die kostenfreie Kunden-Hotline von Aberdeen Immobilien ist von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr unter der Nummer 0800/3232444 zu erreichen. (dpa/tmn)

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