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Absurde Erlebnisse im Einzelhandel

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Einzelhandelskaufmann Christian Klein hat Kunden „zum Fressen gern“.
Einzelhandelskaufmann Christian Klein hat Kunden „zum Fressen gern“. © Privat

Sie möchten im Discounter ein Stück Hefe ausleihen, vollführen magische Rituale vor der Eingangstür oder probieren den BH mitten im Supermarkt an: Kunden sind seltsame Wesen, findet Verkäufer und Buchautor Christian Klein.

In den Supermarkt gehen wir alle. Aber die wenigsten von uns können sich ausmalen, wie hart der Job für die Verkäufer ist. Denn nicht alle Kunden sind umgänglich und gut erzogen, das hat Einzelhandelskaufmann Christian Klein am eigenen Leib erfahren.  

Sein Buch „Neulich im Discounter“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf) ist eine Sammlung von teils witzigen, teils verstörenden Anekdoten aus dem Einzelhandel. Klein, Jahrgang 1985, hat nach seiner Ausbildung mehrere Jahre bei einem Discounter gearbeitet – durchgehalten hat er nur mit Humor und viel Schlagfertigkeit, wie er sagt: „Mit der Zeit entwickelt man Abwehrmechanismen gegen den alltäglichen Wahn.“

Was Christian Klein an der Kasse und zwischen den Supermarkt-Regalen erlebte – ein kleiner Eindruck:

1. Hefe zu verleihen?

„Eines der mit Abstand absurdesten Erlebnisse hatte ich mit einem älteren Mann, der mich dazu bringen wollte, ihm Lebensmittel zu vermieten. Der Mann kam allen Ernstes auf mich zu und wollte einen Würfel Hefe mieten! Anstelle der 19 Cent, die der Würfel eigentlich kostet, bot er mir 3 Cent an und versprach, die Hefe in der kommenden Woche zurück zu bringen“, erzählt der Verkäufer. Allerdings werde im Discounter natürlich nichts vermietet, so Klein: „Wir sind weder ein Baumarkt, der einen Hochdruckreiniger verleiht, noch sind wir Sixt oder Europcar.“

2. Magische Rituale

Manchmal jagen die Kunden Christian Klein auch ein wenig Angst ein. Zum Beispiel die Frau, die direkt vor dem Supermarkt einen Steinkreis errichtet mit den Worten: „Das ist der Kreis des Teufels. Er wird Unglück über Ihren Laden bringen. Sie werden pleite gehen, und dann gehört das Gebäude mir.“ Zum Glück ließ sie sich nach einer kurzen Diskussion vertreiben, ohne dass die Polizei kommen musste.

3. Die BH-Anprobe

Unglaublich ist auch diese Kundengeschichte: Eine Mutter will ihre Tochter mitten im Supermarkt dazu bringen, einen BH anzuprobieren. Natürlich gibt es im Discounter keine Umkleidekabine. Als die Mutter daraufhin auf den „scheiß Laden“ schimpft, beschließt Klein, die Dame auf freundliche Art zu foppen: „Ich kann Ihnen gern ein Stück Pappe geben, das können Sie Ihrer Tochter vor die Brust halten, dann kann sie den BH anprobieren“, so sein Vorschlag. 

Doch die Mutter versteht offenbar keine Ironie, auch nicht, als Klein ihr spaßeshalber einen Bananen-Karton anbietet („Der ist wenigstens unten offen“). Nach einigen Diskussionen rauschen Mutter und Tochter ab – nicht ohne den BH zurück ins Regal zu schleudern und den Verkäufer noch einmal kräftig zu beleidigen.

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4. Im Einkaufswagen gefangen

„Hilfe, ich bin im Einkaufswagen gefangen! Kann mir bitte jemand helfen?“ Sowas erlebt ein Verkäufer auch nicht alle Tage. Christian Klein eilt der Kundin zur Hilfe, die mit ihrer Jacke im Münzschloss des Einkaufswagens feststeckt. Nach viel hysterischem Geschrei („Rufen Sie die Feuerwehr!“) geschieht ein Wunder: Plötzlich löst sich die Jacke, ohne dass jemand eine Schere holen muss. 

5. Der dümmste Dieb

Eigentlich hat Klein Feierabend. Doch während der Abrechnung sieht er auf dem Überwachungsmonitor, wie ein betrunkener junger Mann an der Kühltruhe lehnt und schläft. Dann wacht der Kunde auf und schwankt zum Spirituosenregal – dort steckt er sich „unauffällig“ zwei Flaschen Wodka in die Jackenärmel. Klein und seine Chefin stellen den Mann zur Rede. „Wir schlossen die Bürotür hinter uns; der Dieb begann ohne jede Aufforderung damit, sich auszuziehen... Er zog nicht nur die Jacke aus, nein, er stand wenige Augenblicke später nur noch in seiner Unterwäsche im Büro.“ Die Polizei macht dem Spuk schließlich ein Ende.

Mittlerweile ist Christian Klein nicht mehr im Discounter tätig, was aber nicht an den anstrengenden Kunden liegt: „Als ich meine Ausbildung machte, war alles anders. Es wurde noch Wert auf Kundenkontakt gelegt.“ Heutzutage scheine dies keine große Rolle mehr zu spielen, bedauert der Autor im Verlagsinterview: „Ich hatte in meiner Zeit im Discounter immer zu wenig Zeit für meine Kunden. So möchte ich nicht mehr arbeiten.“ (gs)

Christian Klein: Neulich im Discounter: Hilfe, ich bin im Einkaufswagen gefangen! Meine absurdesten Erlebnisse mit Kunden. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,99 Euro.

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