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Das Leben ist eine Party: Leonardo DiCaprio als gieriger Finanzjongleur Jordan Belfort in einer Szene des Kinofilms.

Gierige Börsenmakler

Abgezockt von Wölfen der Wall Street

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Er konnte den Hals nicht voll genug kriegen: Börsenmakler Jordan Belfort betrug Tausende Anleger um ihre Ersparnisse. Der Film „The Wolf of Wall Street“ von Martin Scorsese erzählt seine Geschichte. Dabei gab es noch gierigere Finanz-Jongleure als ihn.

Der Lehrsatz für den jungen Börsenmakler ist simpel. „Hol das Geld aus der Tasche deiner Kunden und stopf es in die eigene Tasche.“ Was sein Vorgesetzter ihm da sagt, hat Leonardo DiCaprio in der Rolle des Finanzwelt-Neulings schon bald verinnerlicht. Er wird ?The Wolf of Wall Street?, wie das neue Regiewerk von Martin Scorsese heißt. In Deutschland läuft der Film seit Donnerstag (16.1.) in den Kinos.

Mit Hunderten Millionen Dollar aus den Taschen der Investoren feiert der junge Spekulant eine Dauerparty mit Sexorgien und Kokainbergen. Der schrille Film ist satirisch überzeichnet - und fußt doch auf einer wahren Begebenheit: In den 80ern und 90ern sorgte Finanzjongleur Jordan Belfort für Furore, bis er im Knast landete.

Der echte Belfort stieg während des Aktienbooms auf, betrog Investoren, wurde mit nur 26 Jahren reich, gab sein Geld für Autos, Häuser, eine Yacht, Prostituierte, Alkohol und Drogen aus. Er wurde gefasst, kam ins Gefängnis und schrieb seine Lebensgeschichte auf.

Vor etwa sechs Jahren las DiCaprio das Buch. „Für mich spiegelt seine Biografie alles wider, was mit der heutigen Gesellschaft nicht stimmt“, erklärt der Hollywood-Superstar. Belfort und seine Kumpanen hätten versucht, Gordon Gekko nachzueifern - die von Michael Douglas 1987 in „Wall Street“ gespielte fiktive Figur, die die Gier am Kapitalmarkt bis heute verkörpert.

Allerdings gibt es auch Kritik am Film, denn er ist in den Augen vieler Zuschauer kein Lehrstück über die Finanzkrise oder die Dekadenz der Wall Street. Die um ihr Geld geprellten Kleinanleger kommen darin fast gar nicht zu Wort. Und selbst als die Hauptfigur Belfort am Ende doch noch stürzt, gehen die Filmemacher sanft mit ihr um.

Belfort (DiCaprio) preist seine Firma bis zuletzt als Verwirklichung des amerikanischen Traums: Ihm zum Dank konnten sich seine Mitarbeiter aus eigener Armut hinausarbeiten und Großverdiener werden. „Es hält euch niemand davon ab, Millionen zu machen“, ruft er vor versammelter jubelnder Mannschaft. Und feiert sich weiterhin als Erfolgsgarant, der nur ein paar Schrammen hat.

Im Laufe des Films verhöhnt Belfort einen FBI-Agenten für dessen mickriges Jahressalär - das reiche doch nur für unkomfortable U-Bahn-Fahrten auf dem Weg zur Arbeit. Ein Bestechungsversuch schlägt fehl, der FBI-Agent bleibt standhaft und bringt Belfort zu Fall - und wird als alles andere als ein strahlender Sieger dargestellt:

Mit mattem Blick ist der Ermittler in einem stickigen, verranzten U-Bahn-Abteil zu sehen, umgeben von armen, apathischen Menschen. Als solle die Botschaft des Films lauten: Die Gier nach Geld verdirbt zwar den Menschen, aber wenigstens lässt es sich mit so einer Einstellung komfortabel leben.

Europas Banker können jedenfalls nicht abwarten, den Film zu sehen. Von Stockholm bis Mailand sicherten sich Finanzinstitute in den vergangenen Tagen die Karten für Vorpremieren. Die schwedische Nordea organisierte für Kunden und Angestellte sogar eine Sondervorstellung, während die italienische Börse ihn gleich vor Ort zeigen will. (dpa/gs)

Neben Jordan Belfort gibt es noch weitere echte „Wölfe der Wall Street“ - Finanzspekulanten und Anlagebetrüger, die unrechtmäßig Millionen scheffelten. Was aus ihnen wurde, zeigt unsere Bildergalerie:

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