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Der Erbstreit

Wenn Erben und Enterbte um den Nachlass kämpfen

Stirbt ein Angehöriger, ist meist nicht nur die Trauer groß. Auch das Erbe kann sehr umfangreich ausfallen. Handelt es sich beim Nachlassempfänger um einen Alleinerben, ist die Sachlage klar und er kann das Erbe nach Belieben verwenden.

Komplexer gestaltet sich das Ganze, wenn mehrere Hinterbliebene das Erbe unter sich aufteilen müssen. In einer solchen Erbengemeinschaft geht es nicht immer harmonisch zu.

Warum entbrennt der Streit ums Erbe?

Der wohl häufigste Grund für Streit unter Erben ist wie so oft im Leben das Geld. Emotionen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, fühlen sich doch nicht wenige Erben unterdurchschnittlich bedacht. Auch Neid und Missgunst gegenüber den Miterben sowie Zweifel an deren Fähigkeit, sorgsam mit dem Erbe umgehen zu können, rufen Unmut hervor. Das Leben des Verstorbenen, die Beziehung der Erben zu ihm sowie die Größe des Erbteils wirken sich schließlich ebenso auf die Stimmung innerhalb der Erbengemeinschaft aus und können einen Erbstreit hervorrufen.

Konfliktherd Erbengemeinschaft – die Wege heraus

Erben mehrere Personen zusammen, bilden sie sowohl eine Erben- als auch Zwangsgemeinschaft. Es geschieht schneller als gedacht, dass die Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse der einzelnen Nachlassempfänger kollidieren. Ist der Konflikt entstanden, gibt es mehrere Wege, aus dieser Situation herauszukommen. Neben einer einvernehmlichen Lösung unter Einbezug beispielsweise eines Immobilienmaklers stehen die „Schlichtung“ des Erbstreits durch einen Anwalt sowie die Auflösung der Erbengemeinschaft durch den Verkauf eines Erbteils zur Auswahl.

Die einvernehmliche Lösung

Im Idealfall kommt es zwischen allen Erben zu keinerlei Streitigkeiten. Prallen doch verschiedene Gedankenwelten aufeinander und entwickelt sich ein Zwist, muss dieser nicht zwangsläufig das Tischtuch zwischen sämtlichen Nachlassempfängern zerschneiden. Gespräche untereinander sollten niemals verweigert werden, um Zugeständnisse zu kommunizieren und die Chance auf einen konsensfähigen Beschluss zu erhöhen. Erben Angehörige beispielsweise das Elternhaus und möchten alle bis auf eine Person die Immobilie verkaufen, kann sich die Hängepartie ziehen und dem Wert des Gebäudes schaden. Werden sich alle diesem Fakt bewusst und entscheiden sich geschlossen für den Verkauf des Hauses, bietet sich die Abwicklung über einen Immobilienmakler an. Um einen fähigen zu finden, sollten sich die Erben die 10-Punkte-Checkliste für eine erfolgreiche Maklersuche vergegenwärtigen. So kann die Erbgemeinschaft sogar mit einer Immobilie als Streitobjekt einvernehmlich den Weg aus der Erbengemeinschaft finden.

Fachanwalt für Erbrecht

Wer sich nicht einigen kann, der macht mit einem endlosen Streit alles nur noch schlimmer. Auch hier bietet sich das Elternhaus als Beispiel an, schließlich schadet die Uneinigkeit in der Frage „Verkaufen oder nicht?“ sowohl dem Miteinander der Erben (in einem solchen Fall höchstwahrscheinlich allesamt Geschwister) als auch der Bausubstanz. Stillstand sorgt nicht nur dafür, dass keiner kurzfristig Geld erhält, sondern lässt auch noch den theoretisch erzielbaren Immobilienwert sinken. Irgendwann bedarf es einer Lösung, die wohl über übel über einen fachkundigen Rechtsanwalt führen wird. Derartige Streitigkeiten dauern lange und kosten auch viel Geld.

Doch die Investition in einen Anwalt lohnt sich, da die dafür anfallenden Kosten letztlich geringer ausfallen, als dauerte der festgefahrene Zwist inklusive Wertverlust der Immobilie noch länger an. Einen aufs Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt suchen Nachlassempfänger daher idealerweise frühzeitig auf, wenn sich entgegengesetzte Positionen verfestigen. Ein Anwalt ist natürlich auch als vorbeugende Maßnahme zu verstehen, indem der Profi bei der Formulierung des Testaments hilft. Ein solches klärt die Verteilung des Nachlasses bereits vor dem Ableben rechtssicher und mindert das Potenzial für Missverständnisse oder vor Gericht anfechtbare Passagen.

Der Verkauf des Erbteils

Wenn sich leider keine einvernehmliche Lösung finden lässt oder einer der Erben kein Geld in einen Fachanwalt für Erbrecht investieren möchte, muss die Situation keineswegs aussichtslos sein. Es ist nämlich möglich, den eigenen Erbteil zu verkaufen. Dadurch kann ein Nachlassempfänger kurzfristig aus der Erbengemeinschaft ausscheiden und für vollendete Tatsachen sorgen. Dies bringt mehrere Vorteile mit sich. Zum einen gelangen Erben dadurch schneller an das ihnen zustehende Geld und zum anderen vermeidet man jahrelange Streitigkeiten vor Gericht, bei dem die Betroffenen durch die Instanzen hetzen und außer wertvoller Zeit noch jede Menge Geld verlieren. Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss die Meinung der anderen Mitglieder dieser Zwangsgemeinschaft nicht beachten. Noch besser: Er braucht jene nicht einmal um Erlaubnis fragen, sondern kann sein Vorhaben gewissermaßen still und heimlich realisieren.

Rechte und Pflichten von Erben

Grundsätzlich gilt: Potenzielle Erben sollten sich in Ruhe überlegen, ob sie den Nachlass ausschlagen oder annehmen. Denn feststeht, dass mit einem Erbe generell Pflichten und Rechte einhergehen. Vor- und Nachteile können also gleichermaßen auf Erben zukommen, wodurch das Abwägen beider Seiten sehr wichtig ist. Wer diese Gesamtrechtsnachfolge akzeptiert, darf sich unter Umständen also über Sparbücher und Immobilien freuen, muss dann aber auch gleichzeitig anfallende Schulden, Rechnungen, Ratenzahlungen, ausstehende Abos und ähnliche Ausgaben begleichen. Die Pflichten überwiegen meistens die Rechte, da auch beispielsweise die Beerdigung bezahlt, gewisse sittlich vertretbaren Auflagen erfüllt und Erbschaftssteuer abgeführt werden müssen. In diesem Zusammenhang sollten Mitglieder einer Erbengemeinschaft wissen: Prozesskosten können die Erbschaftssteuer mindern. Persönliche Rechte wie die Übernahme des Status als Ehegatte werden durch die Erbschaftsannahme aber nicht übertragen.

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