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Torsten Low im Interview – Die Leidenschaft der Kleinverlage

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jessica Bradley

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Preisträger Torsten Low auf der BuchCon
Verleger Torsten Low © Torsten Low

Seit 17 Jahren gibt es bereits den Kleinverlag „Torsten Low“. Mit viel Leidenschaft für Bücher und tollen Geschichten. Die Konkurrenz mit den großen Publikumsverlagen ist nicht immer leicht. Der Verleger Torsten Low im Interview.

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Wie hat 2005 alles angefangen?

Am Anfang habe ich noch meine eigenen Romane verlegt. Die haben wir damals noch per Hand gebunden, auf dem heimischen Drucker ausgedruckt, mit 3-Wetter-Taft fixiert und diese Romane dann auf Conventions angeboten.

Wir sind damals tatsächlich mit Leimtöpfchen und Presszwingen über die Conventions gezogen und haben vorgeführt, wie ein Buch entsteht. Dann kam der Punkt, als ich ca. 500 selbst gebundene Hardcover verkauft hatte, dass ich keinen Bock mehr hatte das zu machen - jetzt machen wir richtige Bücher. Ich habe begonnen, mir richtige Autor*innen zu suchen und dann professionell einen Verlag gegründet. 

Welche Genre bedient dein Verlag mittlerweile?

Wir bedienen komplett die Sparte Fantastik mit allen Facetten, für ältere Jugendliche und Erwachsene. Zusätzlich Horror, Steampunk. Märchen für Erwachsene und Science Fiction. Dies dann auch in den verschiedenen Größen, wie Kurzgeschichten, Novellen oder in Romanform. Es gibt unsere Geschichten im klassischen Druck und E-Book Bereich, aber auch Hörbücher, Comics und mit „Herbstlande“ auch ein Rollenspiel.

Die Leidenschaft für Conventions ist aber geblieben?

Ja. Wir sind unwahrscheinlich gerne auf der FeenCon und sind seit 2009 dauerhaft dort. Wir sind im Jahr ungefähr auf, vor Corona muss man dazusagen, 30 Wochenenden im Jahr auf Conventions. Wir hatten 50-60 Lesungen in dieser Zeit und waren somit von Februar bis November dauerhaft auf Achse. Meistens sind wir in Wien gestartet, mit einer Veranstaltung, die wir selber organisiert haben, zusammen mit 2-3 anderen Autor*innen zusammen. Und geendet hat das Ganze mit der DreieichCon in Dreieich.

Wie funktioniert euer Verlag? Bekommt ihr viele Anfragen oder sucht ihr explizit nach Autor*innen?

Wir suchen zum Beispiel über Ausschreibungen von Kurzgeschichten für Anthologien. Wir machen regelmäßig Anthologien, also Kurzgeschichtenbände. Aktuell haben wir eine Ausschreibung über japanische Geistermädchen. Für Romane suche ich nicht explizit, da ich für die nächsten 3 Jahre ausgelastet bin. Hängt damit zusammen, dass wir unsere Autor*innen größtenteils durch die Ausschreibungen entdecken. Zum Beispiel Vincent Voss kam mit einer Kurzgeschichte und ein halbes Jahr später sagte er, dass er einen Roman hätte. Seit dem hat er bei uns 5 Romane veröffentlicht. „Im Eis“ wurde sogar mit dem Vincent Preis ausgezeichnet.

Bei den großen Publikumsverlagen kommt man als Autor*in ja meist nur noch durch eine Agentur an einen Vertrag. Wie sieht das außerhalb der Anthologie-Ausschreibungen bei euch aus?

Über Agenturen läuft bei uns gar nichts. Die kommen nicht auf uns zu, weil ein Kleinverlag nicht so große Verkäufe hat, wie ein Publikumsverlag. Das lohnt sich dann meistens nicht. Grundsätzlich kann man sich bei uns mit einem Exposé und einer 20-30 seitigen Leseprobe, die den Anfang aufzeigt, das ist mir besonders wichtig, bewerben. Der Anfang eines Romans muss nicht die krasse Action zeigen, aber man merkt recht schnell, ob ein Roman direkt am Anfang funktioniert oder nicht. Das erkenne ich alleine am Schreibstil und dem Logikaufbau. Ein paar Zeilen über die Autor*innen selbst ist auch interessant, da muss auch nicht im Vorfeld schon Veröffentlichungen gegeben haben.

Was macht deinen Verlag besonders gegenüber der Konkurrenz?

Ich glaube, es ist die Ausrichtung, die wir haben. Ein Großteil des Programmes sind tatsächlich Anthologien, weil ich der Meinung bin, die fantastische Kurzgeschichte ist der Ursprung der Fantastik. Wenn man einfach nur mal an Autoren denken wie Edgar Allen Poe, Jack London oder Lovecraft, die ihre größten Erfolge in Kurzgeschichten feierten. So eine gute, knackige Kurzgeschichte hat einfach ihren Reiz. Deshalb mache ich auch Anthologien wie die, der bulgarischen Science Fiction Kurzgeschichten in „Kontakt mit Übermorgen“. Demnächst auch Science Fiction aus Griechenland.

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Das Cover der Anthologie „Kontakt mit Übermorgen“ bulgarische Science Fiction vom Torsten Low Verlag
Cover „Kontakt mit Übermorgen“ Torsten Low Verlag © Torsten Low Verlag

Auf der Erde landet ein fremdes Raumschiff, bleibt aber völlig inaktiv und reagiert auf keinerlei Kontaktversuche – bis es schließlich zwei Astronauten einlässt, die eigentlich zum Mars fliegen sollten. Auf einem verrufenen Planeten gehen Besucher von überallher geheimnisvollen Vergnügungen nach. Auf einem anderen Planeten mussten gestrandete Raumfahrer, um zu überleben, eine komplette Ökologie erschaffen – aus dem einzigen Material, das sie hatten. Eine abgelegene sibirische Stadt mit zwanzigtausend Einwohnern, wo Flugpassagiere unplanmäßig übernachten müssen, wirkt tagsüber wie ausgestorben. Ein vorbeifliegendes Raumschiff beschert der Menschheit eine bemerkenswerte Hinterlassenschaft. Um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, gibt es in der Zukunft verschiedene technische Möglichkeiten.

„Kontakt mit Übermorgen“ Torsten Low Verlag

Torsten Low Verlag „Kontakt mit Übermorgen“ - bulgarische Science Fiction

2021, ISBN 13-978-3-966-29015-9

Preis: Taschenbuch 13,90 €, Seitenzahl: 276, jetzt bestellen (werblicher Link)

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