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Bücher schreiben als Beruf: So sieht der Alltag eines Autors wirklich aus – Interview mit Robert Corvus

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Von: Jessica Bradley

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Portäitbild von Robert Corvus
Robert Corvus © Gustav Kuhweide

Robert Corvus schreibt Fantasy und Science Fiktion. Auf der FeenCon hat er sich meinen Fragen gestellt. Vielen Dank für das Interview.

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Robert Corvus war dieses Jahr ebenfalls auf der FeenCon und ich konnte ihn Fragen über seinen Schreiballtag stellen. Er ist beim Autorenteam von Perry Rhodan und hat zusammen mit Bernhard Hennen die Phileasson Saga geschrieben. Seine Romane erscheinen im Piper Verlag.

Wie sieht deine Schreibroutine aus?

Ich werde oft von meinem Kollegen Bernhard Hennen getadelt, ‭ da ich Freiberufler bin, ‭ ‭aber arbeite wie ein Angestellter. Das stimmt auch stückweise, ich stehe morgens, für einen Freiberufler, recht früh auf, so gegen halb sieben. Im idealen Fall, wenn ich eine Rohfassung schreibe, setze ich mich an meinen Rechner, stelle gegen 12 Uhr fest, dass ich ja noch im Schlafanzug bin und mich vielleicht mal präsentabel machen sollte. Ich mache eine recht lange Mittagspause und setze dann gegen 16 Uhr wieder ein. Solange wie die Energie reicht, das kann mal 20 Uhr oder auch 22 Uhr sein. Und am nächsten Tag geht es genauso weiter. Ich bin recht diszipliniert in meiner Routine. Aus dem Grund schreibe ich im Durchschnitt einen Roman von 400 bis 500 Seiten als Rohfassung in einem Monat.

Wie sieht den deine Arbeitsumgebung aus? Wo schreibst du am liebsten?

Im Grunde kann ich überall schreiben. Ich kann im Zug schreiben oder im Park. Durch die heutige Technik, mit mobilen Geräten, ist das ohne Probleme möglich. Ich schreibe immer am Computer, ich fertige keine handschriftlichen Entwürfe oder ähnliches an. Am häufigsten schreibe ich aber an meinem Schreibtisch zu Hause. Das habe ich alles so eingerichtet, dass da alles in Griffweite habe. Eine kleine Handbibliothek, mit Sachen, die ich öfter mal nachschaue und das ist für mich am praktischsten. 

Eine gute Investition war ein Schreibtisch, den man hoch- und runterfahren kann. Dadurch habe ich unterschiedliche Arbeitshaltungen, man sitzt nicht einfach nur den ganzen Tag und das ist gut für den Rücken.

Wie kommst du als Autor auf deine Ideen?

Das ist eine verständliche Frage, geht aber an der Realität, von Schriftstellern oder kreativen Menschen an sich, vorbei. Denn das Problem ist nicht, ‭‬ ‭‬dass man zu wenig Ideen hat, sondern nicht die Zeit sie alle umzusetzen. Manchmal bekomme ich Zuschriften von Leuten, die sagen, ich habe eine Idee für einen tollen Roman, den bräuchte ich ja nur noch schreiben und dann könne man die Einnahmen teilen. Aber das ist nicht das Problem, man hat hunderte von Ideen und ich bin mir sicher, ich werde die absolute Mehrzahl von Romanideen mit ins Grab nehmen.  

Ideen können überall herkommen. Allein bei Routinetätigkeiten wie eine Getränkekiste die Treppe hochschleppen. Man ist damit zwar beschäftigt, ‭‬ ‭‬aber der Kopf halt nicht, der geht dann eben gedanklich auf Wanderschaft. Was bei mir auch häufig ist, wenn ich gute Geschichten lese oder im Kino anschaue, dann ertappe ich mich häufig dabei, dass sich mir vorstelle, dass an dem ein oder anderen Punkt Dinge anders gelaufen wären. Oder wie wird die Geschichte erlebt, von den Figuren, die nicht im Mittelpunkt stehen? Das ist dann der Startpunkt für meine Überlegungen.

Welche Autor*innen liest du gerne oder haben dich inspiriert?

Ich habe für mich Michel Houellebecq entdeckt. [Anmerkung der Redaktion: Michel Houellebecq ist als Autor nicht unumstritten – so wird ihm oft unterstellt, Rassist, Frauenhasser, Reaktionär und Religionsfeind zu sein.]

Ich hatte „Serotonin“ gelesen und jetzt hat er „Vernichten“ geschrieben. Und das ist wirklich Kunst, das muss ich schon sagen, wenn man aus dem Science Fiktion Bereich einen Tipp haben möchte. In der Fantastik finde ich immer noch ungeschlagen „Der Wüstenplanet“, was nun auch neu verfilmt worden ist, wie ich finde sehr gelungen. Natürlich ist ein Buch ein anderes Medium als ein Film und kann noch mal andere Dinge transportieren. Es lohnt sich, das zu lesen. Ich finde es sehr aktuell, es hilft einem die Welt ein bisschen zu verstehen. Da er so gut wie kein anderer Autor beschrieben hat, was die Religion als soziologische Kraft, die mit großer Wucht mal zuschlägt, ganze Gesellschaften prägt und welche Auswirkungen das hat. 

Das Cover des Science Fiction Romans „Sternenbrücke“ von Robert Corvus
Cover „Sternenbrücke“ Robert Corvus © Piper Verlag

Bei der Detonation einer Sternenbrücke geht das Raumschiff von Yul Debarras Frau im Hyperraum verloren. Seitdem zweifelt Yul am Sinn seines Lebens, doch dann erhält er ein einmaliges Angebot: Als Bordarzt heuert er auf einem Raumschiff der Starsilver Corporation an, das die zerstörte Sternenbrücke reparieren soll. Yul nimmt den weiten Unterlichtflug in Kauf, da er hofft, so etwas über das Verschwinden seiner Frau herauszufinden. Doch wird er nach eineinhalb Jahrhunderten in einer Kälteschlafkammer wirklich das im Zielsystem vorfinden, was er sich erhofft hat?

Sternenbrücke von Robert Corvus

Robert Corvus „Sternenbrücke“

2022, Piper Verlag, ISBN 13-978-3-492-70626-1

Preis: Taschenbuch 16 €, E-Book 12,99 €, Seitenzahl: 368 (abweichend vom Format) Jetzt bestellen (werblicher Link)

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