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Nominiert für den Deutschen Buchpreis: Kim de l’Horizon „Blutbuch“

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Von: Jessica Bradley

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Das Cover des Romans „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022
Cover „Blutbuch“ Kim de l’Horizon © Dumonat Verlag

„Blutbuch“ von Kim de l’Horizon ist aktuell auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Warum das auf jeden Fall berechtigt ist: Mein Buchtipp.

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Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie und der Suche nach Identitäten. Er ist gänzlich in gendergerechter Sprache verfasst, was ihn mir sofort sympathisch machte.

Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l’Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet.

Dumont Verlag

Kim de l’Horizon „Blutbuch“: Über das Buch

Der Roman „Blutbuch“ ist stimmgewaltig geschrieben und greift direkt jegliche Emotionen an. Es sind Familiengeheimnisse, die schwer auf den Menschen liegen und eine düstere Stimmung entfachen und die Suche nach dem Selbst.

Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, lebt sie mittlerweile in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie.

„Blutbuch“ Kim de L‘Horizon

Der Roman wurde bereits mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet und steht nun auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.

Kim de l’Horizon „Blutbuch“: Mein Fazit

Die ersten Seiten haben bereits starke Emotionen in mir geweckt. So eine tiefe Geschichte mit einer traumhaften Sprache. Ich bin restlos begeistert. Es ist für alle geeignet, die die Wandlungsfähigkeit der Sprache lieben und schätzen. Kein Platz für Stereotypen, ein sehr poetisches Buch.

Kim de l’Horizon „Blutbuch“

2022, Dumont, ISBN 13-978-3-832-18208-3

Preis: gebundenes Buch 24 €, E-Book 19,99 €, Seitenzahl: 336 (abweichend vom Format) Jetzt bestellen (werblicher Link)

Kim de l’Horizon

KIM DE L’HORIZON, geboren 2666 auf Gethen. In der Spielzeit 21/22 war Kim Hausautor an den Bühnen Bern. Vor dem Debüt ›Blutbuch‹ versuchte Kim mit Nachwuchspreisen attention zu erringen – u. a. mit dem Textstreich-Wettbewerb für ungeschriebene Lyrik, dem Treibhaus-Wettkampf für exotische Gewächse und dem Damenprozessor. Heute hat Kim aber genug vom »ICH«, studiert Hexerei bei Starhawk, Transdisziplinarität an der ZHdK und textet kollektiv im Magazin DELIRIUM. ›Blutbuch‹ wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet.

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